laut.de-Kritik

Gothic Metal mit Horrorfilm-Atmosphäre.

Review von

Septic Flesh sind mit Sicherheit eine Band, die nicht mehr viele Leute auf dem Plan hatten. Zwar haben sich die Griechen mit ihren Veröffentlichungen eine ansehnliche Fanschar erspielt, doch trotz ihrer recht interessanten, orchestralen Death Metal-Inszenierungen kamen sie darüber nie hinaus.

Nachdem es im Februar 2007 eigentlich nur zu einem Reunion-Konzert kommen sollte, haben sich die Hellenen letztendlich noch mal zusammengerauft und legen nun über Season Of Mist ihr mittlerweile achtes Album "Communion" vor. Stilistisch hat sich nicht viel geändert, doch wie Gitarrist Chris schon angekündigt hat, wurden die symphonischen Elemente auf dem Album von einer ganzen Horde Leute und Chorsänger/Innen eingespielt bzw. gesungen. Insgesamt 80 Musiker und 32 Sänger sollen beteiligt gewesen sein.

Die haben schon im Opener "Lovecraft's Death" einen eindrucksvollen Auftritt und erschaffen eine herrlich, gespenstische Atmosphäre, die auch ins deutlich melodischere "Annubis" überleitet. Zwar growlt sich Seth zunächst in bester Nile-Manier durch die Strophen, die tatsächlich auch einen gewissen ägyptischen Flair versprühen, doch passend zum sehr melodischen Refrain greifen sie auf klare Gesangslinien zurück. Obwohl das fantastisch passt und man sich wünscht, davon noch mehr zu hören, taucht der Klargesang erst wieder bei "Sunlight Moonlight" auf.

Dort klingen tatsächlich mal die öfters unterstellten Parallelen zu Crematory auf, arbeiten Septic Flesh hier doch mit ausgeprägten Melodien. Allerdings bleiben sämtliche Peinlichkeiten, die den Mannheimern gern unterlaufen, außen vor. Deutlich brachialer und vor allem schneller präsentieren sich Septic Flesh bei dem etwas an Dimmu Borgir erinnernden Titeltrack oder auch dem folgenden "Babel's Gate". Bei dem Song hat man ein wenig das Gefühl, dass sie sich in den klassischen Arrangements verzetteln. Weniger ist manchmal mehr. Die Orchestrierung sorgt aber für ein paar tolle Melodien, die in dem wilden Geknüppel allerdings fast untergehen.

Ganz auf ihre Death Metal-Wurzeln besinnen sie sich in "We're The Gods" das fast komplett ohne Orchestrierung auskommt. Allein in den vom Tempo her überschaubaren Passagen sind leichte Hörnereinsätze zu vernehmen. Im Gegensatz dazu ist "Persepolis" einmal mehr wieder stark orchestriert. Nach rasendem Anfang präsentiert sich der Track eher schleppend und überlässt die Melodieführung weitgehend den klassischen Instrumenten. Dadurch entsteht eine typische Horrorfilm-Atmosphäre, vor allem beim gesprochen Part.

Ähnlich sieht es bei "Sangreal", das mit dem Gesumme die Horror-Atmosphäre noch beibehält. Nach kurzen Intro wird die Nummer dann aber sehr hart mit rhythmischen Stakkato-Riffs. Allerdings taucht tatsächlich noch einmal der klare Gesang auf und sorgt so für ein paar unerwartete Wendungen. Den Schlusspunkt setzt das mit einem sehr coolem Drive veredelt "Narcissus". Das klingt ganz und gar nicht nach dem sonstigen Gothic Metal der Truppe, sondern eher nach nem traditionellen Metal, der sich auch mit Seths Growls sehr gut macht.

Mit "Communion" haben Septic Flesh ein gutes Comeback-Album hingelegt, und auch in Sachen Tour geben sie sich redlich Mühe, um den Fans zu beweisen, dass sie wieder zurück sind. Mal sehen, ob die Jungs nicht auch auf einem der Festivals im Sommer auftauchen.

Trackliste

  1. 1. Lovecraft's Death
  2. 2. Anubis
  3. 3. Communion
  4. 4. Babel's Gate
  5. 5. We, The Gods
  6. 6. Sunlight/Moonlight
  7. 7. Persepolis
  8. 8. Sangreal
  9. 9. Narcissus

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7 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    mir unverständlich, wie ein derartig interessantes album von der metal fraktion bisher wohl komplett übersehen wurde.

    es hat diversen anderen nur gut gemeinten versuchen, metal und klassik zu verbinden doch einiges voraus.
    die arrangements stehen nicht auf so unsägliche art und weise getrennt nebeneinander, wie man es noch schaudernd von dem ewigen negativbeispiel - metallicas s&m - kennt. hier greifen die versatzstücke ineinander und erzeugen etwas neues, statt gegeneinander anzuspielen.

    auch wurde - trotz der hohen anzahl klassischer gastmusiker - wohltuend darauf verzichtet, manowar-like immer so zu tun, als bestünde die gesamte klassische musik nur aus wagnerianischem getöse.

    meilenweit entfernt von durchschnittlichen death, symhonic oder gothic-metal klischees.

    da mutet der positiv gemeinte crematory-vergleich fast schon beleidigend an. spielen letztere doch musikalisch in eher unterklassigen gefilden.

    warum nur 3 punkte gegeben wurden, ist müßig zu fragen, die textliche beschreibung der cd ist jedenfalls bildhaft und treffend.

    hört da mal rein, metalheads.

  • Vor 11 Jahren

    Anwalt, bist du auch CD-Kritiker? Haben die dich hier auch schon gefragt? Könnte dir da gerne einen Nebenjob besorgen, kenne hier nämlich wichtige Leute. Du bist ja auch sehr gebildet und schreibst sehr gut, du und Herr Merkt, ihr könntet hier auch profesionelle Kritiken schreiben finde ich. Ihr müßt nur sagen, wenn ich euch da behilflich sein soll. (bin ja fast euer Nemes..dings halt)

  • Vor 11 Jahren

    Vollkommene Zustimmung an den Herrn Anwalt!

    Dieses Album vereint klassische Arrangements und Metal auf absolut hohem technischen (und natürlich auch musikalischem) Niveau zu einer perfekt ausbalancierten Melange.

    Das ganze Album ist durchzogen von einem Abwechslungsreichtum der seinesgleichen sucht, aber trotzdem eine perfekte Einheit.

    Ich wüsste gar nicht welche Stücke ich einzeln hervor heben sollte.. ich höre es eigentlich immer am Stück durch, weil es mich vom ersten Track an so fesselt!

    Ich bin hellauf begeistert!

    Waren Septic Flesh schon immer so gut?? Ich muss nämlich ehrlicherweise zugeben das dies das erste Album dieser Band ist das ich hörte. Aber es war mir ein Vergnügen! :-)

  • Vor 11 Jahren

    hat jemand die truppe schon live gesehen?

  • Vor 11 Jahren

    @dein_boeser_Anwalt (« hat jemand die truppe schon live gesehen? »):

    Ja, am Sonntag in Darmstadt, mit Vader und Devian, sehr geiles Konzert, mit 3 sehr charismatischen Frontmännern:
    Legion, der Ex-Sänger von Marduk, ist bei Devian gut aufgehoben, ohne Corpsepaint sieht man auch viel bessere seine irren Grimassen, der Kerl ist die Reinkarnation von Rumpelstilzchen, hammerhart als er plötzlich ins Publikum gesprungen ist und mitgepogt hat.
    Der Sänger von Septic Flesh kam fast ein bisschen schüchtern rüber. Aber sehr gut gelaunt waren sie, die Griechen.
    Und über Peter von Vader brauch ich ja nichts zu sagen, der Mann ist einfach der Sympathieträger schlechthin, mit seinem verschmitzten Grinsen...
    Alle 3 haben dieses Mona-Lisa Gefühl vermittelt, einen ständig anzuschaun, egal wo man steht, und das macht einen Frontmann aus finde ich.

    Die Darbietung von Septic Flesh war perfekt, wie von CD, und mit den Klassik Samples von Band, auf die man ja live in so kleinem Rahmen notgedrungen zurückgreifen musst hat alles wunderbar funktioniert.

  • Vor 11 Jahren

    toll, werde mal checken, ob die auch in den norden kommen.