laut.de-Kritik

Ergreifender androgyner Kammerfolkpop.

Review von

Die Tindersticks haben es bereits vor Jahren vorgemacht und kammermusikalische Kompositionen, gepaart mit einem Hang zur Dramatik, in von Sängern intonierte Popmusik transportiert, ehe mit Rufus Wainwright, Patrick Watson oder Antony ein Klassizismus und eine vermeintliche Androgynität salonfähig wird, die sich besonders im Gesang der Protagonisten widerspiegelt.

Mit dem in New York lebenden Australier Scott Matthew tritt nun ein Singer/Songwriter ins Rampenlicht, der stilistisch mit den Genannten zu vergleichen ist, der aber den überschäumenden Hedonismus eines Wainwright und die Larmoyanz eines Antony Hegarty vermeidet.

Matthew präsentiert auf seinem Debüt elf berührende, düster schimmernde Songs, die sich im Spannungsfeld zwischen Wehklagen und Hoffnung, zwischen Romantik und Schmerz positionieren. Lieder über die Isolierung und Ängste, die es zu überwinden gilt. Für euphorische Einlagen bleibt da kein Raum.

Eine Kombination aus Folk und Kammermusik trifft auf diesen ergreifenden, manchmal entrückt und klassisch anmutenden Gesang, dessen Klangfarbe in der Tat der eines Antony Hegarty ähnelt, aber auch an den frühen David Bowie erinnert. Mit viel Fantasie kann man sich die Platte auch als eine androgynisierte Lofi-Version von Elvis Costellos und Burt Bacharachs "Painted From Memory" denken.

Die Arrangements sind reduziert gehalten, auf ein Schlagzeug verzichtet Mister Matthew gänzlich. Ob das Piano, Glockenspiel und die gezupfte Gitarre in "Amputee", die Streicher zum Piano im fantastischen "Abandoned" oder die Ukulele zum Glockenspiel in "Little Bird", an Behutsamkeit und Zartheit sind diese Inszenierungen kaum zu überbieten.

Cello, Bläser, und immer wieder Zweitstimmen oder weiche Chöre unterstreichen die sanfte Dramatik der Songs. Wenn Pathos so unaufdringlich und ungezwungen klingt, nimmt es der Freund der leisen Songwriterkunst gerne in Kauf.

Bei aller Sentimentalität und Zerbrechlichkeit ist Matthew mit diesen Liedern von aufgesetzter Theatralik und vom Trübsinn weit entfernt. So untermalt hier ein lächelnder Pianolauf "Prescription", dort strukturieren die geschlagene Gitarre und der Bass gutlaunig "Upside Down". Und er hat das feine Gespür, seinen durchaus traurigen Melodien genau den Dreh zu geben, sie nicht in abgrundtiefe Schwermut gleiten zu lassen.

Er selbst bezeichnet sich als einen "quiet noise maker", und liegt damit ganz richtig. Hier ist ein leiser Rebell am Werk, der auf diesem Album einem intensiven und berührenden musikalischen Ausdruck gefunden hat, dessen Schönheit sich aus der schmerzvollen Stille speist und der, ja genau, zu Herzen rührt. Manche mögen diese Musik als weinerlich bezeichnen, ich halte sie für eine zauberhafte Darbietung, die dem derzeitigen Kammerfolkpop die Krone aufsetzt.

Trackliste

  1. 1. Amputee
  2. 2. Abandoned
  3. 3. Prescription
  4. 4. Ballad Dear
  5. 5. Little Bird
  6. 6. Laziest Lie
  7. 7. Upside Down
  8. 8. Habit
  9. 9. In The End
  10. 10. Surgery
  11. 11. Market Me To Children

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Nein, bei Scott Matthew handelt es sich nicht um den fast gleichnamigen Briten Scott Matthews mit dem s, auch wenn die beiden stimmlich gar nicht so weit …

3 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Larmor(sic!) oder Marmor, Hauptsache yanz, was?

    Was für einen seltsamen Deutsch is this in the first satz?

    Und dann: Klassizismus? Vermeintliche Androgynität? Fandste das Wort so toll, oder was soll "androgyner Kammerfolkpop" sein bzw. was unterscheidet diesen von besonders männlichen oder besonders weiblichen Kammerfolkpop?

    So oder so: auch Deine Rezension positioniert sich "im Spannungsfeld zwischen Wehklagen und Hoffnung, zwischen Romantik und Schmerz."

  • Vor 11 Jahren

    Ein Freund hat mir mal einen Link zu dem Youtube-Video zu "Elusive" von Scott Matthews geschickt. Ich war begeistert und wollte mir sein Album bei Amazon bestellen. Wenn man da aber "Scott Matthews" eingibt ist der erste angezeigte Artikel dieses Album von Scott Matthew. Habe das dann überlesen und einfach mal beide bestellt. Und jetzt habe ich das von Matthew hier zuhause und hab's mir schon ein paar mal angehört und kann sagen, dass es der beste Fehler, war den ich je gemacht habe.