laut.de-Kritik

Ein sehr mutiges Album voller Spielfreude und Klangreichtum.

Review von

Hivesscher Minimalismus trifft auf eine satte Rock-/Metal-Harke und einen flotten Rhythmus in gleißendem Disco-Antlitz. Alles ist möglich, denken sich vier Motorsport-affine Mittzwanziger und geben mit dem Opener "Go" auch gleich die Stoßrichtung vor.

In den PS-starken und Testosteron-befeuerten Lyrics wimmelt es vor Macho-Codes. Allerdings muss man den Jungs zu Gute halten, dass die Texte wie die Friseuse zum Mantafahrer passen, und in Verbindung mit der Musik den Soundtrack ergeben, bei dem Kinder gezeugt werden.

Bei aller Coolness bezieht die Band politisch Position und äußert sich kritisch und besorgt über die reaktionären Repressionsmaßnahmen seitens des iranischen Regimes gegenüber seiner Bevölkerung. Schade, dass die dazugehörige Musik in etwa so nutzlos wie ein Stützstrumpf am Bein einer toten Oma ist und langweilige Orientalismen zitiert.

Die Produktion hingegen meistert staubtrockene Stoner-Sounds genauso souverän wie mit Liebe beseelte kitschige Harfenklänge. Zudem beweist die Formation um Frontmann Behrang Alavi ein untrügliches Gespür für zündende Melodien. Gerade die ruhigen Songs wie "Valentine" oder dass mit oben genanntem Harfengeplätscher versehene "One Million Things" sind Zucker fürs Hirn. Die Band generiert als weiteres großes Plus aus unterschiedlichen Stileinflüssen einen immer fortwährenden Grund-Tenor. Im Bandjargon heißt dieses Genre-Potpourri Fuel.

"Control" reicht dir mit einer funky-Einlage die Hand zum Tanzen, bringt dich mit einem fetten Refrain, der Reminiszenzen zu Pearl Jams "Alive" aufweist, zum mitgröhlen und reißt dich mit einem coolen Bluesrock-Solo vollends vom Hocker. Nach dem abrupten Ende des Titeltracks lassen zwei mit ordentlich Fuzz und Distortion angereicherte Punk-Cocktails ("Shallow Man" und "Red End") den Adrenalinspiegel in die Höhe schießen.

Lässt man die eher schwachen Lyrics außen vor, erhält man ein sehr mutiges Album voller Spielfreude und Klangreichtum, dass sowohl beim ersten Hören Eindruck schindet, als auch über einen längeren Zeitraum zu begeistern weiß.

Trackliste

  1. 1. Go
  2. 2. Wait
  3. 3. Can't Break Me
  4. 4. Teheran Girl
  5. 5. Greatest Fan
  6. 6. Rollin'
  7. 7. Illusions
  8. 8. Valentine
  9. 9. Control
  10. 10. Monster
  11. 11. One Million Things
  12. 12. Shallow Man
  13. 13. Red End

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LAUT.DE-PORTRÄT Samavayo

Der Name Samavayo hat seinen Ursprung in der Sanskrit-Sprache und bedeutet Einheit. Auf die Band bezogen bedeutet das, dass man sich ein Outfit als PS-gestählte …

7 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    Hallo,
    als langjähriger Samavayo Fan ist dieses Review zum Album schon eine Mischung aus Ohrfeige und Zungenkuss, wobei der Zungenkuss mich an meinen ersten Kuss erinnert: man weiß noch nicht so genau was man tut...

    Seit wann ist ein Song stark wenn er vollgepackt ist mit Können? Ein guter Song ist für mich ein Song der Gefühl transportiert und mich berührt.

    Und dass die Samavayos auf dem Album beweisen, dass sie ihre Instrumente, genauso wie die unterschiedlichen Stile beherschen, steht für mich außer Frage.
    So wundert es mich auch, dass die Lyrics von dir als schwach bezeichnet werden, zumal hier nicht nur einseitig Testosteron, sondern auch jede Menge Ostrogen vorkommt.
    Teheran Girl, einer meiner Lieblingssongs, als musikalischen Stützstrumpf zu bezeichnen, nun gut, Geschmackssache, aber du bist ja anscheinend voll der Kenner in Sachen orientalischer Musik, wa? zumal in diesem Song ebenso anderen genres wie zum Beispiel Marschelemente vorkommen. Sind die auch schwach?

    Manchmal frage ich mich, warum man ein Album nicht einem Rezendenten gibt, der etwas von dem Genre der Musik, die er rezensieren soll, versteht, oder zumindest Lust auf die Band hat.

  • Vor 9 Jahren

    Interessante Review. Ja, irgendwie nicht gant einfachz herauszulesen, ob es nun ne gute oder eher schwache platte ist.

    Ich bin mir durchaus über die Gewohnheiten von Rezensionen bewusst. Header, Teaser und so weiter. Aber ich finde: "so nutzlos wie ein Stützstrumpf am Bein einer toten Oma" ist eher unglücklich gewählt. Is catchy, keine Frage. Aber echt hart.

    Abgesehen davon, was sind eigentlich geeignete/nützliche Methoden in der Musik gegen Regime? Raketenbass? Demokratie-Power-Lyrics, die die Machthaber wegkicken?

  • Vor 9 Jahren

    also für mich ist das eine der besten platten der letzten jahre!!! da könnten sich auch manche "großen" bands sound-, lyric-, style-mäßig etc. mal mehr als nur eine scheibe abschneiden!!!
    und an den, der die qualität dieser platte nich raffen sollte, muss es einfach heißen: dreck aus den ohren kratzen, stock aus m ar.. ziehen, die stützstrümpfe wieder richtig hochziehen und die platte nochmal hören!!!!!!

  • Vor 9 Jahren

    also mir fallen mindestens one million things ein, die mir an der band, ihrem sound und vor allem dem neuen album gefallen!!!!
    fuel rocks!!!

  • Vor 9 Jahren

    @Peter85: kann nur zustimmen. Verstehe nicht warum manche sich mit Dissen profilieren müssen. Man kann auch objektiv Schwachstellen eines Albums aufzeigen ohne sich auf BILD niveau herunterzubegeben. Aber laut.de ist halt auch nicht mehr das was es mal war