laut.de-Kritik

Pandoras Büchse schlechter Power Metal-Lyrik.

Review von

Oh, Odin. Du prüfst deinen untertänigen Diener hart. Hab' ich nicht das ganze Jahr versucht, dir gefällig zu sein, meine Eltern zu ehren und am Schabbat keine Death-Platten aufzulegen? Und nun das. Kurz vor den besinnlichen Tagen, auch bekannt als Weihnachtsterror, flattert die neue Rhapsody Of Fire ins Haus. Musste das wirklich sein? Hat die Menschheit noch nicht genug Elend erlebt?

Das letzte Mal bin ich mit dieser Kapelle zu Zeiten von "Symphony Of Enchanted Lands" in Kontakt gekommen, und das hätte auch gereicht. Gerüchten zufolge soll es sich dabei um das Meisterwerk der Italiener handeln. Damals waren sie noch nicht gezwungen, den Zusatz "Of Fire" im Namen zu führen. "Of Kitsch" wäre sowieso ehrlicher gewesen. Leider schmeißen die illustren Triester seitdem ein Album nach dem nächsten auf den Markt. So musste es wohl früher oder später zu einer erneuten Begegnung kommen.

Dabei hat sich sogar Bandmitbegründer Luca Turilli vor zwei Jahren ausgeklinkt (allerdings nur, um eine neue Rhapsody-Variante zusammenzubasteln). Macht sich das irgendwie im Sound der verbliebenen Rhapsodianer bemerkbar? Nicht, wenn man die Hörbeispiele aus den letzten Alben zugrunde legt, die YouTube dem gepeinigten Rezensenten zur Verfügung stellt. Symphonic Power Metal, Hollywood Metal: Dieses Grauen trägt viele Namen.

Rhapsody Of Fire können genau zwei Arten von Songs: schnelle und langsame. Wenn sie kess sein wollen, kombinieren sie beide Geschwindigkeiten in einem Lied. Allen gemein: knallharte Tremolo-Klötengesangsaction von Fabio Lione, Keyboardgeklimper des jetzt zum Hauptsongschreiber avancierten Alex Staropoli und dick aufgetragene Geigen, ein paar Geigen mehr und eventuell noch einige Geigen obendrauf. Austauschbarkeit schreiben Rhapsody Of Fire besonders groß. Bei "Symphony Of Enchanted Lands" fielen zumindest einige knackige Melodien ab, aber die Zeiten sind schlecht in Italien, man muss sparen.

Lione kann immer noch kein Englisch und stellt schreckliche Dinge mit dieser schönen Sprache und ihrer Phonetik an. Einen Klopper wie "imerällt swöad" (für "emerald sword") hat er zwar dieses Mal nicht im Angebot, aber es gibt trotzdem genug Grund, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Tränen fließen, Schatten ziehen über das Land, Lione öffnet Pandoras Büchse schlechter Power-Metal-Lyrik. Zwischendurch auch mal auf Italienisch - man kann sich glücklich schätzen, dieser Zunge nicht auch noch mächtig zu sein.

Für den einen oder anderen Lacher sorgen die Versuche von Neu-Gitarrero Roberto De Micheli, wie in "Fly To Crystal Skies" richtige Metalriffs anzustimmen. Bei ihm hört sich das dann in etwa so an, als wolle der Gitarrist von Andrea Berg mal so richtig losrocken. Dazu düdelt Staropoli auf seinem Tasteninstrument einige Klänge, die Kevin Moore damals bei Dream Theater so um 1994 ad acta gelegt hat. Die lasche Produktion tut ihr Übriges. Und was hat es mit dem Saxofon in "Sad Mystic Moon" auf sich? So etwas meint doch niemand ernst. Ihr könnt jetzt rauskommen, Leute von der versteckten Kamera, ihr habt mich.

Der klinische Fließbandschrott, den die Italiener auf "Dark Wings Of Steel" kredenzen, hat mit Metal nichts und mit Musik überhaupt nichts zu tun. Übrigens haben die voraussichtlichen Regierungsparteien in den Koalitionsgesprächen schon einen Gesetzentwurf festgezurrt: Wer Rhapsody Of Fire hört, wird mit Napalm Death nicht unter drei Albumlängen bestraft.

Trackliste

  1. 1. Vis Divina
  2. 2. Rising From Tragic Flames
  3. 3. Angel Of Light
  4. 4. Tears Of Pain
  5. 5. Fly To Crystal Skies
  6. 6. My Sacrifice
  7. 7. Silver Lake Of Tears
  8. 8. Custode Fi Pace
  9. 9. A Tale Of Magic
  10. 10. Dark Wings Of Steel
  11. 11. Sad Mystic Moon

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LAUT.DE-PORTRÄT Rhapsody Of Fire

Was haben Hans Hippert, der sich hinter dem Pseudonym des bärtigen Wahl-Russen Ivan Rebroff verbirgt, und die italienische Metal-Band Rhapsody gemein?

9 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor 8 Jahren

    RoF hat seine Daseinsberechtigung genau so wie Slayer, Radiohead oder Andrea Berg. Wen interessiert es denn was die für einen Metal machen? Ich dachte Metal ist so geil, weil er so viel Diversität bietet, oder nicht? RoF hat seine Anhänger und denen gönne ich die Band. Und auch, wenn es manche nicht glauben: Auch diese Band hat tolle Songs, sogar tolle Alben, großartige Musiker (ich sage nur die Holzwarths, bekannt von Sieges Even). Und Luca Turilli der ja jetzt solo weiter macht gehört nicht ohne Grund zu den besten Gitarristen der Welt.

    Es ist immer so leicht die zu bashen, aber ich denke, dass ein Großteil von euch einfach nicht verstehen will, dass es Menschen gibt, die RoF mögen. Ich kann mir die geben und danach gerne Hamferd, Tool oder Karnivool. Wo ist das Problem???

    Eine Sache (die aber nix ändert): Das neue Album hier ist wirklich das schwächste was die Italiener jemals schrieben.

  • Vor 8 Jahren

    Nein, sowas kann man sich nicht geben, sofern man noch ein aufrechtes Sackhaar am Hoden als sein Eigen weiss. Und die Kategorie "bester Gitarrist der Welt" kann man sich getrost stecken, da dieser Mann noch keinen Hit geschrieben hat, von dem ausser irgendwelchen durchlauchten Metalnasenbären irgendjm. Notiz genommen hat oder sogar wird. Weil wenn man jetzt anfängt, die Daseinberichtung dieser Kasperlemusik an diesem Argument festzumachen, zähle ich 500 Namen von Gitarristen, die man als bester Gitarrist der Welt bezeichnen könnte. Und?

  • Vor 7 Jahren

    Hm, so ganz kann ich die Wertung nicht verstehen. Vor allem technisch sind die doch ganz gut drauf. o.O