laut.de-Kritik

Ocker rocken, mein lieber Scholli.

Review von

1234? Pah, 5 Punkte für Ocker. Aus dem Stand. Dabei war es 2003 doch eigentlich gar nicht mehr möglich, sich mit einem Album noch ein Plätzchen im mit Zoot Woman, Christian Kreuz, Console und Martin L. Gore bereits übervollen Elektro-Olymp zu sichern.

Leere Theoriegebilde für vier Hamburger Jungs. 1234 - Love - that's it! Mit viel Liebe zum Experimentieren spulen die Ocker Boys große, schwerelose Melodien runter und zelebrieren mit Elektrosounds, organischen Bassläufen und Polter-Drums sportliche Groove-Gymnastik, die auf nerviges Aufwärm-Dehnen erstmal verzichtet.

Motto: Ehrfurcht einstampfen, Debütalbum rausbringen. Aber zack zack. Und Ocker rocken, mein lieber Scholli. Vocodergeräte sind der Mittler ihrer Botschaften, so sie welche haben. Wie im Synthie-Disco-Opener: "Wer trägt lieber Seide als Cord, New York" - "Wer ist zur gleichen Zeit am selben Ort? New York" - "Banküberfälle sind besser als Mord, New York".

An großen Namen wie Kraftwerk, Pet Shop Boys oder Air, die den dümmlichen Werbe-Leitspruch "Das Beste der 70er, 80er und 90er Jahre" endlich mal mit Inhalt füllen, orientieren sich die Newcomer nur. Aus den Boxen tönen elf eigenständige Party-Songs, eben "Ambient Style Four To The Floor", wie die Band selbst singt. Vor allem begeistert die stilistische Vielfalt auf dem verspielt-verspulten Ocker-Debüt: "Transporter" mutiert nach geilem QOTSA-Bass-Intro zum sphärischen Captain Future-Trip, "DK Sonophon" scheppert akustisch leise à la Contriva und dann sind da noch diese oktavbasslastigen 80s-Höllenrocker wie "Dance Allnighter" oder "Mazdas Of Rock", die das Hirn per Knopfdruck auf Autopilot schalten und dicke Bremsspuren auf dem Dancefloor hinterlassen.

Immer auch eine Spur dilletantisch, aber ungemein sympathisch, so klingen die Ocker-Perlen. Selbst Walt Disney-Romantik geht in "Nocturnal Clubbing Suite" mit Downbeat-Grooves Hand in Hand. Großes Kino, genau wie vorliegender Soundtrack. Im Prinzip stemmen die Hamburger mit "1234 - Love" das, was man sich vor drei Jahren schon von den entfernten Verwandten des Jeans Teams gewünscht hätte: dass sich einzelne Szene-Hits einem homogenen Albumverlauf ohne Ausfall unterordnen. "You Can Always Rewind", noch mal von vorn bitte.

Trackliste

  1. 1. New York FM
  2. 2. Mazdas Of Rock
  3. 3. Gang Of Four
  4. 4. Transporter
  5. 5. You Can Always Rewind
  6. 6. Disco Holiday
  7. 7. Team GDR
  8. 8. DK Sonophon
  9. 9. Nocturnal Clubbing Suite
  10. 10. Dance Allnighter
  11. 11. Retro Yuppie

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