Porträt

laut.de-Biographie

ODMGDIA

Das Verhältnis von deutschem zu amerikanischem Rap bietet seit jeher ein besonderes Spannungsfeld. Offensichtlich inspiriert Übersee Vieles, das in Europa so passiert, manchmal offensichtlich, manchmal weniger. Wenn man ehrlich bleibt, aber meistens doch recht offensichtlich.

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Ein Umstand, den ODMGDIA auf einer ihrer ersten Singles direkt ankreiden: "Witchers" stellt sich als ein Rundumschlag auf eine Szene voller Wannabe-Yung Leans, Futures, Drakes und Kanyes heraus.

Dabei macht gleich ihr erstes Mixtape recht deutlich klar, dass die Amirap-Inspiration für ODMGDIA ebenfalls nicht gerade subtil ausfällt: "Eat Shit Or Try Dying" ist so offensichtlich Hommage wie ihr sperriger, vermutlich nie so recht richtig geschriebener Bandname. Nur klingt das Duo aus Dollar John und Duzoe doch deutlich mehr nach Tyler und dessen OFWGKTA-Kollektiv als nach 50 Cent.

Das ergibt Sinn, immerhin sind die beiden Dudes nach Abschluss eines ziemlich erfolgreichen Battlerap-Runs zwischen 2010 und 2013 auf der Suche nach einer Ästhetik und einem Sound, der ihr ohnehin schon etwas abgefucktes Image anständig transportiert. Im VBT, wo sie einen Großteil ihrer Hörerschaft akquiriert haben, erreicht Duzoe 2012 das Halbfinale der Splash!-Edition. Dollar John kommt im Jahr darauf immerhin bis ins Achtelfinale.

Die folgenden Jahre verbringen sie mit anderen Projekten und veröffentlichen beide kleinere Tapes ohne Label, bevor sie sich 2017 zusammenschließen, um als Duo radikalere und ungestümere Musik zu machen. Natürlich hört man ihrem Debüt "Eat Shit Or Try Dying" noch deutlich den Battlerap-Kontext an, gerade was die Strukturierung und den Inhalt ihrer Edgelord-Punchline-Texte angeht. Aber musikalisch bringen ODMGDIA dennoch frischen Wind in die Untergrund-Szene.

Zusammen arbeiten sie vor allem mit Künstlern nahe ihres Clusters, zum Beispiel mit Scotch, Kex Kuhl oder Private Paul. Letzterer passt auch ganz gut zum Emo-Suff-Vibe des Projektes. ODMGDIA touren, veröffentlichen weiter Musik und legen 2018 mit der "Chapter 1: Myll Gang Trash Mob"-EP nach.

Interessant ist, wie die Musik zwar von Tyler The Creator über die $uicideboy$ bis Death Grips oder Ronny J mit Einflüssen jongliert und sie dann auch noch mit elektronischen Ideen zwischen Techno und Witch House anreichert, die Texte aber trotzdem meistens in recht bekanntes Terrain zurückfallen. Die Produktion von Dollar John emuliert Ästhetik, Energie und Stimmung gekonnt.

Trotzdem bleibt der Beigeschmack ironisch, dass ausgerechnet diese beiden, bei denen man eigentlich verlässlich jedes Element auf ein amerikanisches Vorbild zurückführen kann, mit einem Angriff auf ebendiese in die Szene starten.

Manchmal klingen sie tatsächlich nach authentischer Interpretation von Untergrund-Trap mit interessanten Techno-Versatzstücken. Manchmal klingen sie aber eben auch wie die 257ers, die einmal Tyler The Creator gehört haben und jetzt ihr eigenes "Cherry Bomb" machen wollen. Aber so ist das eben, mit dem Experimentieren. ODMGDIA erscheinen jedenfalls deutlich vielversprechender als so manche Künstler-Schablone der Szene.

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