laut.de-Kritik

Aufgewühlte Adaption widersprüchlichster Jugendeinflüsse.

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Die Faszination an Tyler, The Creator war schon immer ambivalent. Die einen bewundern das Großmaul für seine radikale, keinen Fick gebende Rotz-Attitüde, mit der er den State of Mind von Tausenden Kids widerzuspiegeln scheint. Dass Tyler auf der anderen Seite auch einer der wohl kreativsten und visionärsten Köpfe im Hip Hop ist, ging bei der ganzen Oberflächlichkeit stellenweise unter.

Seine drei letzten Alben erzählten beispielsweise ein komplex verworrenes Beziehungsgeflecht, über das bis heute wilde Theorien kursieren. "Cherry Bomb" bricht mit diesem Erzählstrang und kann als eine Huldigung an Tylers musikalische Einflüsse, Referenzen und Inspirationen verstanden werden, die der 24-Jährige in seine eigene Welt verwurstelt. Und die steckt eben voller Widersprüche, Exzentrik und seit neuestem auch Sorglosigkeit.

""In Search Of..." did more for me than "Illmatic"", erklärt sich Tyler im nur von Gitarrenriffs unterlegten Opener "Deathcamp" und gibt damit nur den groben Umriss seiner musikalischen Sozialisation vor. Denn "Cherry Bomb" kann weit mehr, als nur den legendären Neptunes-Sound in die Jetztzeit zu übertragen. Es steckt voller Soul, Jazz, Hip Hop und Punk. Und ist doch vor allem eines: an Sperrigkeit kaum zu überbieten.

Allein der Titeltrack, eine fürchterlich übersteuerte und über alle Maßen aufgewühlte Death Grips-Reminiszenz, müsste Beweis genug erbringen, in welchen noch so entlegenen Gefilden sich Tyler bewegen kann, ohne sich verstellen oder geschweige denn anpassen zu müssen. Und genau davon lebt "Cherry Bomb". Denn dass Tyler nicht der technisch veranlagteste aller Rapper ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Vielleicht oder gerade auch deswegen geraten die noch am klassischsten im Hip Hop-Gewand gehaltenen Songs wie "Buffalo" oder "Smuckers" mit Kanye und Lil Wayne fast schon gewöhnlich und bleiben eher durch Yeezy-Trademark-Lines wie "Richer than white people with black kids/ Scarier than black people with ideas" in Erinnerung. Das (räudig abgemischte) Soundbild bestimmen zu diesem Zeitpunkt scheppernde Drums und knurrende Synthies.

Besser machen es da schon die jazzigeren Stücke, die sich bereits auf "Wolf" immer mehr abzeichneten und auf "Cherry Bomb" definitiv zu den besten Songs zählen. "2Seater" erzählt einen versunkenen Tagtraum von einer gemeinsamen Ausfahrt ins Ferne, während das zerbrechliche Duett mit Kali Uchis auf "Fucking Young" den zweiten Teil einer unvollendeten Liebesgeschichte schildert. "And girl I know that you're the one for me/ And it hurts, it fuckin' hurts/ Cause you're too fuckin' young".

Das wiederkehrende Motiv der Platte heißt aber "Find Your Wings", funktioniert zu Saxo- und Xylophon-Klängen und bringt den unbändingen Selbstverwirklichungsgedanken tatsächlich unkitschig auf den Punkt. Dass Tyler auf eine durch und durch seltsame, aber doch logische Art und Weise mit dieser ausgedehnten Jugendeinfluss-Adaption angekommen zu sein scheint, beweisen zahlreiche Textpassagen. "I don't wanna crash anymore, I don't wanna crash anymore/ I just wanna soar through the space, let the wind hit my face".

Trackliste

  1. 1. Deathcamp
  2. 2. Buffalo
  3. 3. Pilot
  4. 4. Run
  5. 5. Find Your Wings
  6. 6. Cherry Bomb
  7. 7. Blow My Load
  8. 8. 2Seater
  9. 9. The Brown Stains of Darkeese Latifah Part 6-12 (Remix) feat. ScHoolboy Q
  10. 10. Fucking Young/Perfect
  11. 11. Smuckers feat. Kanye West & Lil Wayne
  12. 12. Keep Da O's feat. Pharrell Williams
  13. 13. Okaga, CA

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