Welche rappenden Frischlinge sollte man auf dem Schirm haben? Dies sind die heißesten Anwärter auf einen Platz in der Klasse von 2019.

Tübingen (ynk) - Wer amerikanischen Hip Hop in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß um die Bedeutung der XXL Freshman List. Jahr für Jahr wählt das altgediente Magazin zehn Rapper aus, die in den kommenden Jahren Welle machen dürften. Vor zwei Monaten erschien die offizielle Fan-Voting Tabelle - einen von zehn Plätzen darf nämlich traditionell die Userschaft vergeben. Eine riesige Liste, die in ihrer Unübersichtlichkeit zunächst erschlägt. Die Namen der meisten Rapper darauf hat man noch nie gehört.

Damit sich hier niemand 100 Rapper anhören muss, habe ich mich durch das Angebot gewühlt, Unmengen an Mixtapes gehört und mich an eine Vorauswahl gewagt: Unsere Liste führt Rapper mit guten Chancen, tatsächlich in der finalen XXL Freshman Class aufzutauchen. Zumindest sprechen die musikalischen Qualitäten der Genannten für sich.

Die US-Rap-Newcomer des Jahres 2019

Hier findet ihr zu jedem Künstler oder jeder Künstlerin ähnliche Artists, ein paar Takte zu ihrer jeweiligen Musik und zudem eine Einschätzung des XXL-Faktors. Hat die Person kommerziell schon viel gerissen? Hat sie Prestige in der Szene? Kann man von ihr in Zukunft noch etwas erwarten?

Ja, auch die kommerzielle Seite ist wichtig! So nobel es wäre, hier nur zehn beinharte Untergrund-Spitter aufzulisten, dem Stand der Kultur würde man damit wohl nicht ganz gerecht. "XXL-Faktor" bedeutet in diesem Fall: "Ist es cool UND kommerziell erfolgreich oder vielversprechend?" Anhand dieser Parameter sollte man einigermaßen durch den Wust der vorgeschlagenen Musiker navigieren können.

Ein Näschen für aufgehende Sterne

Wer weiß schon, was aus den aktuellen Frischlingen noch alles wird? Mit ihren Prophezeiungen haben sie beim XXL Magazine in der Vergangenheit jedenfalls schon formidable Treffer gelandet: Bereits 2011 sagten sie Kendrick Lamar voraus, 2010 J. Cole oder 2013 Travis Scott. Auch wenn keiner der Genannten zum damaligen Zeitpunkt wirklich unbekannt war, spähte XXL Megastars, die heute die Szene dominieren, doch respektabel früh in ihren Karrieren aus.

In den vergangenen Jahren veränderte sich die Diskussion um die Liste allerdings ein wenig. 2016 etwa ließ sich XXL erstmals voll und ganz auf die neue Welle an Soundcloud-Rappern ein. Auch wenn die Auswahl Lil Uzi Vert, Lil Yachty, 21 Savage, Denzel Curry und Kodak Black kommerziell ins Schwarze getroffen hat, entflammte vor allem an der dazu veröffentlichen Cypher-Performance ein heftiger Streit über die Qualität der heutigen Rapmusik.

Tatsächlich: Kodak Black versucht nicht unbedingt, wie Eminem zu rappen. Desiigner ist nicht gerade der Lyriker vor dem Herrn. Aber wenn man sich das Mission Statement von XXL ansieht, kann man ihnen keinen Fehler vorwerfen. Sie haben gesehen, was in den kommenden Jahren so abheben könnte, und es dann benannt. Sie machen die Regeln ja nicht, was gerade populär oder gefragt ist. Trotzdem: In den Jahren seitdem wurden mehrere Listen als kontrovers oder enttäuschend empfunden. 2017 verließ man sich etwas zu sehr auf One Hit Wonders wie MadeInTYO oder Aminé, 2018 lässt sich noch schwerer einordnen. Aber trotzdem gab es in beiden Jahren ein paar Treffer wie XXXTentacion, Playboi Carti oder J.I.D.

Eher Bestandsaufnahme als Voraussage

Wo befinden wir uns also 2019? Man könnte sagen: In einer gemeinen Situation für XXL. Trap überschreitet langsam spürbar seinen Zenit, ein neuer Trend hat sich aber noch nicht so recht heraus kristallisiert. Große Breakout-Stars haben entweder einen gewissen Meme- oder Novelty-Wert, der ihre Langlebigkeit schwer einschätzbar macht. Die Rapper mit starken lyrischen Fähigkeiten heimsen zwar Kritikerlob ein, machen aber nicht gerade Anstalten, in den Mainstream durchzubrechen.

Dazu kommt eine riesige Menge von Street-Rappern, die auf einem oder zwei größeren Songs Clout aufbauen, aber gar nicht so leicht einzuschätzen sind. Ein G Herbo war zum Beispiel ein halbes Jahr nach seinem Durchbruch schon wieder von der Bildfläche verschwunden, aber Leute wie Youngboy Never Broke Again oder A Boogie Wit Da Hoodie halten sich wie Unkraut im öffentlichen Bewusstsein.

Die Liste taugt deshalb in diesem Jahr schlecht zur Voraussage, sie ist eher eine Bestandsaufnahme. Welche Rapper im Pool der möglichen Anwärter sind nach jetzigem Stand spannend? In welche Ecke sind sie einzuordnen und wem könnten sie gefallen? Ich habe mir eine absurde Menge an Mixtapes und Singles angehört und Künstler herausgesucht, die verdient haben, ihnen zumindest ein paar Gehirnzellen zu widmen. Weil sie interessant, relevant oder einfach irgendwie cool sind. Eskettit!

Weiterlesen

laut.de-Porträt Tierra Whack

Philadelphia ist nicht gerade die Stadt, die man mit alternativem Hip Hop in Verbindung bringen würde. Entweder denkt man an die ganz alten Tage der …

laut.de-Porträt Juice WRLD

Es ist ein eigenartiges Produkt des Post-Lil Uzi Vert-Traps, dass Rapper fest darauf beharren, eigentlich in ganz anderen Genres verortet zu sein. Wie …

laut.de-Porträt Rico Nasty

Freiheit ist ein großes Stichwort für die junge Generation an Rappern, die in der Mitte der Zweitausendzehner in die Szene startet. Die Freiheit, sich …

laut.de-Porträt Gunna

Wer Trap Mitte der 2010er verfolgte, kam an Sergio Giovanni Kitchens kaum vorbei. Unter dem Künstlernamen Gunna machte der 1993 in einem Vorort von Atlanta …

laut.de-Porträt Boogie

"Oh My Goodness!" So schallt es im April 2015 aus der populärsten Rap-Brutstätte von Los Angeles. Compton heißt die Heimat von Anthony Dixson a.k.a.

laut.de-Porträt Blueface

... und noch ein Rap-Meme: 2018 gehen auf Instagram Videos viral, in denen ein Dude mit blauen Klamotten und einer Benjamin Franklin-Kette neben Videos …

1 Kommentar

  • Vor einem Tag

    Gerade mal durch ein paar Sachen gehört. Am überzeugendsten finde ich Rico Nasty, Benny The Butcher und mit Abstrichen Tierra Whack, bin aber zumindest schon mal froh, überhaupt zwei bis drei Perlen unter dem ganzen Trap-Wust gefunden zu haben.