Der Vlogger nutzt Sidos "Angelcamp"-Bühne für den Beweis, dass Wörter sagen im Rap nicht so wichtig ist.

Der Abrgund (ynk) - Reden wir über diese Tanzverbot-Person. Der, so habe ich mir erklären lassen, ist eine YouTube-Persönlichkeit, ein Let's Player und ein Vlogger. Kurzum: Er ist DIY-RTL, dessen Charme scheinbar im Kontrast zum sonst so glattgebügelten YouTube-Deutschland liegt. In seinem letzten Video fängt er in der Karre halb zu heulen an, weil er seine Diät nicht hält. Man wünsche ihm das Beste.

Auf jeden Fall wurde dieser Kerl jetzt von Sido unter die Fittiche genommen und bei einem Event namens Angelcamp auf eine Bühne gestellt. Denn jeder weiß: Man rappt nicht, wenn man etwas auszudrücken hat, sondern wenn man eine Reichweite besitzt, aus der man sonst nicht genug Kapital schlägt. Querverweis Shirin David, Mert, Kayef, Liont und diverse andere YouTube-Rap-Schauergestalten. Wie schlägt sich also jener Tanzverbot mit seiner neu erschlossenen Rapkarriere?

Zumindest macht er niemandem etwas vor. "Die Wahrheit" ist nicht seine erste Single, sondern nur die konsequente Fortsetzung dessen, was er Nosense-Rap nennt. Er rappt keine Worte, sondern Gibberish auf einem Beat. Der Humor kommt dann theoretisch dadurch zustande, dass der Beat und seine Stimme düster und ernst klingen, er aber eigentlich gar nichts sagt. Ein schlechtes Zeichen, wenn Hopsin deinen Skit vor fünf Jahren in witziger gemacht hat. Motherfucking Hopsin.

Treten wir einen Schritt zurück und betrachten es mit Distanz: Da steht also Sido, ein wohlverdienter Deutschrap-Veteran an einem DJ-Pult bei einem Möchtegern-Pro-Sieben-Set und versucht, ernst und anerkennend zu gucken, während ein Gaming-YouTuber die Fusion aus Kontra K und dem Chacarron Macarron-Typen performt. Man will gar nicht mutmaßen, wer von beiden hierfür mehr Narrenfreiheit in Anspruch nehmen muss. Abgefahren auch, dass die YouTube-Kommentare auf diese groteske Darbietung von fehlendem Selbstrespekt noch mit Anerkennung reagieren.

"Ey, wenn Tanzverbot echte Wörter rappen würde, wär der sicher richtig gut", sagen die dann. Ich sage: Wenn Sidos letzte zehn Alben nicht gähnend langweilig gewesen wären, wären sie vielleicht interessant. Danach kommen weitere YouTuber, die ich nicht kenne, eine Pietro-Lombardi-Werbung und weitere Monumente der Fleischköpfigkeit. Kollege Heidrich sprach von einem 24-Stunden-Schützenfest. Kulturpessimismus war nie einfacher.

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Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer) Sido,  | © laut.de (Fotograf: Chris Springer)

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