Die Grande Dame des deutschen Raps bleibt ein chaotisch sympathischer #GirlBoss

Hamburg (ynk) - Irgendwann mussten wir uns alle mit Shirin Davids Dominanz abfinden. Vorwürfe wegen Ghostwriting, Fakeness und Sellout beiseite: Zum einen haben sie eh nichts gebracht, und zum anderen hat sie doch eine angenehme Präsenz in der Szene entwickelt. Am Ende entstehen mit ihr nämlich immerzu handwerklich grundsolide Songs, die zumeist die richtigen Leute nerven. "Ich Darf Das" zum Beispiel. Geht diese neue Single über Grundkurs Feminismus für Hardcore-Kapitalisten hinaus? Nein, nicht wirklich. Aber sagt sie unterhaltsame und richtige Sachen? Voll.

Kernaussage von "Ich Darf Das" ist Shirins Unabhängigkeit von irgendwelchen Typen, gegen die sie ihre Offenheit hält, stets andere Frauen zu pushen und zu supporten. Absolut unterstützenswerte Ideen, also, die sie in Zeilen wie "Nur ein kleiner Ratschlag / kein Mann dieser Welt macht dich zum Star, Schatz" auch ganz knackig auf den Punkt bringt. Präsentiert wird das Ganze auf einem recht generischen Trap-Beat, der aber dank Young Mesh und Juh-Dee-Produktion trotzdem seinen amtlichen Bounce entfaltet. Dazwischen gibt es immer mal wieder Stiche gegen die unbenannte Konkurrenz, Industrie-Gossip über Leute, die ihre gefeuerten Stylisten einstellen oder sie gerne als Feature bekommen hätten.

Ja, es ist basic, aber es ist solide unterhaltsam basic und musikalisch stabil. Auch wenn das Video ein bisschen awkward aussieht und mit der etwas unglücklichen Line "Baby, ich bin interessant" endet - wenn man das so plump betonen muss, wirkt das nicht so felsenfest selbstsicher, wie es soll, fürchte ich. Shirins Barbie-Puppen-Personifikation ist die Figur, für die deutscher Rap schon lange eine große Nachfrage zeigte - und so, wie sie die gerade erfüllt, hätte es Welten schlimmer kommen können. Sie ist auf choatische Art und Weise ganz sympathisch darin, wie sie den Bedarf der Leute nach einem #Girlboss in allen positiven wie negativen Facetten des Wortes deckt. Die Geldmacherei sei ihr also vergönnt. Man kann es eben nicht leugnen; sie darf das.

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laut.de-Porträt Shirin David

Shirin David, bürgerlich Barbara Shirin Davidavicius, wurde am 11. April 1995 in Hamburg geboren und ist das Kind einer litauischen Mutter sowie eines …

10 Kommentare mit 29 Antworten

  • Vor einem Monat

    Wenn das bei dir als handwerklich grundsolide durchgeht...explodiert dann dein Hirn, wenn du Jazz, Fusion oder Klassik hörst?

    Stellen wir mal kurz klar, dass diese "Musik" keinerlei handwerkliches Geschick erfordert und von jedem dressierten Affen produziert werden kann, mmmh? Danke.

    • Vor einem Monat

      Wie findet das deine Freundin? :D

    • Vor einem Monat

      Er hat doch völlig recht. Ohne Yannikbashing jetze. Aber inhaltlich.

    • Vor einem Monat

      Zum Glück Scheisse. :D könnte auch daran liegen, dass sie Musikerin ist...

    • Vor einem Monat

      hihi ... Flöte spielen ... hihi

    • Vor einem Monat

      Seit wann wird denn in der Klassik gerappt?

    • Vor einem Monat

      Kann Schwingster hier gut verstehen - Ich wäre auch hochgradig salzig, wenn ich so viel Zeit meines Lebens verwandt hätte um mittelmäßig gut Gitarre spielen zu können und dann irgendwelche dahergelaufene Menschen, die nichtmal ein Instrument spielen können, mit ihren musikalischen Werken Erfolg haben, während die eigenen Bands alle gescheitert sind und der allwöchentliche Besuch im Proberaum nur noch Grund zur Betäubung bei Tageslicht ist.

    • Vor einem Monat

      Zum Glück gibt es ja noch Menschen, die eine qualitative Bandbreite von Musik und Musikgenres gleichermaßen wertschätzen können. Mir kann, wenn ich will, bei Björks "Biophilia" genauso einer abgehen wie bei "Blah Blah Blah" von der glitzerkotzenden Ke$ha. Beides hat seinen Wert, solange es nicht am Fließband produzierte Plastik-Scheiße ohne Charakter ist. Sicher, es gibt massenweise Mainstream-Pop der in letztere Kategorie fällt. Aber Einfachheit und Eingängigkeit sind da nicht das entscheidende Kriterium, sondern eher Qualitätsmerkmale.

    • Vor einem Monat

      "Zum Glück gibt es ja noch Menschen, die eine qualitative Bandbreite von Musik und Musikgenres gleichermaßen wertschätzen können."

      *supereichelkuss* für Brudi Robbe.

    • Vor einem Monat

      "Ich wäre auch hochgradig salzig, wenn ich so viel Zeit meines Lebens verwandt hätte um mittelmäßig gut Gitarre spielen zu können und dann irgendwelche dahergelaufene Menschen, die nichtmal ein Instrument spielen können, mit ihren musikalischen Werken Erfolg haben"

      Netter Versuch. ;-) Aber Plastikbitches mit gekauften Klicks und fremdgeschriebenen Songs nötigen mir mal so gar keinen Respekt ab. Und warum soll ich auf ihren Erfolg neidisch sein? Sie hat nichts getan, außer ner Menge Menschen Geld zu geben.

      Da neide ich lieber Musiker, die es selbstbestimmt nach oben geschafft haben.

    • Vor einem Monat

      Kapier auch nicht ganz, warum hier irgendjemand diesen lieblosen Müll verteidigt. Ist wahrscheinlich nur ein komplett wahlloser, typisch lautscher Diss in Schwingers Richtung.

    • Vor einem Monat

      Schwingster hat immer noch recht... Warte aber noch auf die lautsche unangebrachte Sexismus-Keule... KeSha übrigens gleiche Nummer. Darf man gerne feiern, dann hat man das Marketing dahinter allerdings wissentlich ignoriert oder sich bescheißen lassen.

    • Vor einem Monat

      Ich würd gerne mal die Sexismuskeule schwingern. Nur um zu wissen, wie sich das anfühlt. Bin aber einfach nicht protestantisch genug, um das glaubhaft genug zu tun.

    • Vor einem Monat

      Ist ja auch nicht deine Schuld. Bistum Köln ist ja auch katholisch :lol:.

    • Vor einem Monat

      Bistum Köln ist nächste Woche 2. Liga :lol:

    • Vor einem Monat

      Nene, da sehe ich fristlos erst mal Werder.

    • Vor einem Monat

      ist schon komisch, warum leute immer kellogs fressen wenn es doch auch super gesundes hochwertig produziertes müsli gibt. komisch dass alle nike tragen obwohl es doch auch die fairgetradete super kuschelige toll für die haut bioware im second hand laden gibt. komisch dass leute lieber comics lesen obwohl es doch auch musil gibt. komisch dass alle lieber fußball gucken obwohl doch zig sportarten körperlich viel anstrengender sind und mehr können erfordern. komisch komisch komisch das alles. sehr komisch. beinahe merkwürdig diese menschen.

    • Vor einem Monat

      War der Wein wenigstens gut?

    • Vor einem Monat

      läuft noch, biss 22 uhr hab ich noch, dann jogge ich nach hause.

    • Vor einem Monat

      Junge, bist du völlig bescheuert? NIEMAND überlebt Arbeitstage neben mir wenn morgens gleich schon HoneyNut Loops und/oder Marigold Trockenfrüchte für mit da rein alle waren! In wilderen Zeiten hab ich Mitbewohnern für solche Scheißaktionen gleich mal das Prinzip "Reverse Engeneering" plastisch und anschaulich ins Zimmermannshandwerk transferiert!

      Komm mir bloß nicht mit Hausmarke, wenn's um Rap oder Frühstückscerealien geht!

    • Vor 25 Tagen

      Recht hast du! Und irgendwie erschreckend, dass inzwischen selbst auf laut.de langsam der Widerstand schwindet und sowas sogar noch verteidigt wird. Denn es ist nun einfach mal musikalisch völlig banal und simpel (und zwar nicht auf die elegante bzw. geniale Art) und sowas von unkreativ, dass ich fast jede Wette eingehen würde, dass 99 % aller Menschen, die den Song in diesem Sommer hören, in spätestens zwei Jahren sich weder an den Beat, noch an die Melodie, geschweige denn an die Lyrics erinnern können.

  • Vor einem Monat

    Richtig sympathische Frau. Da riskiere ich gern ein Ohr wie van Gogh

  • Vor einem Monat

    Yannik, der Retter der Popmusik in den deutschen Musikredaktionen... mehr davon.

    (nur bitte den K-Pop dabei ignorieren, sonst wird es wieder anstrengend ;-P)