laut.de-Kritik

Hat mit Hip Hop so viel zu tun wie Wolle Petry mit Grindcore.

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"Von deiner Chick zu einer Boss Bitch", so liest sich heutzutage in etwa das Pendant zum bekannten Realness-Mantra "Vom Bordstein zur Skyline". Vom Bordstein kommen gleichwohl nur noch wenige - stattdessen stammen die Fackelträger der jüngeren Generation überwiegend aus wohl behüteten Elternhäusern. Und die wollten ohnehin eigentlich viel lieber Youtuber oder Insta-Model als Rapper werden.

Dass Floskeln wie "Realness" und "Street Cred" keine Korrelation zur Qualität der Musik aufweisen müssen, sollte angesichts von Alben wie "Rebirth" oder das grauenvolle "Nastradamus" andererseits auch dem letzten Oldhead einleuchten. Dennoch fällt es als Verfechter all dessen, was True-Schooler doof finden, schwer, den Werdegang einer Musikerin wie Shirin David einfach auszuklammern.

Denn die gute Frau hatte ursprünglich nichts, aber auch absolut gar nichts mit Hip Hop am Hut. Wie gesagt, nicht jeder muss dafür bereits mit 10 seinen ersten Drive-By verübt haben. Aber Klavierunterricht in Kindheitstagen, gefolgt von Ballett und einer Ausbildung als Sängerin klingt nicht unbedingt nach Deutschlands erfolgreichster Rapperin.

Wobei Rapperin eben relativ ist. Ja, Shirin flowt einigermaßen akzeptabel und pickt sich meistens auch ganz schicke Beats. Aber mit "Supersize" beweist sie, dass sie Hip Hop lediglich als Mittel zum Zweck nutzt. Hat sie keine Lust mehr auf "Bitches" und "Bling Bling", hilft Onkel Xavier mit modernem Pop-Schlager für kreischende Grundschüler aus.

Das hat mit Hip Hop-Kultur ungefähr so viel gemein wie eine Wolle Petry-Single mit Grindcore. Kein Mensch kann mir erzählen, dass Barbara, wie Shirin gebürtig heißt, vor zwei Jahren mit einem Begriff wie "Gwop" etwas anfangen konnte. Doch heute rappt sie ganz selbstbewusst von "Gang Shit" und "Ice" als wäre sie von klein auf mit Gucci Mane sozialisiert worden.

Gerade in dieser Hinsicht hinkt auch der oft bemühte Nicki Minaj-Vergleich. Diese ähnelt ihr vielleicht vom Aussehen her, zeigt hinsichtlich der Musik allerdings wesentlich mehr Enthusiasmus und hustelt schon sehr lange für ihren Erfolg.

Auch wenn die Platte durchaus Qualitäten liefert (konkret: die Stimme), wirkt sie zu Großteilen erschreckend harmlos und wie aus der Retorte. Shirin läuft vielmehr auf Autopilot: Die Trap-Banger "ICE" und "Gib Ihm" präsentieren sie bossy und selbstbewusst, Tearjerker wie "Fliegst Du Mit" drücken wehmütig auf die Tränendrüse und mit Chartstürmern wie "ON OFF (feat. Gims)" und "Brillis" setzt sie einem Ohrwürmer in die Muschel. Doch nichts davon fühlt sich greifbar oder substantiell an. Dafür fehlen Charisma und schlichtweg auch der Spaß an der Musik.

Stattdessen achtet die 24-Jährige darauf, sich möglichst kontrovers in Szene zu setzen. Ist sie medial ein Thema, passiert dies nur selten aufgrund der Musik. Im Mittelpunkt steht ihr Körper bzw. die zahlreichen Schönheits-OPs. "Ist das noch Feminismus?", fragt die Klatsch-Presse."Was juckts euch?", antworte ich. Derlei wurde schon tausendmal durchgekaut. In Zeiten von Homophobie und Rassismus im Hip Hop gibt es weitaus wichtigere Themen als die Frage, ob Shirins offener Umgang mit Schönheitskorrekturen die Jugend versauen könnte.

Die Figur Shirin David ist menschgewordenes Product Placement. Das Erscheinungsbild gehört zum Gesamtprodukt - und das ist erst mal in Ordnung. Mittlerweile hat sie ihr Erfolgsmodell aber so sehr verinnerlicht, dass sie vielleicht selbst nicht mehr unterscheiden kann, ob sie etwas aus reiner Überzeugung macht oder weil es den nächsten Maybach finanziert. Solch ein Commitment kann man respektieren, hat aber wenig mit künstlerischer Integrität zu tun. Diese hat sie schon lange vor der Veröffentlichung ihres Debüts verloren.

Trackliste

  1. 1. Orbit
  2. 2. Gib Ihm
  3. 3. Gift
  4. 4. Nur Mit Dir (feat. Xavier Naidoo)
  5. 5. ICE
  6. 6. Brillis
  7. 7. Größter Fan
  8. 8. ON OFF (feat. Gims)
  9. 9. Fliegst Du Mit
  10. 10. Melodien
  11. 11. Unsichtbar
  12. 12. Gibt Es Dich?

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Shirin David, bürgerlich Barbara Shirin Davidavicius, wurde am 11. April 1995 in Hamburg geboren und ist das Kind einer litauischen Mutter sowie eines …

9 Kommentare mit 18 Antworten

  • Vor 4 Monaten

    ERSTER! OKOK. shirin ist nicht street, hat zu wenig gehustlet und sowieso ist sie nicht hip hop real alda. vielleicht dann nxte mal album aus der pop perspektive bewerten? anstatt leute dafür abzustrafen, dass sie nicht genug cred aus den augen der selbsternannten ogs haben, die halt ihrer üblichen hip hop und rap ist drive-by, street, ausgrenzung und struggle romantik nachtrauern. wie der autor sacht, stimme ok, flows ok, alles ok, also schon eher so 3/5. btw größter fan und fliegst du mich jawohl mal realer als die letzten 4 kollegah alben.

    • Vor 4 Monaten

      Ja schon klar, du willst sie bügeln! Wollen wir alle, jetzt zieh dich wieder an, bevor dich jemand am Fenster sieht!

    • Vor 4 Monaten

      Ich denke Du solltest dich umgehend löschen.

    • Vor 4 Monaten

      jetzt mal ehrlich brudi. ich klopf mir schon immer selber auf die schulter weil ich es schaffe die (zggbn okayische, nicht sonderlich geile) qualitäten ihrer musik ohne ihr aussehen zu bewerten. und ich bin echt so proggressiv dass ich meine alle und besonders frauen können echt mal (endlich) machen was sie wollen und von mir aus auch sich aufspritzen und rumlaufen wie lebende puppen. undso. aber. das. euer ernst? findest du das echt heiß? jetzt aml ganz ehrlich und mit koran aufm tisch.

    • Vor 4 Monaten

      Ging obv an den Luemmlidiot.

    • Vor 4 Monaten

      Ich vertshehe die frage nichT!

    • Vor 4 Monaten

      alter... ok. wenn du meinst. gerne. dann weniger konkurrenz für mich beim kmapf um die haiytis, salwas und josis dieser welt.^^^^^^

    • Vor 4 Monaten

      Ob du Shirin heiß findest, war die Frage, soweit ich das verstanen habe.

      M.E. ist an so einer lebenden Puppe (gute Beschreibung) absolut gar nichts heiß: Poolverbot.

    • Vor 4 Monaten

      Seid (!) dieser Enttäuschung neulich steh ich auch wieder mehr auf natürliche Frauen. FOlgendes ist pasirt: Ich war im Karstadt, Outdoor Camping Abteilung und so, wegen bevorstehendem Pfadfinder Jahrestreffen am Chiemsee. Da stand sie, SHarin Daniel, die echte, ich wie hypnotisiert, wir hatten Sex bis Verkäufer kam und gebrüllt hat: Ey du geisteskranker gestörter, hör auf das Schlauchboot zu bumsen, das kan ich jetzt nicht mehr verkaufen so! TOll. War halt sehr enttäuschend für mich! habe dann das Schlauchboot gekauft und bei Pfadfindertreffen mit Wölflingen eine RUnde auf CHiemsee gedreht!

    • Vor 4 Monaten

      Junge! Junge! Ich verstehe schon, dass Du Dich hier über meinen vermeintlich schlechten Umgangston lustig machen möchtest. H4h4. Allerdings ist der nur dadurch bedingt, dass ich gleichzeitig in sechzig (!!!) Foren aktiv bin und dabei noch tindere (wenn dieses Verb so existiert, h3h3). Wir sind also in derselben Ecke in Bourdieu's Prestigekoordinatensystem. H1h1. Kleine akademische Referenz. Und ich finde, man kann das Aussehen von Frauen durchaus bewerten, ohne sie dabei mit Schlauchbooten gleichzusetzen.

    • Vor 4 Monaten

      Dieser Kommentar wurde vor 4 Monaten durch den Autor entfernt.

    • Vor 4 Monaten

      es mus snatürlich bourdieus heißen aber ich schreibe auch viel auf englisch und frnazösisch und mandarin daher manchmal verwirrend

    • Vor 4 Monaten

      This wins the internet.

  • Vor 4 Monaten

    Körperliche Inszenierung geht sicher auch schöner und authentischer als bei Shirin David. Ich denke da an FKA Twigs. Bei Shirin David fehlt mir dafür einfach zu sehr die künstlerische Substanz.

  • Vor 4 Monaten

    Musik für homophobe, Naido-hörende laut-User.

  • Vor 3 Monaten

    Gut, ein musikalisches Kunstwerk ist "Supersize" nicht. Was deutschen Sprachgesang anbetrifft, so habe ich jedoch schon einige Produktionen gehört, die deutlich lustloser auf CD gepresst wurden. Und erholsam ist auch, dass Shirin David nicht einen auf "ich bin so krass drauf" macht und die Sprachfähigkeit der Ghetto-Boys nachäfft. Wie eben so mancher deutscher Möchtegern-Rapper, der "im Ghetto" aufgewachsen sein will, vor wenigen Monaten aber noch von Mutti die Wäsche gemacht bekommen hat. Letztlich kann man sich das Album mal zum Bügeln anhören, aber dann ist auch gut. Man sollte Belanglosigkeit jedoch nicht mit schlechter Qualität verwechseln. Und wer die Musik hört, sieht ja auch den ach so schrecklich verunstalteten Körper der Sängerin nicht. Den Sänger einer meiner Lieblingsbands meiner Jugend, "New Model Army", habe ich erst nach 20 Jahren das erste Mal gesehen. War auch nicht toll, die Musik gefällt mir aber weiterhin.