Die Omnipräsenz der Schlagersängerin geht vielen auf die Nerven. Auch Campino meckert - er würde von Helene lieber politische Statements hören.

Berlin (luc) - Vor Helene Fischer gibt es kein Entkommen. Egal ob TV-Auftritte, Plakatwände, Werbebanner - sogar beim DFB-Pokalfinale ist man nicht mehr sicher vor der Schlagerkönigin. Auch in der ranzigsten Kneipe erschallen lyrische Perlen wie "Herzbeben, lass uns leben, wir wollen was erleben! Herzbeben, lass es beben, beben".

Der Grund für die Omnipräsenz der Sängerin ist natürlich die Vermarktung ihres neuen Albums. Die Werbetrommel wird kräftig gerührt, darum macht auch die ARD an diesem Donnerstag zur besten Sendezeit zwei Stündchen Platz für den Mitschnitt von Helenes CD-Release-Konzert. Das 'intime' Clubkonzert fand bereits im Mai vor rund 800 Fans im Münchner Kesselhaus statt. Für Helene-Verhältnisse gleicht diese Intimität fast schon einer Einladung ins Eigenheim.

"Nervt Helene ihre Fans?", fragen die Medien. Gute Frage, denn selbige, gerade die öffentlich-rechtlichen TV-Sender, tragen im vollen Maße zum Helene-Overkill bei. Eine kleine Auswahl: Der Countdown für den diesjährigen Eurovision Song Contest, ein Auftritt in der Talk-Show von Barbara Schöneberger, ebenso in Carmen Nebels Show, im Finale von "Germany Next Topmodel", und schließlich die Pleite beim Pokalfinale, wo zahlreiche Fußballfans die Sängerin auspfiffen - am darauffolgenden Tag musste das niederschmetternde Erlebnis sofort in Thomas Gottschalks Talk-Show besprochen werden. In punkto Medienpräsenz zeigt sich Helene als Musterschülerin.

Gerade die allumfassende Präsenz in den Medien würde Tote-Hosen-Frontmann Campino lieber besser genutzt wissen. In einem Gespräch mit dem österreichischen Kurier beklagte er Helenes Stillschweigen über politische Belange, gab aber auch zu, dass das immerhin ihr gutes Recht sei. Eins auf die Mütze gabs dann aber trotzdem, Campino wettert: "Aber was wäre, wenn sie sagen würde: 'Ich bin gegen die AfD und gegen die rechtsextreme Stimmung'? Sie würde unglaublichen Hass auf sich ziehen. Das Management würde vielleicht sagen: 'So einen Ärger brauchen wir nicht, wir haben eine gut geölte Maschine, die perfekt läuft, also bitte in Bezug auf Politik den Mund halten'. Die Tatsache ist doch, dass man eher bereit sein muss, bei den Fans Verluste hinzunehmen, wenn man sich politisch positioniert."

Campino hat auch von Anfeindungen auf seine eigene Person und politische Orientierung genug: "Da heißt es: 'Kaum bringen die ein neues Album raus, machen sie sich wieder wichtig!' Da wird versucht, uns zum Umkippen zu bringen, wenn wir Flagge zeigen". Farbe bekennen wird Helene Fischer nach diesem Statement wahrscheinlich nicht - wobei sie mit ihrer Omnipräsenz und den Heerscharen von Fans tatsächlich einen gewissen Einfluss hätte. Ein Anti-AfD-Shirt würde sich auch in ihrer Garderobe gut machen.

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Die Toten Hosen

Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler) Die Toten Hosen,  | © laut.de  (Fotograf: Gina Wetzler)

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17 Kommentare mit 47 Antworten

  • Vor 4 Jahren

    http://www.stern.de/kultur/tv/voellig-vers…

    Wie krass... Sie hat live gesungen, getanzt und dabei geschwitzt. Was für andere Live-Künstler selbstverständlich ist wird bei HF als grandios innovativen Imagewechsel gefeiert.

  • Vor 4 Jahren

    Ich bin jetzt mal böse: ich würde darauf wetten, dass H. F. gerade unter den AFD-Anhängern viele Fans hat, diese beiden geistig schlichten Erscheinungen passen einfach zu gut zusammen.

    Und es war noch nie eine gute Idee, einen Großteil seiner Fans vor den Kopf zu stoßen.

  • Vor 4 Jahren

    ...Campino ist jetzt 54 Jahre alt- wer ist in DEM Alter denn noch mehr Punk als der? Da kenne ich wenige. Bei RaR sahen die mir die Hosen punkiger aus als so ziemlich jeder jüngere Kollege...da kann man auch mal fair bleiben. Erwartet jetzt jemand ernsthaft, daß der noch in der Fußgängerzone schnorren geht, oder was wollt ihr?

    • Vor 4 Jahren

      " Bei RaR sahen die mir die Hosen punkiger aus als so ziemlich jeder jüngere Kollege..."

      Und darauf kommt es im Punk nun mal an. Wenn der Filzlaus-Uwe sich mittags zu seinen Gleichgesinnten an den Bahnhofsvorplatz gesellt und seine neue H&M-Jeans trägt, bei der die Löcher schon vorgefertigt waren, dann freut es ihn sehr zu hören, wenn Spike und Klöte ihm sagen, dass er heute ausgesprochen punkig aussieht.

    • Vor 4 Jahren

      Die Hosen und der Punk. Das ist doch schon lange durch!
      Erstens sagen die auch selber kein Punk mehr zu sein (mit Millionen auf dem Konto sowieso klar).
      Zweitens... Wie lange ist Johnny Thunders tot?
      Aber kein Hate sie sind nach wie vor eine ziemlich gute Rockband auch wenn sich die skipbaren Titel häufen.

      (Dialog Bela B. zu Farin U. "Farin Mercedes fahren ist kein Punk!")

    • Vor 4 Jahren

      "Spike und Klöte", so on point und lange nicht mehr gehört. :D

    • Vor 4 Jahren

      komm mal lieber chat, du asoklaus

    • Vor 4 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 4 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 4 Jahren

      ich meinte auch den ehrenwerten mundibrudi. dein intermezzo dort bedarf keiner wiederholung