Randale über Randale bei Haftbefehl und Pete Rock. Chakuza hat die Proletenmusik satt. Orgi findet ein verloren geglaubtes Bushido-Tape. Und: Wu!

Konstanz (dani) - "Sommer, Sonne, Sonnenschein zieh' ich mir furchtbar gerne rein", taten einst die Fantastischen Vier kund. In Kreisen, die sich selbst für "real" oder "street", auf jeden Fall aber "gangsta" halten, ging es die letzten Tage allerdings weniger sonnig zu. Parallel zu den Temperaturen erhitzten sich offenbar die Gemüter - was dann in unschönen Szenen wie auf dem Rheinkultur gipfelte.

Nix als ärgerlich, für Veranstalter wie Besucher. Und als gemeiner Hip Hop-Süchtling muss man sich wieder einmal die Diskussion an die Backe kleben lassen, warum sich derlei Vorfälle "immer nur bei Rap-Konzerten", nie jedoch unter Metal-Zotteln ereignen. Stimmt das denn? Man sollte eine soziologische Studie auf den Weg bringen.

Macht Kopfnicken - im Gegensatz zum Headbangen - am Ende dumm? Manchmal möchte man das fast glauben. Seht:

Nicht nur die aktive, sondern auch die passive Beschäftigung mit dem Metier scheint Spuren zu hinterlassen: Der ... ähem ... Moderator hält also allen Ernstes Haftbefehl für den bekanntesten deutschen MC? Doch noch nicht mal in Offenbach, Baby! Auch zu diesem Thema wäre doch ein bisschen Empirie interessant, nicht? Beim nächsten Langeweileanfall geh' ich mit Rapper-Fotos auf die Straße und frage Passanten.

Zehn Cops gegen einen

Leider gab es nicht nur am Rhein Randale. Auch die Release-Party des - wenn man dem Kollegen Alex Austel glauben darf - nicht ohne Grund "Monumental" betitelten Albums von Pete Rock und Smif-N-Wessum endete für mehrere Beteiligte mit Blessuren.

Während die Ordnungshüter auf dem Standpunkt beharren, lediglich eine außer Kontrolle geratene Menge in ihre Schranken verwiesen zu haben, sieht man am anderen Ende des Schlagstocks die Sachlage ganz anders:

"Zehn Cops schlugen auf einen Mann ein", twittere ein nachvollziehbarerweise aufgebrachter Pete Rock - in Großbuchstaben. "Ich schätze, man wollte uns da einfach nicht feiern sehen. Schwarz ist in dieser Gegend nicht die bevorzugte Hautfarbe, denk' ich mal."

Kein Bock auf Proletenmusik

Manchmal versteht man schon, wenn einer, wie Chakuza mit der ganzen Rap-Szene nichts mehr zu tun haben will:

"Ich hab' einfach keinen Bock mehr auf Proletenmusik." Amen.

Lost Tapes im Doppelpack

"Lost Tapes" kündigt Chakuza an. Mit verlorenen Bändern machte diese Woche auch King Orgasmus One eine Erfahrung: Beim Aufräumen (Hört, hört!) fand sich tatsächlich noch ein verloren geglaubtes Demo, das er unter dem Namen Squad 030 zusammen mit Bushido und einem ominösen Vader aufgenommen hatte. Im Jahre 1998, falls sich jemand erinnert. Orgi kündigte gegenüber rap.de an, das historische Tondokument meistbietend versteigern zu wollen.

Legendär.

Obwohl das Demo aus dem Gründungsjahr unseres Magazins stammt, werden wir uns die Nostalgie wohl eher verkneifen und uns aus einer eventuellen Auktion schön heraushalten. Zumindest ich bin ohnehin erstmal mit etwas anderem beschäftigt. Ohne Worte:

Wu!

Sie haben Post!

Bis das neue Clan-Album bei uns eintrudelt, vertreiben wir uns die Zeit mit diversen freundlichen Mails. Es prügeln sich nämlich bei weitem nicht alle Heads auf irgendwelchen Partys herum. Einige machen tatsächlich noch Musik und versäumen nicht, uns darauf hinzuweisen.

Auf diesem Weg lernte ich diese Woche bereits einen gewissen D-Fense kennen: Aus Bremen stammt der Mann, der, mit Unterbrechungen zwar, aber doch schon seit 1993 mitspielt. "Auf jeden Fall Shit jenseits des Mainstream à la Bushido und Kinder-Gangster-Rap", beschreibt er seinen Style. "Richtung Shiml." Stimmt:

Mehr von D-Fense, unter anderem seine aktuelle EP "Staub Und Schatten", gibts hier.

... und dann gibt es Sickless, der uns vor Jahren schon einmal aufgefallen sein muss, denn wir haben ein Porträt des Mannes aus Aalen. Da er so zuvorkommend war, uns über die neuesten Entwicklungen aufs Laufende zu setzen, steht einer Aktualisierung dieser völlig zurecht als "digitale Karteileiche" geschmähten Seite nichts im Wege.

Das Wichtigste: Sickless lebt noch. Das frisch in Gründung befindliche Label heißt - ein frommer Wunsch, hoffentlich - wirscheissengold. Das "Einsickartig" betitelte Mixtape erschien am vergangenen Sonntag. Und eigentlich sieht angenehm entspannt aus, was der Kollege so macht - auch voll im Trend, mit Fußball, C.R.E.A.M.-Shirt (Wu!), Dachterrasse und Sommer, Sonne, Sonnenschein. So gehts doch auch, ganz ohne Boxentürme-Umwerfen. Sogar unter Hip Hoppern.

Track der Woche:

Wenn die ganzen Jungs so schamlos Werbung in eigener Sache machen, warum tu' ich das eigentlich nicht auch - und lobe und preise mal wieder einen der Acts, die mein Leben nachhaltig geprägt haben?

"You just let us know the way you want us to destroy the club - we do." Das bekommt man von Jungs mit dem Härtegrad von The Bug schließlich nicht alle Tage gesagt.

Kevin Martin hat nicht gelogen und der traditionsreichen Veranstaltungsreihe Relaxed Clubbing im Herbst 2003 ein wahrhaft würdiges Ende gesetzt. Inzwischen ist die Montags-Reihe längst wie Phönix aus der Asche neu erstanden. The Bug kracht - auch in diesem Rahmen - immer noch. Ich habs vor ein paar Tagen erst ausprobiert, hiermit:

Icke, Yo Mama Fromm, Er, Maximum Brandl, oder der andere, KRM-One, sammeln und kredenzen wöchentlich Diverses aus dem Kopfnicker-Universum. Anträge, Blumen oder Punchlines an dani@laut.de, max@laut.de oder karim@laut.de.

Fotos

Wu-Tang Clan und Haftbefehl

Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Manuel Berger) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Wu-Tang Clan und Haftbefehl,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen)

Weiterlesen

laut.de-Porträt Haftbefehl

"Asozial, hart, direkt ins Gesicht", so beschreibt der Mann mit dem klingenden Namen Haftbefehl sein Schaffen. "So wird es immer bleiben, und ich werde …

laut.de-Porträt Pete Rock

Peter Philipps' Künstlername geht gut und gerne als Synonym für Boom-Bap durch. Viele Rap-Heads nennen, nach den größten Hip Hop-Produzenten aller …

laut.de-Porträt Chakuza

Ein modernes Märchen? Zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Mehr Glück als Verstand? Man kann die Geschichte des österreichischen Rappers und Produzenten …

laut.de-Porträt Wu-Tang Clan

Wenn sich überhaupt irgendeine Crew mit dem Titel "Supergroup" schmücken darf, dann der Wu-Tang Clan. Neun Herren aus Staten Island und Brooklyn machen …

laut.de-Porträt Sickless

"Das ist brotlose Kunst in einer schwarzweißen Welt", behauptet Sickless über sein Metier. Dabei mag seine Kunst vielleicht (noch) brotlos sein. Schwarzweiß …

laut.de-Porträt The Bug

Eigentlich ist Kevin Martin ein Brite, wie er im Buche steht. Als Sohn eines irischen Vaters und einer schottischen Mutter in Wales geboren, verbringt …

27 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    @todesposter (« @Sancho (« @Cyclonos (« @todesposter (« @Cyclonos (« Es gibt durchaus auch Konflikte auf Metalkonzerten. Letztens erst hat einer da grundlos zu einem anderen "Doofmann" gesagt. Der andere hat dann "selber doof" gesagt und ihm die Zunge rausgestreckt. Gott sei Dank kam dann die Security um die beiden Streithähne auseinanderzuhalten, sonst wäre das hässlich ausgegangen.
    So musste dann auch das Konzert nicht abgebrochen werden. »):

    Dafür pogen bei Metal-Konzerten besoffene 15-jährige ignorant durch die Massen; ob das jetzt besser ist? »):

    Wer hinfällt, dem wird aber auch aufgeholfen. Die "Karatekiddis" gehen mir auch auf die nerven aber ich geh auch eher selten auf Metalcore konzerte. »):

    :D
    @Todesposter: du willst doch jetzt nicht ernsthaft Pogen als Randale abstempeln?!? »):

    Nein. Nur hatte ich bei Cyclonos' Kommentar den Eindruck, Metal/Rock - Konzerte seien eine peace-and-love-Tupperparty.
    Davon abgesehen könnte ich jedem, der mich dreist von der Seite anpogt, direkt in die Fresse hauen. »):

    Ja aber das ist nunmal die Attitüde auf so Konzerten. Bei Prodigy willst du ja auch nicht das alle nur rumstehen und auf die Bühne glotzen. Es ging ja hier eher um das Verhalten der Leute drum herum. Da gibt es wie Cyclonos mit dem "wieder auf helfen"-Beispiel schon gesagt hat Anstand.

  • Vor 9 Jahren

    Wu Tang wird hoffentlich nice. Und hoffentlich kriegt Dani die Scheibe.