Keine zweite Chance für Knackis. Dieter Bohlen bläst sich zum Richter der Nation auf. Die Botschaft: Einmal gefehlt, für immer verkackt.

Köln (dani) - "Im Vollzug der Freiheitsstrafe soll der Gefangene fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen", so steht es im Strafvollzugsgesetz. "Der Vollzug ist darauf auszurichten, dass er dem Gefangenen hilft, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern."

Sprich: Wenn einer seine verdiente Strafe verbüßt hat, sollte die Angelegenheit erledigt sein. Der Delinquent hat, insbesondere wenn er sich einsichtig, reuig und geläutert zeigt, eine zweite Chance verdient. Das funktioniert prima, wenn du stinkreich, prominent und Präsident des FC Bayern München bist. Bist du jedoch ein junger Nobody, willst bloß an einem Gesangswettbewerb teilnehmen und gerätst dabei an Euer Selbstherrlichkeit Dieter Bohlen und seine emotional schon lange krepierte Beisitzerin Michelle, liegen die Dinge komplett anders.

Von wegen "No Limits"

"Resozialisation? Am Arsch." So lautet die Botschaft, die die 14. Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" nun schon zum zweiten Mal an ihre vorrangig jugendliche Zielgruppe hinkommuniziert. Hätte jedenfalls ein weit treffenderes Motto abgegeben als der ebenfalls schon zum zweiten Mal strapazierte heuchlerische Untertitel "No Limits". Das Format, vor allem aber seine Jurorenschaft, präsentiert sich auf so vielen Ebenen limitiert, ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll.

Es geht mir gar nicht in erster Linie um Ruzhdi Uka, den RTL gestern als den Kandidaten ankündigte, "über den morgen ganz Deutschland spricht". Mit Ansage, ihr Arschlöcher. Nein, über den 18-Jährigen müssen wir nicht groß reden. Er hat passabel gerappt, okay gesungen, weder besonders aufregend noch irre herausragend. Trotzdem haben Bohlen, Baxxter, Michelle und Perückenständer Shirin David schon weit weniger talentierte Teilnehmer in die nächste Runde durchgewunken.

Ehrlichkeit lohnt sich nicht

Ruhzdi Uka jedoch kassierte als Quittung für seine Ehrlichkeit eine Watsche. Offen sprach er seine Vergangenheit an, erzählte freimütig, er habe wegen räuberischer Erpressung eineinhalb Jahre im Gefängnis gesessen. Seine musikalische Darbietung interessierte urplötzlich niemanden mehr. Dieter Bohlen kanzelte ihn mit einem "Ich hab' die Schnauze voll von Leuten, die gesessen haben" ab und riet Ruhzdi noch gönnerhaft, er könne ja in zwei Jahren noch einmal zu Kreuze kriechen, sofern er sich bin dahin nichts habe zuschulden kommen lassen. (Sollte er sich soweit erniedrigen, gehörte er tatsächlich wieder eingesperrt. Wegen sträflicher Dummheit.)

Wir brauchen Eier!

H.P. Baxxter, der offenbar seine eigene Meinung zusammen mit seinem Witz an der Garderobe abgeben muss, ehe er am Jurytisch Platz nehmen darf, schlug in dieselbe Kerbe. Michelle, wie immer besonders widerwärtig, streute noch ein bisschen Salz in die frisch gerissene Wunde. "Du tust dir selbst keinen Gefallen", belehrte sie den desillusionierten Jüngling von oben herab und dekorierte seinen matten Einwand "Das sehe ich anders" zudem noch mit einem überheblichen "Das wissen wir besser!". Hat diese Person eigentlich Kinder oder Haustiere? Ich hoffe nicht. (Zweite Frage am Rande: Kann man sich ein Tourettesyndrom erwerben? Falls ja, hätte ich eine Idee, wie das geht. Fff...urzkissen.)

Einzig Shirin David, die sonst nur Hautbild und "Attitude" der Kandidaten "bewertet", zeigte einen Hauch von Eiern und etwas Mitgefühl. Sie gab Ruhzdi die einzige Ja-Stimme zusammen mit dem Kommentar "Ich finds megaschade" mit auf den Weg nach draußen. Kinder, seht hin und lernt zweierlei! Erstens: Mit Ehrlichkeit kommt man nicht weit. Zweitens: Wer einmal einen Fehler gemacht hat, hat sein Leben verkackt auf immerdar.

Déjà-vu: Der Richter der Nation

Erst vor zwei Wochen gab es bei "Deutschland sucht den Superstar" einen ähnlich gelagerten Fall: Den noch wesentlich begabteren Kandidaten Alfons Kreischer hatte die Jury in einhelliger Begeisterung eigentlich schon mit Goldenem Ticket in den Auslands-Recall katapultiert. Er wurde dann allerdings ohne Angabe von Gründen noch einmal ans Set zitiert, wo er das Flugticket nach Dubai vor laufender Kamera wieder abgeknöpft bekam. Unterdessen war ans Licht gekommen, dass er vorbestraft war und sich nur auf Bewährung auf freiem Fuß befand. Zweite Chancen sind aus, bei DSDS. Statt dessen bläst sich Dieter Bohlen zum Richter der Nation auf.

Warum, RTL?

Die Politik, man wolle keine Kandidaten mit dunkler Vergangenheit, könnte man vielleicht noch irgendwie nachvollziehen, wenngleich das an den Haaren herbeigezogene Argument, solche Teilnehmer geben "ein schlechtes Vorbild" ab, angesichts der Fluten an teils wirklich behandlungsbedürftigen Irren, die man bei DSDS vorgeführt kriegt, schon einigermaßen hanebüchen wirkt. Warum schließt man solche Kandidaten dann aber nicht per Regelwerk von vorneherein vom Wettbewerb aus? Warum muss man sie vorführen und demütigen und ihre ohnehin schon dürren Zukunftspläne in den Dreck treten? Warum, RTL?

Armselig!

Die gestrige Episode hat den letzen kleinen Restzweifel daran ausgeräumt: "Deutschland sucht den Superstar" ist nicht nur musikalisch am Ende, sondern längst auch in jeder anderen Hinsicht. Man hat sich schon an so vieles gewöhnt. An die stetig sinkende Qualität des abgegrasten Teilnehmerfeldes. An Juroren, die geringe bis gar keine Qualifikation mehr mitbringen. An immer knauseriger produzierte Shows mit immer dümmlicheren Themen und immer ramschigerer Ausstattung. An ellenlange, unlustige Einspielfilmchen, billige Animationen und flache Witze, stets auf Kosten der Kandidaten, versteht sich. An ein Frauenbild aus Höhlenmenschzeiten, eingefangen von Kameras, die völlig hemmungslos auch minderjährigen Mädels in den Ausschnitt und zwischen die Beine fahren und dort einfach mal minutenlang bleiben. An die latente Schwulenfeindlichkeit, die den Lover des anfangs noch süß verliebten späteren Siegers Prince Damien innerhalb nur weniger Wochen klammheimlich zum "Kumpel" degradierte und unter den Teppich kehrte ...

Das alles, um noch einen und noch einen Werbeblock zu verkaufen? Wirklich, RTL? Obwohl ihr es in dieser Disziplin wahrlich zur Meisterschaft gebracht habt: Selbst euch dürfte schwer fallen, diese Staffel an Armseligkeit noch zu überbieten. Ich wäre fast ein bisschen gespannt, wäre ich nicht gar so angewidert.

Fotos

Scooter und Dieter Bohlen

Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Rainer Keuenhof) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Scooter und Dieter Bohlen,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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