Ein Radio-Moderator wollte nur leichtherzig gegen eine Boyband sticheln - und lernte die Macht von Fanboys kennen.

München (ynk) - Es klingt eigentlich wie das einfachste Bit für ein Radio-Abendprogramm: Irgendein Moderator, der sich mit etwas Stand-Up durch den Abend wieselt, in der linken Ecke - und eine Boyband, die einen Classic Rock-Song gecovert hat, in der anderen. Natürlich wird der Moderator sich in irgendeiner Form darüber lustig machen, denn das ist der Lauf der Dinge, immerhin ist Radiorock das viel würdevollere und klügere Genre als Boyband-Pop.

Das dachte sich zumindest Matthias Matuschik vom Bayerischen Rundfunk, der in seiner Sendung "Der Etwas Andere Abend" glaubte, er ernte eine niedrig hängende Frucht, wenn er über das BTS-Cover von Coldplays "Fix You" herziehe. Doch dann lernten er und sein gesamter Sender die furchteinflößende Naturgewalt erzürnter BTS-Fans kennen.

Über dieses Exponat reden wir:

Da hocken also die sieben Jungs von BTS andächtig im Rampenlicht auf ihren Hockern und singen "Fix You" von Coldplay. Der Moderator meint dazu: "Und dann geben diese kleinen Pisser auch noch damit an, dass sie von Coldplay 'Fix You' gecovert haben. Wo ich sage: 'Das ist Gotteslästerung!' Das sage ich als Atheist." Des Weiteren vergleicht er sie mit dem Corona-Virus (weil, höhö, der kam ja auch aus Asien) und spricht sich darüber hinaus natürlich selbst von Rassismus frei, weil er ja ein südkoreanisches Auto besitzt. Uff.

BTS-Fans ließen das nicht auf sich beruhen, setzten sofort ein standardisiertes Beschwerdeformular auf und ließen das Postfach des Senders heißlaufen. Rassismus und Geschmacklosigkeit werfen sie Matuschik vor, vor allem wegen der argen Stereotypisierung der koreanischen Gruppe. Der BR legte sogleich ein Entschuldigungsschreiben auf.

Altherren-Klischees + versnobter Elitismus = Alltagsrassismus

So überzogen manch einer die Reaktion finden mag, ein Stück weit haben die BTS-Fans hier aber durchaus Recht: Es sind eben genau diese altherrenhaften Stereotype, die im Verbund mit versnobtem Elitismus Ergüsse wie Matuschiks Radiobeitrag hervorbringen. So sehr der BR auch beteuert, sein Mitarbeiter könne angesichts seines Engagements in der Geflüchtetenhilfe kein Rassist sein, liefert der Vorfall doch ein Paradebeispiel dafür, wie Alltagsrassismus entsteht. Da saß eben dieser Parade-Dad-Rocker und dachte sich: "Hey, Boybands sind doof, weil junge Mädchen mögen sowas, außerdem, Asien, hehe, da schreiben sich die Witze von selbst."

Um die Blamage noch abzurunden, ist die Band, für die er in die Bresche springt, auch noch die auch ohne BTS-Cover kernlahme Formation Coldplay. Oh nein, die heilige Integrität von "Fix You" wurde entweiht, als sei diese Schmonzette nicht vor 15 Jahren schon auf Boyband-Level gewesen. Ein kollektives "Okay, Boomer!" für den ganzen Beitrag erschallte also verdient.

Fotos

Coldplay

Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Coldplay,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig)

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20 Kommentare mit 77 Antworten

  • Vor einem Monat

    Nur in Sachsen sind die Radiomoderatoren schlimmer.

  • Vor einem Monat

    Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

  • Vor einem Monat

    Unhörbarer Schmutz covert unhörbaren Schmutz und plötzlich wird ein Kommentar im bajuwarischen Formatradio zum Aufhänger für moralische Grundsatzdiskussionen.

    Hab neulich gelesen dass sogar Mathematik rassistisch sein soll. Kannste dir langsam echt nicht mehr ausdenken...

    • Vor einem Monat

      "Hab neulich gelesen dass sogar Mathematik rassistisch sein soll."

      Jop, kenn ich auch. Hab das zugehörige Schriftstück gelesen; war zu 95% unbrauchbar, vor allem im didaktischen Sinn.

    • Vor einem Monat

      Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

    • Vor einem Monat

      was machen wir eigentlich, wenn all wir opfer feststellen, dass wir immer auch täter sind? kollektiver suizid als erlösung aus der täterschaft oder doch nur das instagram profil löschen?

    • Vor einem Monat

      Reflektieren und das Verhalten anpassen?

    • Vor einem Monat

      Wie ich mir gedacht habe geht es darum, dass Mathematikuntericht rassistisch sein soll, nicht Mathematik.

      @Schwingi: 95% srsly? Ein paar der Vorschläge sind jetzt nicht so nützlich und ich würde das ganze eher als generelle Verbesserung des Mathematikunterichts sehen, dafür sind die meisten Vorschläge ziemlich gut.

    • Vor einem Monat

      "Reflektieren und das Verhalten anpassen?"
      da gehe ich ganz im popper'schen sinne mit. die spannende frage ist aber wo bzw. ob das enden kann. oder ob wir da quasi in rekursionschleifen reingeraten, weil unsere "aggressionsdetektoren" immer sensibler werden. das wiederum ist für uns menschliche wesen in unserer unvollkommenheit nicht leistbar. nicht falsch verstehen, ich gehe in vielen punkten. aber ich bin der meinung wir sollten uns auch in toleranz gegenüber alltäglichen mikroaggressionen üben, weil wir sonst nur noch gegner statt mitmenschen sehen.

    • Vor einem Monat

      Wie wär's mit, Zitat
      "[The misconception that students who are negotiating language are unable to communicate their math-ematical knowledge] not only denies opportunities for more engagement with more rigorous math, but it also creates a dynamic of paternalism where teachers are deciding for students what math they should interact with, without true consideration of the student’s experience." (p.19)

      Da wird Führung im Klassenraum mit "white supremacy", "paternalism" und ähnlichem Quatsch verwechselt bzw. gleichgesetzt.
      Dass jeder individuelle Lösungsansatz (es wird angenommen, jeder Schüler hätte einen) berücksichtigt werden müsste, ist auch feuchter Traum der deutschen Bildungsministerien. Ich wüsste nicht, wie eine Lehrkraft allein in einer Klasse mit rund 30 Schülern befähigt wäre, jeden Schüler individuell zu fördern und dabei gleichzeitig ein geordnetes Klassengeschehen aufrecht zu erhalten.

      Auf einer anderen Seite wird geraten, die Schüler das Klassengeschehen auf einer Skala von eins bis fünf bewerten zu lassen. Anschließend soll der Lehrer das dann auch noch sammeln und regelmäßig auswerten. Zitat:
      "Fist to five, How well did I teach this today?"

      Ja, Evaluation ist richtig und wichtig. Aber dann lässt man einen Kollegen hospitieren. Von den Kindern können da keine brauchbaren Antworten kommen, wie auch? "Wie gut" etwas beigebracht wurde, ist ein subjektiver Begriff. Die Antwort darauf lässt sich nicht auf Fingerzeig runterbrechen. Sinniger wäre es für den Lehrer die Kids zu fragen, was sie ihrer Meinung nach gelernt haben.
      Und wenn man die Kinder einbezehen möchte, gibt es da viel sinnigere Methoden, etwa mit Evaluationsbögen.
      Aber das Beispiel oben zeigt, wie hirnrissig und realitätsfern die Vorschläge in dem Leitfaden sind.

    • Vor einem Monat

      Mit den Bezügen auf white supremacy gebe ich dir Recht, aber im Idealfall sollten individuelle Lösungsansätze schon berücksichtigt werden, wie du schon feststelltest hat selten jeder Schüler einen, was das ja einfacher macht. Das die Klassen zu groß sind sollte klar sein.

    • Vor einem Monat

      'Fist to five' klingt in der Tat doof, aber Feedback der Schüler (die ja nicht nur Kinder sind), halte ich nicht generell für sinnlos. Anonymisiert mit Minimalaufwand für die Lehrer und auf freiwilliger Basis, etwa digital, könnte schon Impulse liefern oder auf Probleme hinweisen.

    • Vor einem Monat

      Genau in diese Richtung habe ich ja auch argumentiert, wir sind uns offenbar einig.

    • Vor einem Monat

      @nomanswrap:
      Guter Beitrag! (Ohne Ironie)

    • Vor einem Monat

      Nomanswrap schon von Anfang an richtig. Der Punkt, der in Reaktionen oft nicht verstanden oder bemerkt wird, ist genau der, daß in einem Opfer immer auch der Täter steckt (und umgekehrt, natürlich). Es läßt sich erst aufhören, ein Opfer zu sein, wenn man sich mit dem inneren Täter anfreundet. Hätte der laut.de-Community nicht zugetraut, das einfach mal stehenlassen zu können, und bin auch völlig unironisch beeindruckt.

    • Vor einem Monat

      Meinerseits übrigens ebenfalls unironische +1 für nomansrap vorm schlafengehen...

      Gerade das Lehrbeispiel "30 individ. Lösungswege berücksichtigen & bewerten" im politisch gewählten I-Modell finde ich dabei sehr überzeugend eingesetzt. Das halt, was I-Kindern und v.a. ihren Erziehenden da von Politpädagogen sauber (aber auch so bissl utopisch bis gewissenlos) als triftigstes Pro für den Wechsel ins bald ja ganz bestimmt nicht mehr 3-/4-gliedrige Schulsystem verkauft wurde, zerschellt laut Erfahrungsberichten aus meinem auffällig großen Lehrer*innen-Sozialkreis über sämtliche Schulformen und 6 mir bekannten BL hinweg wohl ständig am Umsetzen d. vorgesehenen Plan der jeweiligen Kultusminister*innen und eben diesen althergebrachten 16 Auslegungen und Fortführungen des ehem. 3/4-gliedrigen Systems mit all ihrem jeweiligen lokalpatriotisch eigenem Dünkel..

      Wehe den Kindern, die insbesondere von Nord nach Süd nomadische Bewegungen ihrer Erziehenden mitgehen mussten und müssen während ihrer schulpflichtigen Zeit... Das zu Werbezwecken eingesetzte I-Modell war von Anfang an politpädagogische Utopie, meilenweit entfernt von der Realität in 98% aller deutschen Klassenzimmer, imo. Zeigte sich doch auch daran, dass es vor allem durch Menschen an Alltagslehrer*innen weitervermittelt/"verkauft" wurde, die abgesehen von eben diesem Modellunterricht in der Erwachsenenbildung oft 10-15 Jahre keinen Klassenraum mit nicht selektierten Schülern von innen gesehen haben...

      Ach ja, und all das Bildungschaos - trotz oder vielleicht auch ein wenig wegen aller dauerüberforderten Corono-Quereinsteiger als I-Helfer in jedem was? 3.? 2.? Klassenraum jeder Schule in D?

  • Vor einem Monat

    BTS ist talentloser Trash (wie diese bescheuerte Billie Eilish), auf den die musikalische Triple Entente aus GB,USA und Lateinamerika nichts zu geben braucht. Schade, dass dieses Gesindel nicht boykottiert wird. Bleibt in Asien und hört mit eurem Müll hier in der westlichen Hemisphäre die im Gegensatz zu Asien Musikkultur verfügt, rumzunerven.

  • Vor einem Monat

    Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.

  • Vor einem Monat

    Kpop= Billige Kopisten die jetzt mit Voll Karacho Verspätung in der musikalischen Moderne der westlichen Welt ankommen. Ich kann nur sagen, verpisst euch, für euch juckt sich hier keiner. Die Taten des verblödeten Packs, was sich eure Fans nennt reichen schon.