laut.de-Kritik

Fade Mittelklasse im Latinpop-Unterricht.

Review von

Letztes Jahr wurde es relativ ruhig um Nelly Furtado, bedenkt man, dass noch 2007 kein Weg an der portugiesisch-kanadischen Sängerin vorbei führte: die meistgespielten Songs im Radio, zahlreiche Hits auf "Loose" dank der Zusammenarbeit mit Timbaland sowie mehrere Nominierungen und Auszeichnungen in der Kategorie "Bestes Album".

Beachtlich aber vor allem, dass sich immer auch Hörer anderer Genres auf die Sängerin einigen konnten, die unter anderem auch bei Festivals wie Rock Am Ring oder Southside auftrat. Nach "Loose" also kam der Wunsch auf, endlich ein ganzes Album in spanischer Sprache einzusingen. Gut möglich, dass ihr damaliges Duett mit Juanes ("Te Busque") Anstoß war, sich mit "Mi Plan" diesen Traum zu erfüllen. Vieles darauf erinnert zumindest an den kolumbanischen Sänger.

Um ein bisschen lateinamerikanischen Flair in die Musik zu zaubern, braucht es ja auch nicht viel, scheinen sich die Sängerin - oder Songschreiber bzw. Produzent - gedacht zu haben. Die Gitarren im Flamenco-Stil gehalten, Perkussion, die tanzbare, südländische Rythmen trommelt, dann sorgt die spanische Sprache schon noch für den letzten Hauch Exotik.

Genau wie Shakira oder Enrique Iglesias mischt Furtado diese traditionellen Klänge mit modernen Beats im R'n'B-Stil. "Mi Plan" klingt also leider nicht nach einer Sängerin portugiesischer Abstammung, die sich auf ihre musikalisch-kulturellen Wurzeln zurückbesinnt, sondern nach dem perfekten Soundtrack für die Strandbar deutscher Spanienurlauber, irgendwo zwischen Marquess und Ricky Martin.

Vieles auf "Mi Plan" klingt dementsprechend weichgespült und wird schnell langweilig. Songs wie "Màs" sind überproduziert und passen mit ihrer unguten Art von Perfektion und Ambition dann ja irgendwie doch nicht so richtig zur südländischen Mentalität. Die Single "Manos Al Aire" kann im Refrain noch ein bisschen Sommerstimmung verbreiten, den Titelsong hat man so schon gefühlte hundertmal gehört.

Zur Unterstützung hat sich Furtado zahlreiche international eher unbekannte Latinpop-Künstler ins Studio eingeladen. Leider verstärken die Musiker teilweise eher den Beigeschmack des kalkulierten Urlaubshits, ähnlich wie die die einprägsamen Background-Gesänge bei "Bajo Otra Luz". Würde die Produktion öfter mal einen Gang zurückschalten und weniger dick auftragen, könnten wie zu Beginn von "Suenos" durchaus nette Balladen gelingen. Streichersätze und übertrieben inszenierte Sehnsucht in der Stimme sorgen aber dafür, dass das Stück pünktlich zum ersten Refrain schon wieder ganz tief im Kitsch steckt.

Den Vorwurf, dass diese Platte am Strand - einige Sangria intus – am besten zu ertragen ist, darf man wahrscheinlich gar nicht so sehr an Nelly Furtado selbst richten. Die Sängerin, die mit dem Schritt von "Folklore" zu "Loose" bereits eine außergewöhnliche Fähigkeit zur Wandlung bewies, meistert stimmlich auch diese Aufgabe gut. Schade aber, dass das Konzept des Albums, seine Songs und deren Produktion der Künstlerin jegliche Individualität nehmen - und sie damit in genau jenem Einheitsbrei versinkt, von dem sie sich bislang abhob.

Trackliste

  1. 1. Manos Al Aire
  2. 2. Más
  3. 3. Mi Plan
  4. 4. Sueños
  5. 5. Bajo Otra Luz
  6. 6. Vacación
  7. 7. Suficiente Tiempo
  8. 8. Fuerte
  9. 9. Silencio
  10. 10. Como Lluvia
  11. 11. Feliz Cumpleaños

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LAUT.DE-PORTRÄT Nelly Furtado

"Whoa, Nelly!", so der Titel ihres Debüts, könnte als Ausdruck für diese außergewöhnliche Sängerin und Songschreiberin nicht besser gewählt sein.

33 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    waren ihre ersten beiden Alben noch originell und gut, hat sie mit Loose einen schlimmen Selbst-Aus-Verkauf betrieben und mit Hilfe von "Plastic-Beat-Timbaland" sich auf die gleiche niveaulose Stufe wie Britney und Konsorten runterziehen lassen.

  • Vor 11 Jahren

    @keine_Ahnung (« waren ihre ersten beiden Alben noch originell und gut, hat sie mit Loose einen schlimmen Selbst-Aus-Verkauf betrieben und mit Hilfe von "Plastic-Beat-Timbaland" sich auf die gleiche niveaulose Stufe wie Britney und Konsorten runterziehen lassen. »):

    Exakt - und das neue wird anscheinend auch nichts reißen, zu schade, früher mochte ich die Dame so gerne.

  • Vor 11 Jahren

    Die Single "Manos Al Aire" ist (für meinen Geschmack) 08/15 Schwachpop.

    Da hör ich doch lieber zum 100ten Mal die "Whoa, Nelly!". 8 Jahre alt mittlerweile,
    aber immer noch (herz)erfrischend.

  • Vor 11 Jahren

    Nelly Furtado hör ich wegen ihrer Stimme nie besonders gern, egal auf welcher Sprache, war schon immer so und wird jetzt, da sie verschneit und oberflächlicher rüberkommt, nicht besser.
    Zu den Sprachen: Ich muss nicht alles verstehen, was ich höre, auch wenn mir an sich Message wichtig ist. es gibt einfach Sprachen wie portugisisch, die klingen so was von schön, da reicht es mir, wenn ich hier und da ne Zeile versteh und in etwa weiß, in welche RIchtung der Song geht.

  • Vor 11 Jahren

    also wenn einer von euch richtig spanisch könnte und nicht nur irgendwelchen Kritikern glauben würdet ohne selber gescheit hinzuhören tut mir das echt Leid. Die CD ist nämlich ziemlich gut!! Das mit der Strandbar stimmt eigentlich nicht...Die Lieder haben wirklcih schöne Texte und die Melodien sind gut auch mal zum tanzen..das Problem die meisten Deutschen können nicht gut tanzen^^jejeje es gibt natürlich immer Ausnahmen..Und dass die Künstler hier in Deutschland nicht so bekannt sind..also was ist das denn bitte für ein Argument?? Sie singen sehr gut und machen das Album so sehr abwechslungsreich.Ich hasse Leute die immer nur rummeckern..ich glaube dass die Leute, die am meisten enttäuscht sind einfach zu alt sind...das soll keine Beleidigung sein aber im Alter hört man eher langsameres Zeugs und so...Nelly das Album isr super!! Viel besser als Loose

  • Vor 11 Jahren

    @blindluck (« @lautuser (« @Paranoid_Android (« musik kann auch prima sein, wenn man den text nicht versteht! und es gibt sogar musik, die ohne text auskommt. »):

    Zweimal ja, aber.. kommt bei mir einfach verschwindend wenig vor. Ich brauche eine Stimme und eine Aussage. »):

    Stimme ich auch zu! Also, ich kann nur ein wenig Spanisch, also verstehe ich jetzt nicht so viel. Aber ich habe schon viel Musik zB. aus Estland, Albanien, Ungarn ... gehört, die mir gefallen und ist mir auch egal was sie singen! Nelly: die Musik gefällt mir nicht so gut, habe ich schon hier gepostet, ich habe mal die Texte dann übersetzt und sie sind schlimm!
    Hier die englische von dem Titeltrack Mi Plan:
    And the pain has stopped
    When I felt lost
    You are my sunshine in the dark !!!!!!!!!!!!!!!!
    And now I want to fly
    For your fly with me
    Being happy is my plan!

    Refrain von Suficiente Tiempo:[Chorus:]
    If we gone long enough
    I would love you constantly
    yeah yeah yeah yeah x4

    usw.

    ehm was ist dein Problem?? Ich glaube du warst schon lange nicht mehr verliebt...klar so was kann man nicht auf deutsch singen und auf englisch vielleicht auch nicht aber auf spanisch kann man die kitschigsten sachen sagen und es ist trotzdem noch schön!!

    Fazit: Shakira hatte auch Fijacion Oral vol. 1 gemacht, was viele verrissen haben (wieso eigentlich??? mir hats gefallen), habe auch nix verstanden ist aber soooooooooooooooooooooo besser als Mi Plan, man kanns nicht mal glauben! Hört euch Shakiras Song "No" an... »):

    Ja das stimmt, das Album war echt gut und die Texte auch...Shakira ist super super gut..ich bin seit ich neun bin ein fan von ihr. Aber was soll das mit dem vergleichen? Das ist doch ganz unterschiedliche Musik nur dass beide auf spanisch singen...