laut.de-Kritik

Hätten Joy Division Folk gespielt, klängen sie vielleicht so.

Review von

Die ersten Assoziationen, die der Bandname Murder hervorruft, laufen in die falsche Richtung. Weder haben wir es hier mit raubeiniger Rockmusik noch mit depressivem oder verstörendem musikalischem Schaffen zu tun. Die Dänen Jacob Bellens und Anders Mathiasen unterlaufen die Erwartungen und überraschen auf ihrem zweiten Album mit akustischem Wohlklang.

Der Titel "Stockholm Syndrome" bezeichnet das Phänomen der Zuneigung, die Opfer für ihre Geiselnehmer hegen. Eine morbide Zärtlichkeit zeichnet dementsprechend dieses Werk aus, das in Dänemark bereits 2006 veröffentlicht wurde und über das feine Hamburger Label DevilDuck Records nun auch seinen Weg nach Deutschland gefunden hat.

Nordische Melancholie und Schwere paart sich mit Americana-Einflüssen, klare und reduzierte Arrangements prägen die Kompositionen, die weitgehend ohne Schlagzeug auskommen. Fast könnte man vermuten, Rick Rubin habe hier seine Hände im Spiel und strebe mit den Dänen annährend große Leistungen an, wie er sie mit Johnny Cashs und Neil Diamonds Spätwerken vollbracht hat.

Akustikgitarren strukturieren die Songs, instrumental ergänzt von Streichern Posaune, Klavier, Marimba, Glockenspiel oder auch mal einer dezenten E-Gitarre. Charakteristisch ist der tiefe und unaufgeregte Gesang Bellens, der oft von einer zweiten Stimme unterstützt wird.

Im wunderbaren Opener perlt die gezupfte Akustische zur eindringlich melancholischen Melodie, während Cello und Glockenspiel behutsam im Hintergrund agieren. Ähnlich leichtfüßig und gleichermaßen sentimental sind "No Future" mit lieblicher Blöckflötenlinie, "Naming The Demon" und Bodies Collide" arrangiert.

"Whe The Bees Are Sleeping" wird von weichen Percussions und der geschlagenen Gitarre rhythmisiert, im countryesken "Applejuice" lassen sich die Jungs mit angezogenem Tempo gar zur Gutlaunigkeit hinreißen und frohlocken mit harmonischem und fröhlichem Zwiegesang.

Mit bloßer Klavierbegleitung setzt "Rah#1" wieder auf Reduktion, im großartigen "Daughters Of Heavy" erhält Bellens Unterstützung von einer weiblichen Gesangsstimme, die neben einem Trompeteneinsatz subtil die Eingängigkeit aufbricht.

Die Tonlage, die Bellens in "Pixies" anschlägt, ist unglücklich gewählt, weil die Brüchigkeit hier eher bemüht denn natürlich wirkt. Glücklicherweise bleibt es bei diesem Aussetzer, mit "Queen Of Calm" findet er zur gezupften Gitarre und Glockenspiel wieder zu der gewohnten warmkehligen Monotonie seines Gesanges. zurück

Mit dem letzten Track "Sounds Below The Sun" machen Murder noch mal eindringlich deutlich, wie man mit einer Akustischen, einer melancholischen Melodie und zwei Stimmen mit schlichten Mitteln Großes bewirkt.

"Stockholm Syndrome" lässt sich als Folk Noir umschreiben, dessen Stärke gerade die Sachlichkeit ist, die sich zwischen Schwermütigkeit und Lebensfreude positioniert. Wie bemerkte jüngst ein niederländischer Kollege treffend? Hätten Joy Division Folk gespielt, dann klängen sie vielleicht wie Murder. Recht hat er.

Trackliste

  1. 1. Feast In My Honour
  2. 2. When The Bees Are Sleeping
  3. 3. No Furure
  4. 4. Naming The Demon
  5. 5. Applejuice
  6. 6. Ra#1
  7. 7. Bodies Collide
  8. 8. Daughters Of Heavy
  9. 9. Pixies
  10. 10. Queen Of Calm
  11. 11. Sounds Below The Sun

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