laut.de-Kritik

Am Ende rennen sie alle zu Mama.

Review von

Michael Patrick Kelly hat sich längst von der Kelly Family emanzipiert. Er steht auf eigenen Beinen, um Erfolg zu haben, brauchte er die auf alte Songs setzende "We Got Love"-Reunion des letzten Jahres nicht. Sie hätte ihm sogar im Weg gestanden. Schließlich feierte er mit "iD" seinen bisher größten Solo-Erfolg.

Nach "iD – Extendend Version" geht dieser mit "iD – Live" nun in die dritte Runde. Melkt die Kuh, solange sie noch Milch gibt. Noch einmal setzt es dieselben Songs, diesmal nur leicht durcheinander gepurzelt. Mit "Shake Away" ("Human"), "No Fuzz No Buzz Back To Rock 'n' Roll" und "Hope" (beide von "In Exile") schaffen es nur drei weitere Titel in die Setlist.

Sound und Vortrag fallen dabei so perfekt aus, dass es zeitweise schwer fällt, Live- von Studio-Version zu unterscheiden. Eine reine Darbietung der Lieder, die ohne neuen Kniff oder interessante Wendung auskommen. Was zu einer entscheidenden Frage führt: Warum sollte man sich etwas kaufen, das man als Fan bereits besitzt, wenn als Kaufanreiz einzig das im Hintergrund applaudierende und jubelnde Publikum bleibt?

Michael Patrick Kelly gibt über die ganze Spieldauer hinweg alles, doch zu selten von sich selbst. In den unzähligen Anleihen bei anderen Künstlern geht er zeitweise verloren. Egal, ob er klinisch reinen Sparkassen-Rock ("No Fuzz No Buzz Back To Rock 'n' Roll") liefert, oder als James Blunt-Ebenbild ("Land Of Bliss") oder Ed Sheeran-Ersatz ("iD") auftritt, zu dem sich dann auch noch Gentleman auf die Bühne schwingt. In ganz gewieften Momenten darf es ein Hauch von Led Zeppelin sein ("Lazarus"). Ließ er seine Hörer auf dem gelungenen Singer/Songwiter-Album "Ruah" noch weitaus näher an sich heran, hat er nun mit "iD" einen Schutzschild aus Pop um sich errichtet.

Im Folk-Schmachtfetzen "Requiem" blitzt Kellys musikalische Vergangenheit noch einmal deutlich durch. Plötzlich ist er wieder da, der Paddy, der einst so schön "I Can't Help Myself (I Love You, I Want You)" sang. Eine weitere interessante Seite zeigt der Blues "Last Words", der aber an seinen ungewollt komischen Lyrics scheitert. "I killed the president / Because he was an enemy of the people / Mama, Mama, Mama! / Kill me … My fun days are over." Selbst Freddie Mercury klang in Queens "Bohemian Rhapsody" weniger theatralisch. Der durfte das aber und hatte immerhin nur einen Mann und nicht gleich den Präsidenten getötet. Zur Mama rennen am Ende aber beide.

Schon früh stach Michael Patrick Kelly bei der Kelly Family heraus, verfügte über das größte Talent, die beste Stimme und schrieb die besten Songs. Nicht umsonst übernahm er ab 1996 die musikalische Leitung. All dies spiegelt sich auch in seiner Solo-Karriere und in "iD" wieder. Dreimal dasselbe Album von ihm braucht man deswegen noch lange nicht.

Trackliste

  1. 1. Lazarus
  2. 2. Golden Age
  3. 3. Free
  4. 4. Roundabouts
  5. 5. A Little Faith
  6. 6. No Fuzz No Buzz Back To Rock 'n' Roll
  7. 7. Land Of Bliss
  8. 8. Requiem
  9. 9. New Spirit
  10. 10. Et Voilà
  11. 11. Friends R Family
  12. 12. Higher Love
  13. 13. iD
  14. 14. Shake Away
  15. 15. Last Words
  16. 16. Hope

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