laut.de-Kritik

Klickkäufer Kai hat wieder viel zu tun.

Review von

Wer drei Alben innerhalb von zwei Jahren veröffentlicht, muss ständig Magenknurren haben. Auch auf "Seele" spricht Mero vom unstillbaren Hunger nach Erfolg. Doch diesmal setzt sich der 20-Jährige auch mit den Schattenseiten seines Ruhms auseinander. "Auf dem Weg nach oben wollten so viele, dass ich es schaff / Aber komisch, seit ich oben bin, wurde aus Liebe Hass", rappt er im Opener "Statement".

"Seele" ist nicht Meros "Von Innen nach Aussen", aber ein nächster Schritt auf dem Weg zum kompletten Künstler. Denn Selbstbeweihräucherungen treffen auf nachvollziehbare Auseinandersetzungen mit dem eigenen Tun. Wie sein hessischer Nachbar Azad spricht der Rüsselsheimer von "Krisen im Kopf". Für Hörerinnen und Hörer mit 20 Jahren Deutschrap-Erfahrung sicherlich kalter Kaffee. Doch an die richtet sich Mero auch nicht.

Der 2000 geborene Rapper ist mehr jugendlich als erwachsen. Auf "Seele" lässt er die Außenwelt in kleinen Dosen an seinem Reifeprozess teilhaben. In den Curse für die Generation Modus Mio hat sich Mero trotzdem nicht verwandelt. Nach wie vor liefert er leichtverdauliche Kost für die JBL an der Bushaltestelle. Er wirft 808s, harte Bässe, Synthie-Melodien, Streicher und Arabeske-Elemente in den Mixer. Heraus kommt ein Sound, der seit gefühlt zwölf Spielzeiten nicht totzukriegen ist.

Doch anders als so manch fauler Newcomer hat Mero seine Hausaufgaben gemacht. Drei Flow-Wechsel pro Strophe gönnt er sich mindestens. Autotune setzt er wie in "Perspektive" nur noch sparsam ein. Leider – und das gehört zu Meros größten Problemen – besitzen seine Texte wenig Höhepunkte. Keinen durchdachten Vergleich oder clever formulierten Gedanken rappt Mero in der knappen Dreiviertelstunde. Entsprechend wenig bis gar nichts bleibt von den Texten hängen.

Uninspirierte Rapper veranschaulichen ihren sozialen Aufstieg anhand der Autos, die sie einmal besessen haben. So erinnert sich auch Mero an die Tellerwäscherzeiten in seinem Honda Civic. Auf "Seele" fehlt nur noch der Vergleich zwischen seinem Stunden- und deinem Monatslohn. Immerhin leugnet Mero nicht die Gefahr von Covid-19: "Meine Gegend ist wie Bogotá / Zehn Pakete im Motorroller / Die Wumme immer noch auf Schoß, Bruder / Und sie ist tödlicher als Corona."

Mit einem Rang 14 in den Albumcharts bleibt Mero hinter den Erwartungen zurück. Ob seine Zeit abgelaufen ist oder Klickkäufer Kais Terminkalender schon voll war, bleibt offen. Fakt ist: Mero kann rappen. Präsentation und Inhalte bieten aber auch den Kritikern wieder genug Stoff, um dem 20-Jährigen Deutschraps Abrutschen in die Irrelevanz in die Schuhe zu schieben.

Trackliste

  1. 1. Statement
  2. 2. Kopfficks
  3. 3. Perspektive
  4. 4. Nur für den Vibe
  5. 5. Choya (feat. Soolking)
  6. 6. Ohne Dich
  7. 7. Bogota
  8. 8. Ben Elimi Sana Verdim
  9. 9. Gott weiß
  10. 10. Désolé (feat. Nimo)
  11. 11. Ghetto
  12. 12. Kurt Cobain
  13. 13. Bitte geh (feat. Elif)
  14. 14. Balenciaga
  15. 15. Auf Wiedersehen

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