laut.de-Kritik

Die deutsche ESC-Hoffnung für Kopenhagen?

Review von

Pünktlich zu ihrem Auftritt beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest veröffentlicht Madeline Juno ihr Debüt-Album. Dass diese beiden Ereignisse eine positive Wechselwirkung aufeinander ausüben könnten, steht außer Frage. Ein naheliegender und vielversprechender Promo-Move also, der für die erst 18-Jährige den richtigen Karriere-Start bedeuten könnte.

Schon der Titeltrack "The Unknown" zeigt, wohin die Reise geht. Einfache Gitarrenakkorde begleiten Junos glasklare und erstaunlich ausgereifte Stimme auf ihrem Weg über die wendungsreichen Irrpfade des Erwachsenwerdens. Und es gibt so einiges, was sie mit ihrer Musik verarbeiten will. Schließlich schrieb die junge Singer/Songwriterin rund vier Jahre an ihrem Erstling.

Abzusehen, dass dabei die Liebe eine übergeordnete Rolle spielt. So auch in "Same Sky", das sich noch deutlich sanfter und weniger eingängig präsentiert als der Opener. Die Gefühle für den Verflossenen, der mittlerweile etliche Meilen und Monate entfernt ein anderes Leben führt, schildert Juno aber keinesfalls plump: "Can I pretend to look up to the same sky as you do tonight?"

"Error" schlägt eine ähnliche Richtung ein, kommt aber mit signifikanterem und deutlich pompöseren Refrain daher. Kein Vergleich allerdings zum anderen Song, mit dem die 18-Jährige beim ESC-Vorentscheid antritt. Die in den Vordergrund preschenden Schlacht-Drums in "Like Lovers Do" sorgen gepaart mit den Chören in der Hook für fast schon monumentalen Sound. Als Titelsong des Hollywoodfilms "Pompeii" macht der Titel deshalb eine gute Figur.

Überhaupt beweist die Platte ein gutes Gespür für recht kraftvolle Hooks, in denen sich die Protagonistin zumindest stimmlich über die seichten Klavier- und Gitarrenklänge erhebt ("Vertigo"). Zudem bringen schnellere Nummern wie "If This Was A Movie" und "Feel You" Abwechslung in das Album, das sich ansonsten eher über niedriges Tempo und zurückhaltende Strophen definiert.

Mit sechzehn Folk-, Rock- und Pop-Songs gerät "The Unknown" jedoch etwas zu lang, auch wenn nachvollziehbar ist, dass Juno nach vier Jahren Arbeit nicht mit einem Dreißigminüter um die Ecke kommen wollte.

Ganz nett sind die Songs des Coming-Of-Age-Szenarios zwar alle. Die teils starken Ähnlichkeiten in Struktur, Stimmung und Thema schmälern jedoch nicht nur den Wiedererkennungswert einzelner Stücke, sondern wecken auch den Wunsch nach mehr Abwechslung und Mut.

Den positiven Gesamteindruck vermag das aber kaum zu stören. Das Debüt einer 18-Jährigen darf durchaus Luft nach oben lassen. Vielleicht sollte es das sogar. Für eine große Entwicklung hat die junge Künstlerin schließlich nicht nur jede Menge Zeit, sondern auch mehr als genug Potenzial.

Trackliste

  1. 1. The Unknown
  2. 2. Like Lovers Do
  3. 3. Six Cigarettes
  4. 4. Day One
  5. 5. Feel You
  6. 6. Same Sky
  7. 7. Error
  8. 8. Vertigo
  9. 9. Melancholy Heartbeat
  10. 10. Second Time Around
  11. 11. Sympathy
  12. 12. Always This Way
  13. 13. Do It Again
  14. 14. If This Was A Movie
  15. 15. Ego You
  16. 16. Another You

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2 Kommentare

  • Vor 4 Jahren

    überraschend gutes Album, bin durch Zufall darauf aufmerksam geworden. Der erste Song ist gleichzeitig auch der stärkste des Albums, finde ich. Nur eine Gitarre, eine wundervolle Melodie und die wirklich tolle Stimme der Sängerin. Insgesamt klingt das Album sehr stark nach einem Singer/Songwriter Album auf ziemlich hohem Niveau. Wüsste ich nicht, dass sie aus DE kommt hätte ich eher auf die USA getippt, da es sehr international produziert klingt und nicht so 'typisch deutsch'. Auch an ihrer Aussprache ist nichts auszusetzen und die Texte sind nicht zu banal, was ja leider doch gehäuft bei deutschen Interpreten, mit englischen Texten, im Bereich der auf die Charts schielenden Musiksparten vorkommt.
    Ich hoffe, dass das Album soweit erfolgreich ist, dass man nochmal etwas von ihr hören wird :)

  • Vor 4 Jahren

    Starkes Pop Album! Mit "The Unknown" hat Deutschland endlich ein International-taugliches Album in den Regalen das aber aufgrund der Unbekanntheit von Madeline Juno eher verstaubt. Stimmlich ist Madeline Juno eine Mischung aus Lena und Demi Lovato. Ich lehn mich mal n bisschen aus dem Fenster wenn ich behaupte dass, das Album auch von Demi Lovato hätte erscheinen können. Das ist jetzt absolut nicht Negativ gemeint. Die Lyrics langweilen zu keinem Zeitpunkt. Für das zweite Album (welches HOFFENTLICH erscheinen wird) würde ein eigener Stil nicht schaden um dann das volle Potenzial komplett aus zuschöpfen. Ein starkes Debüt ist gesetzt und jetzt wird hoffentlich alles noch besser!