laut.de-Kritik

Verspielter Instrumental-Rock - mit Gesang.

Review von

Gesang ist bei Long Distance Calling nichts Ungewöhnliches. Schon auf den ersten drei Alben war jeweils ein Song mit einem Gastsänger zu hören. "The Flood Inside" hingegen hat vier "Gesangsstücke". Und der Sänger ist nicht einmal Gast, sondern ständiges Mitglied. Nicht die einzige Änderung im Bandkosmos.

Dass Elektrofrickler Reimut van Bonn vor gut einem Jahr die Band verlassen hat, fällt kaum auf, denn der neue Mann am Mikro, Martin Fischer, beherrscht Tasten und Regler nahezu genauso. Besonders viel zu tun hat er dabei, außer in "Waves", sowieso nicht: "The Flood Inside" ist sehr gitarrenlastig und geizt nicht mit ausufernden Soli und einem ansehnlichen Arsenal an Riffs.

Die Tradition mit den Gastsängern wird trotz Martin Fischer beibehalten. Vincent Cavanagh von Anathema singt in "Welcome Change" und lässt den Song unheimlich, geisterhaft und unwirklich klingen. Die restlichen drei Songs, die der neue Mann singend unterstützt, haben einen starken Hang Richtung 90er-Alternative-Rock. Schwere Riffs dominieren "The Man Within", "Inside The Flood" oder "Tell The End". Fischer lässt seine Melodien in Chris Cornell-Manier darüber schweben und gleiten.

"Nucleus" oder "Ductus" beginnen mit klassischem, sphärischem Post-Rock-Aufbau, bevor sie von verzerrten Gitarren auseinander genommen werden. Zwischen den beiden Polen entspannter Instrumental-Rock und verspielter Alternative/Stoner-Rock pendeln alle Songs. Dass sie zwar alle die Sechs-Minuten-Marke locker knacken, dabei aber nicht langweilig werden, liegt an den vielen Ideen, die die Münsteraner auf das Album gepackt haben:
Das unglaublich smoothe, fast schon bluesige Gitarren-Solo im Opener zum Beispiel oder der elektronische, mit Sprachsamples versetzte Anfang von "Waves". Angerissene Geigensaiten werden im Laufe des Songs über sanfte Gitarrenmelodien gelegt, während Drummer Janosch Rathmer über seine Toms fegt.

"Ductus" verpassen verschiedene Percussion-Instrumente eine große Portion Groove. Hymnische Synthies werden in "Breaker" über kantige E-Gitarren geschichtet, bevor der Song leise ausfadet und das Album genauso beschließt, wie es begonnen hat: Ruhig und entspannt.

Das mag nun zwar seltsam anmuten, aber "ruhig und entspannt" passt auf das gesamte Album. Auch wenn die E-Gitarren immer wieder mit ganzer Kraft ausholen und zuschlagen, Bass und Schlagzeug teilweise unheimlich tight vorantreiben, wirkt "The Flood Inside" nie wie ein monströser, alles vernichtender Tsunami. Das ist überhaupt nicht schlimm – höchstens unerwartet und ein mutiger Schritt. Schön ist vor allem, dass die Platte trotzdem nicht nach Post-Rock-Einerlei klingt, sondern einfach wie ein entspanntes, verspultes und vielseitiges Rock-Album.

Trackliste

  1. 1. Nucleus
  2. 2. Inside The Flood
  3. 3. Ductus
  4. 4. Tell The End
  5. 5. Welcome Change
  6. 6. Waves
  7. 7. The Man Within
  8. 8. Breaker

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33 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Ich fand die ja schon immer ziemlich lahm.

  • Vor 7 Jahren

    Sind sie auch - völlig überbewertet. Habe mir alle drei Alben bisher angehört. Nun sind sie zwar mehr in Richtung Prog Rock, aber leider immer noch super beliebig. Live sollen sie sehr gut sein, aber auf Platte etwas überflüssig. Starke Momente sind drauf, aber als Maßstab nehme ich mal Russian Circles "Station". Dieses Album schlägt jeden Output von LDC. Die Band kommt erstaunlicherweise auf den Radar vieler Metal-Hörer und wird deshalb wie so manche Black-Shoegaze-Band über ihren Klee gelobt. Ist nicht so gut - im Post-Rock/Metal gibt es unzählige Bands und Release, die das toppen. Und ja die Prog Schiene und Gesang - wozu gibt es Riverside u. a.? Eine Scheibe habe ich bereits genannt - auf bandcamp z. B. findet man etliche Bands, die ähnliches abliefern können. Tja, irgendwie sind die Kritikers Liebling - gilt für alle großen Webzines.

  • Vor 7 Jahren

    @JaDeVin (« Sind sie auch - völlig überbewertet. Habe mir alle drei Alben bisher angehört. Nun sind sie zwar mehr in Richtung Prog Rock, aber leider immer noch super beliebig. Live sollen sie sehr gut sein, aber auf Platte etwas überflüssig. Starke Momente sind drauf, aber als Maßstab nehme ich mal Russian Circles "Station". Dieses Album schlägt jeden Output von LDC. Die Band kommt erstaunlicherweise auf den Radar vieler Metal-Hörer und wird deshalb wie so manche Black-Shoegaze-Band über ihren Klee gelobt. Ist nicht so gut - im Post-Rock/Metal gibt es unzählige Bands und Release, die das toppen. Und ja die Prog Schiene und Gesang - wozu gibt es Riverside u. a.? Eine Scheibe habe ich bereits genannt - auf bandcamp z. B. findet man etliche Bands, die ähnliches abliefern können. Tja, irgendwie sind die Kritikers Liebling - gilt für alle großen Webzines. »):

    Kann ich nur unterschreiben. Für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, warum gerade DIE so viele Metalhörer für sich einnehmen können.