laut.de-Kritik

Großes Talent in kommerziellen Schubladen.

Review von

Lizzo hat ihre Stimme gefunden. Gut, das war schon auf ihrer "Coconut Oil"-EP der Fall. Da sie zu dem Zeitpunkt vermutlich aber selbst noch ziemlich überrascht über diesen Fakt war, feiert sie ihre neue Power mit "Cuz I Love You". Hörbar.

Dazu muss man wissen: So kraftvoll und energetisch wie auf ihrem dritten Album klang Lizzo nicht immer. Zwar steckte in ihr schon ziemliche Power, zuvor machte die sich aber eher in tighten Raps oder coolen, cleanen Gesängen bemerkbar, die immer ein bisschen edgy klangen.

Dafür singt Lizzo jetzt mit der brachialen Kraft, wie sie nur die ganz großen Soul-Königinnen aufbringen. In ihrer Stimme steckt der Glamour einer vergangener Ära, in ihrem Charakter der Humor und die Kraft einer absolut selbstbewussten Frau. Während Lizzo also gute Voraussetzungen für ein zeitloses Werk mitbringt, liegt die Crux in der musikalischen Ausführung. Die klingt nämlich ziemlich vergänglich.

Die Produktionen wirken groß, riesig fast. Breite Bläser, viel Tamtam, dramatische Inszenierungen. Das passt erstmal zu der omnipotenten Sängerin und Rapperin, die die Strukturen clever für sich nutzt und die übertriebene Schiene fortsetzt, um dem Ganzen ein bisschen Witz zu geben. Trotzdem springt einem förmlich ins Ohr, wie perfekt die meisten Songs ins Formatradio passen. "Juice" klingt wie für Bruno Mars komponiert, der Refrain von "Like A Girl" erinnert an Katy Perry. Alles ist quietschbunt und laut, in ganz viel Zuckerwatte gepackt und in einer Kaugummiblase verschlossen, so dass sich ja niemand an den wunderbaren Ecken und Kanten, die Lizzo ausmachen, stören kann. Was übrigens im kompletten Kontrast zum Cover steht.

Einzig "Lingerie", der letzte Song des Albums, klingt deutlich reduzierter. Zu Bass und Drums säuselt Lizzo smooth und sexy in ihrer Unterwäsche vor sich hin. Der Song tönt so wohltuend frisch, dass er so gar nicht zum Rest von "Cuz I Love You" passen will.

Was schade ist, denn Lizzo hat so viel auf dem Kasten. Sie kann witzig sein, wie "Jerome" zeigt, wenn sie zu einer souligen Ballade dramatisch singt: "two a.m. photos with smileys and hearts ain't the way to my juicy parts." Oder das vor Selbstbewusstsein explodierende "Exactly How I Feel (Feat. Gucci Mane)". Sie bringt den Song mit ihrer eigenen, freshen Lässigkeit rüber, die so viel Lust auf eine klanglich weniger überladene Version dieser talentierten Künstlerin macht.

Zum Verständnis: Nicht, dass "Cuz I Love You" nicht gut wäre. Lizzo hat hörbar Spaß an der Sache, sie steckt all ihre Leidenschaft in jeden Song, jeden Ton, jedes Wort. Ihr Vibe ist von Anfang bis Ende spürbar, und das obwohl die Produktionen eine ziemlich fiese Schublade um sie herum bauen, oder es zumindest versuchen. Aber sie bringt so viel Liebe mit, dass dieses Albums trotz seiner extrem kommerziellen Machart unterhält. Was davon zeugt, dass nicht mal die großen Label-Heinis diese Frau klein kriegen. Respekt.

Trackliste

  1. 1. Cuz I Love You
  2. 2. Like A Girl
  3. 3. Juice
  4. 4. Soulmate
  5. 5. Jerome
  6. 6. Crybaby
  7. 7. Tempo (Feat. Missy Elliot)
  8. 8. Exactly How I Feel (Feat. Gucci Mane)
  9. 9. Better In Color
  10. 10. Heaven Help Me
  11. 11. Lingerie

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