3. März 2014

"Wenn man auf der Bühne steht, herrscht Krieg"

Interview geführt von

Viele hatten ihn, nachdem sein letztes Album floppte, schon abgeschrieben. Mit seinem fulminanten Auftritt bei Rap am Mittwoch platzte Laas Unltd. wieder mitten ins Geschehen und zeigte, er ist es immer noch: Im Herzen King.

Nein, Drob Dynamic war nicht zu beneiden. Sein Lokalmatadorstatus in der Champions League bei Rap am Mittwoch half ihm gar nichts, als ihn sein Herausforderer Laas Unltd. in drei Runden nach allen Regeln der Kunst fein säuberlich demontierte: eine Sternstunde des deutschen Battle-Rap, und zugleich die Wiedergeburt eines Emcees, den weite Teile der Szene längst abgeschrieben hatten. Wieder einmal zeigte sich: Die angeschlagenen Boxer sind die gefährlichsten. Wer mit dem Rücken zur Wand steht, hat wenig zu verlieren - und alles zu gewinnen.

"Warum sollten wir ein Interview mit Laas machen? Der hat doch schon alles erzählt." Solche Absagen kennst du gut. So eine hättest du dir von mir auch eingefangen. Unser letztes Gespräch ist gerade mal ein Jahr her. Unter normalen Umständen hätte ich jetzt auch gesagt: Brauchen wir nicht schon wieder. Du hast uns ja erst alles erzählt.

Stimmt.

Jetzt hat sich aber die Wahrnehmung deiner Person in den letzten Wochen radikal gewandelt - in Folge deines Auftritts bei Rap am Mittwoch.

Richtig.

Ich hab' mir die Battle inzwischen bestimmt zwanzigmal angeschaut. Sowas hab' ich auf Deutsch in 25 Jahren Rap-Sucht noch nicht gesehen.

Echt, ja? Dankeschön.

Selber dankeschön, für die gute Unterhaltung – und meinen Glückwunsch dazu. Die Reaktionen fielen durchweg positiv aus. Wie fühlt es sich an, zur Abwechslung einmal auf Händen getragen zu werden?

Es fühlt sich natürlich gut an, wenn man Props für seine Arbeit kriegt. Wenn man diese ganzen Ansprüche, die man irgendwann entwickelt - ich möchte auch ein bisschen Geld damit verdienen und so weiter - wenn man das alles außen vor lässt, macht man es ja in erster Linie darum, um sich selbst zufrieden zu stellen. Und dann freut man sich um so mehr, wenn das bei den anderen so ankommt. Dementsprechend war das 'ne sehr gute Sache für mich. Eben gerade auch nach dieser Zeit, wo man die ganze Zeit gefühlt nur Arschtritte bekommen hat und irgendwie alles unglücklich gelaufen ist, war es einfach wieder ein Lichtblick. Ah, man ist jetzt doch nicht ganz der Idiot, sondern hat auch irgendwie noch einmal die Chance bekommen, zu zeigen, was man kann und worum es einem einfach wirklich geht. Das war natürlich sehr gut.

Auf der anderen Seite bin ich halt auch immer vorsichtig. Ich will gar nicht in diese Position abrutschen, mich jetzt allzu sehr für dieses Battle zu feiern. Battleking hier und Battleking da. Da kommt man sehr schnell wieder in so eine "Ja, ich hab' ja jetzt alles erreicht und muss jetzt nicht mehr an mir arbeiten"-Situation. Das will ich tunlichst vermeiden. Deswegen hab' ich mich, so für mich, sehr darüber gefreut, hab' dann aber auch ganz schnell wieder zurück zum Alltagsgeschehen gefunden. Okay, das ist jetzt ein guter Anstoß gewesen. Jetzt geht es daran, weiterzuarbeiten, das auszuarbeiten, auch wieder ein neues Album zu machen und dann wieder den nächsten Schritt zu gehen. Also weniger Füße hochlegen und sich dafür abfeiern, als zu sagen: Cool, sich kurz auf die Schulter zu klopfen - und dann gehts weiter. Das wär' so mein state of mind, gerade.

Den Kollegen von Hiphop.de hat du gesagt, du seist im Vorfeld gar nicht sicher gewesen, dass du gewinnst. Das kannst du angesichts der Beiträge, die du da vorbereitet hattest, ja nicht wirklich geglaubt haben.

Na, ja ... Es ist halt schwierig. Wenn man zu Hause so drinsteckt, das auch sehr, sehr oft rappt und übt, dann kommt es einem irgendwann gar nicht mehr so besonders vor, weil man sich ja schon sehr daran gewöhnt hat. Ich war auch immer sehr bedacht darauf, zu kucken: Okay, was kann mein Gegenüber noch auspacken? Und da gibt es bei mir einfach so viel Angriffsfläche. Weil ich so viel gemacht habe und man so viele Sachen hätte rauspicken können, wusste ich die ganze Zeit nicht: Womit kommt der jetzt? Was macht er? Es bleibt immer ein bisschen Restunsicherheit und auch ein bisschen Risiko. Das lässt einen aber halt auch immer weiter an sich arbeiten.

Deswegen hab' ich mir immer, bis zum letzten Tag, überlegt: Was kann ich noch machen? Wie kann ich das, das ich da habe, noch weiter verbessern? Ich hab' es immer wieder überdacht, auch um zu kucken: Ist das überhaupt greifbar für die Leute? Kann man das alles nachvollziehen? Und, ja, ich hab' einfach versucht, vom Schlechtesten auszugehen, um dann wirklich auch alles aus mir rauszuholen. Von daher ... Natürlich bin ich hingegangen und wusste, ich hab' mich gut vorbereitet. Das werden die Leute schon feiern. Aber man weiß nie, was das Gegenüber hat.

Das ist der größte Fehler, den man machen kann, wenn man in so ein Battle reingeht: seinen Gegner unterschätzen. Egal, ob das jetzt ein Newcomer ist oder schon ein gestandener Rapper, der zehn Jahre rappt: Man sollte seinen Gegner nie unterschätzen. Dementsprechend ist dieses Risiko einfach immer da, egal, wie gut man selber ist. Egal, wie oft man seinen Part auswendig geübt hat, egal wie oft man das gerappt hat und wie sicher man sich ist: Es kann immer passieren, dass in der Situation eine kleine Sache passiert, man ist abgelenkt, und, zack, ist man raus. Das kann immer passieren. Das sind so unberechenbare Faktoren, die hat man natürlich auch immer im Hinterkopf. Deswegen hab' ich bis zum Schluss an mir gezweifelt, dass das alles so funktioniert.

Alles ist gut für dich ausgegangen. Du hast Drob Dynamic pulverisiert. Ich mag den eigentlich ganz gern, aber ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass er ein ebenbürtiger Gegner gewesen wäre. Hast du dich da nicht doch irgendwie unter deinem Niveau geprügelt?

Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich fand, dass Drob davor bei Rap am Mittwoch sehr gute Leistungen gebracht hat. Der hat sich innerhalb eines Jahres da hochgearbeitet und sehr verbessert. Von daher hab' ich mir gesagt, okay. Er war der Lokalmatador, der alle anderen Rapper geschlagen hat. Er war der ungeschlagene Champion. Dann haben die mich gefragt, und ich hab' gesagt: Ist doch cool, so. Wenn er gerade der ist, der am meisten gefeiert wird, dann ist das doch ein cooler Gegner für mich.

Mir war gleich sehr bewusst, dass es im Endeffekt egal ist, wer mir da jetzt gegenüber steht. Es ging eigentlich mehr darum, meine ganzen Hater zu battlen, die zu Hause vor dem Rechner sitzen und nur darauf gewartet haben, dass ich irgendeinen Fehler mache oder dass ich verliere. Ich wusste: Gegen diese Leute geht es - und dass derjenige, der da jetzt halt steht, wie ein Drob Dynamic, dass der quasi nur herhalten muss.

Arme Sau.

(Lacht) Ja. Mir war auch von Anfang an klar: Der Gegner schmälert niemals meine Leistung. Weil: Das, was ich da reinstecke, sind immer hundert Prozent. Wenn nicht hundertzwanzig. Von daher dachte ich nicht: Der ist kein würdiger Gegner. Sondern ich wusste: Ich hol' alles aus mir raus und ... ja, das ist alles, was ich machen kann.

Am besten an seinem Auftritt hat mir seine sportliche Reaktion auf die Niederlage gefallen. Drob hatte tatsächlich die Größe, neidlos einzugestehen, dass er verloren hat und völlig chancenlos war. Das hat er direkt im Anschluss an das Duell gesagt, und später auch noch einmal: "Das hat mir gezeigt, dass ich noch lange nicht da stehe, wo ich dachte, dass ich stehe." Hättest du auch verstanden, wenn er dich nach dieser vernichtenden Niederlage mit dem Arsch nicht mehr hätte anschauen wollen?

Ähmmm ... nee. Mir war schon klar, dass das nicht passieren wird. Drob Dynamic ist jemand, der sich sehr viel auf dieser Battle-Ebene aufhält. Er hat das bei Rap am Mittwoch schon tausendmal gemacht und hat da auch verloren. Bei den Jungs ist es ganz klar, das hat Ben Salomo mit seiner Arbeit auch dem Publikum immer wieder eingetrichtert: In dem Moment, wo man auf der Bühne steht, ist Krieg. Da geht es wirklich nur um Gewinnen oder Verlieren. Aber alles, was danach kommt, basiert auf Respekt. Das ist allen da sehr bewusst. Das wusste ich auch, dass das da so passiert. Sonst wäre ich wahrscheinlich nicht hingegangen. Ich hätte es nicht gemacht, wenn ich nicht gewusst hätte, dass dieser Rahmen da gegeben ist.

Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ihr euch gegenseitig komplett zuwider seid.

Nee. Überhaupt nicht. Nein, nein. Ist alles gut. Wie gesagt: Wir hatten vorher schon ein bisschen Kontakt. Er ist mir ganz am Anfang bei Rap am Mittwoch schon direkt aufgefallen, schon, als ich ihn das erste Mal gesehen hab'. Ich fand, er hatte sehr viel Energie und irgendwie 'ne coole Attitude. In Interviews hab' ich ihn auch immer unter den Favoriten genannt. Von daher: Da basiert auf jeden Fall alles auf Respekt.

Mir ist Drob Dynamic im Zusammenhang mit diesem Raputation-Contest erstmals aufgefallen. Das ist eigentlich doch ein guter Typ. Nur an dem Abend, da sah er alt aus.

(Lacht.) Leider ja.

Wenn du sagst, alles auf der Bühne sei Krieg und alles danach basiere auf Respekt, bedeutet das, du trennst zwischen der persönlichen Ebene und dem Moment der Battle?

Ja, definitiv. Kuck mal, es gibt einen Unterschied: Wenn es um Inhalte in einem meiner Tracks geht, oder überhaupt um Sachen, die ich rappe, dann fließt da schon sehr, sehr viel von meinem persönlichen Leben da ein. Ich bin niemand, der sich 'ne komplette Fantasiefigur ausgedacht hat und diesen Charakter jetzt quasi auslebt, sondern alles, das ich rappe, basiert ja schon auf meinem persönlichen Leben. Dementsprechend waren meine Battle-Parts aufgebaut. Der erste Part hat sich sehr mit meinem Leben und meinen Fehlern beschäftigt.

Das heißt: Im Endeffekt steckt natürlich viel Persönliches drin, aber ich kann trotzdem unterscheiden: Die Privatperson Lars Hammerstein, der zu Hause mit seiner Familie Zeit verbringt, ist nicht unbedingt dieselbe Person wie dieser entertainende Laas Unltd., der auf die Bühne springt und ein paar Hundert Leute unterhält. Da muss man schon trennen. Das sind ganz andere Kontexte, da spielt man halt einfach verschiedene Rollen. Das ist natürlich klar.

Deswegen ist das bei mir aber auch so, dass andere Rapper, die mich dissen ... die meisten von denen hab' ich noch nie persönlich getroffen. Dann kann ich das ja nicht auf mein persönliches Privatleben beziehen. Sondern ich weiß: Die dissen jetzt halt Laas Unltd., diesen Rapper, den sie im Internet sehen. Für mich macht das schon einen Unterschied. Ich glaube, wenn man diesen Unterschied nicht macht, wird man komplett verrückt.

Irgendwann sagtest du aber, es würde dir schwerfallen, zum Beispiel PA Sports zu battlen. Weil ihr euch persönlich wie musikalisch leiden könnt und auch befreundet seid. Ist also nicht doch wenigstens ein Mindestmaß an Abneigung notwendig, um einen Gegner wirkungsvoll auseinander zu nehmen?

Ich sag' mal, es macht einfach mehr Sinn. Wenn man jemanden wirklich battlet, ihn auseinander nimmt und sich die Mühe macht, irgendwelche Sachen heraus zu finden, mit denen man ihn auch auf eine Art und Weise bloßstellt, dann macht das für mich eher Sinn, wenn man das mit jemandem macht, den man nicht unbedingt gut findet. Bei PA Sports ... natürlich, man könnte jederzeit so ein Battle machen. Witzigerweise haben wir letztens auch mal telefoniert und darüber gesprochen, ob das überhaupt 'ne Möglichkeit wäre. Wir sind aber beide zu dem Punkt gekommen, dass wir gesagt haben: Hey, wir feiern uns gegenseitig, und eigentlich gibt es ganz andere Leute, die wir battlen wollen. Da ist es halt blöd.

Letztlich kommt es immer wieder darauf zurück, dass Leute sagen: 'Jetzt battle mal den PA Sports', weil es einfach wenige Leute gibt, bei denen man weiß, die können halt auch freestylen und so. Und PA Sports ist einfach jemand, der so etwas nach außen trägt und auch viele Freestyle-Blogs macht. Da kommen die Leute natürlich schnell auf die Idee: 'Ah, krass. Der macht das auch. Dann battle doch Laas Unltd.'

Aber insgesamt fehlt für so ein Battle jetzt auch die Relevanz. Ich bin ja vor ein paar Monaten auch deswegen in dieses Battle bei Rap am Mittwoch reingegangen, weil ich innerlich richtig den Drang hatte, ich MUSS den Leuten irgendwie beweisen, dass ich der gute Rapper bin, wie ich es immer erzählt habe. Jetzt gerade ist es so: Okay, ein Battle gegen PA Sports oder jemanden, den ich halt mag, man könnte jetzt auch Liquit Walker oder so nennen, das kann man gerne machen - aus Spaß. Jetzt wäre einfach von Anfang an klar: Wir feiern uns beide, wir sind auch auf dem gleichen Stand. Da kann man einen coolen Showkampf machen.

Aber diese harten Emotionen würden, glaube ich, nicht mehr so hochkochen. Und die haben ja auch sehr viele Leute bei diesem Battle gefeiert. Das sieht man ja allein schon an den Blicken, wie ich gekuckt hab', ne? Das ging jetzt nicht darum, dass ich Drob so hasse, sondern ich wusste einfach: Wenn ich da jetzt untergehe, dann brauch' ich auch nicht mehr mit Alben oder irgendwelchem anderen Rapkram ankommen. Dann kann ich für mich in meinem Kämmerlein weiterrappen, aber dann werden die Leute mich endgültig abschreiben. Das haben die Leute gespürt, in meiner Performance. Ich glaube, das hat auch diese Faszination ausgemacht. Das lässt sich schwer rekonstruieren, wenn man in 'nem Battle gegen einen Homie steht.

Ich glaube, diese Wirkung zu wiederholen wäre ohnehin schwer, weil es inzwischen ja nicht mehr so aus dem Nichts käme. Beim nächsten Mal rechnen die Leute ja damit, dass du ein dickes Ding machst. Ihnen würden nicht mehr so die Kinnladen runterfallen. Ich kann mir trotzdem lebhaft vorstellen, dass dir jetzt die Leute mit Herausforderungen die Türen einrennen.

Jaaa, Türen einrennen ist jetzt vielleicht auch übertrieben. Ich hör' hier und da schon den einen oder anderen, der sagt: 'Dich würd' ich auch gerne battlen.' Bei Rap am Mittwoch gabs wohl auch ein paar Anfragen von Leuten, die gerne Laas Unltd. battlen würden. Is' ja klar: Die wissen ja auch: Wenn sie jetzt gegen mich battlen, dann ist das ein Highlight, das sich die Leute definitiv ankucken werden. Wenn man im besten Fall dann noch gewinnt, kann man sagen: 'Hey, den Freestyle-Gott, den ihr da feiert, den hab' ich jetzt geschlagen.' Das is' natürlich super.

Aber ich finde auch, dass jeder Rapper, den ich jetzt battle, mindestens auf meinem Level sein muss, was die Veröffentlichungen und so weiter anbelangt. Ich erwarte schon, dass dieser Jemand schon ein paar Alben rausgebracht hat, dass dieser Jemand selbst mal auf Tour war, und dass es dann nicht irgend so ein Newcomer ist, für den es leicht ist zu sagen: 'Du verkaufst ja nix und du spielst 'ne schlechte Tour.' Wenn man das selber noch nie gemacht hat, kann man das immer leicht sagen. Bei diesen ganzen Leuten denk' ich mir jetzt schon: Besorgt ihr euch erst mal 'nen Deal, macht erst mal 'n bisschen. Dann kann man weiterkucken.

Du sagst es selbst: Du warst in einer Alles-oder-nichts-Situation. Wenn du das Ding verloren hättest, hättest du dich eindosen können. Es kam aber anders: Du hast die perfekte Comeback-Aktion hingelegt. War das so geplant? Kann man so etwas überhaupt planen?

Nee, kann man eben nicht. Wie ich vorhin schon sagte: Es gibt bei so einem Battle einfach immer diese nicht kalkulierbaren Risikofaktoren. Wenn man 'ne Promo-Kampagne macht, kuckt man ja schon möglichst, dass man dabei sicher fährt und dass man sich alles so zurecht legt, dass einem nichts in die Quere kommen kann. Weil man ja dann auch einen gewissen Plan verfolgen muss. Sprich: Ich hatte natürlich im Hinterkopf immer den Wunsch: Hey, wenn das Battle gut funktioniert, könnte das ein guter Anstoß sein, um die Leute wieder davon zu überzeugen, dass es Sinn macht, sich mal ein Album von mir anzuhören. Aber es ist halt, wie gesagt, von Anfang an nichts gewesen, das man planen konnte.

Man konnte diesen Erfolg ja auch nicht so absehen. Einerseits konnte man schon nicht planen, dass ich überhaupt gewinne. Aber man konnte auch nicht planen, dass die Leute das alle auch im Internet mitbekommen. Und dass die das alle dementsprechend so feiern und teilen, und dass halt auch bekanntere Rapper einsteigen und das dann auch nochmal posten. Dass sich das so verbreitet, das gabs ja bei den Rap am Mittwoch-Battles vorher so krass auch noch nie.

Das heißt, es war für mich am Anfang gar kein so großer Faktor, dass ich sagte: Okay, ich werd' damit eine krasse Reichweite erzielen. Sondern es war einfach so ein Ding, so: Hey, ich hab' immer die Fresse aufgerissen, in Sachen Battle. Ich komm' aus dieser Ecke. Ich hab' auch irgendwie noch Bock drauf. Deswegen geh' ich da jetzt hin. Auch ein bisschen, um mein eigenes MC-Ego selbst zu befriedigen. Ja, das war eigentlich der ausschlaggebende Grund. Jetzt, am Ende des Tages, ist es natürlich super für mich, als Promo. Aber planen konnte man das nicht.

"Ich war nie weg von diesem Hip Hop-Ding"

Der Zeitpunkt war auf jeden Fall perfekt gewählt. Der Entschluss, das neue Album aufzunehmen, kann ja kaum erst hinterher gefallen sein.

Hmm. Nein, nicht wirklich. Man hat ja als Rapper immer irgendwelche Skizzen und Sachen, an denen man rumfeilt. Man schreibt ja immer. Man geht ja nicht ins Studio und sagt: 'Jetzt schreib' ich ein Album!' und fängt dann erst an zu schreiben. Sondern man hat immer schon irgendwelche Ideen und arbeitet gedanklich an irgendwas. Das heißt: Ich hab' schon ungefähr ab Mitte des Jahres angefangen zu kucken. Mit wem könnte man überhaupt wieder zusammenarbeiten? Wer könnte Beats machen? Und so weiter. Da haben sich bei mir im Kopf schon ein paar Sachen gebildet. Aber zu dem Zeitpunkt war es für mich noch schwer, so richtig anzugreifen. Weil die meisten Leute eher auf Stand-By waren und, wie du schon am Anfang sagtest, meinten: 'Ist das jetzt wirklich nötig, schon wieder ein Album zu machen? Müssen wir schon wieder ein Interview machen? Warum das Ganze?' Nach dem Battle wusste ich: Oh, okay. Jetzt hab' ich gerade Aufmerksamkeit. Das sollte ich im besten Falle nutzen. Und dann bin ich wirklich zwei Wochen nach dem Battle einfach ins Studio gegangen, hab' mich dort zweieinhalb Wochen eingesperrt und hab' das ganze Ding fertig gemacht.

Das Ding heißt "Blackbook II". Damit schließt du dich dem gerade regierenden Fortsetzungswahn an. Alle Welt macht zweite Teile vom größten Erfolg. Was soll das? Fallen euch keine neuen Titel mehr ein?

(Lacht) Nein. Ich hatte diese "Blackbook"-Sache eh die ganze Zeit so ein bisschen im Kopf. Ich war immer schon Fan von Trilogien, genau wie bei Filmen. Dieser "Blackbook"-Sound, diese ganzen Bilder, die man da kreiert, waren für mich immer schon sehr filmisch. "Ich bin der krasseste Rapper": Diese ganzen, teils auch klischeemäßigen Sachen, die sind sehr filmisch angelegt. Deswegen fand ich cool, immer schon, einen zweiten Teil zu machen. Jetzt war die ganze Stimmung, das ganze Gefühl, wieder genau so wie bei diesem "Blackbook"-Album, wo es mir halt auch darum ging, zu zeigen, dass ich einfach einer der besten Rapper hier bin. Dieser Film war jetzt wieder genau der gleiche. Deswegen hat es für mich einfach Sinn gemacht, da wieder anzuknüpfen, das Ganze nochmal zu machen. Vielleicht sogar ein bisschen besser.

Mir ist schon klar, dass zweite Teile inhaltlich, musikalisch oder vom Vibe her an die ersten anknüpfen sollen. Aber wenn das gut gemacht ist, müsste das die Zielgruppe doch auch merken, ohne dass man es ihr mit dem Holzhammer einbläut.

Ja, aber es geht ja auch immer um ein festes Bild. Die Leute brauchen etwas Greifbares. Früher, bevor ich mit diesem ganzen Backpack- und Rucksackkram an die Öffentlichkeit kam, war ich einfach nur ein Rapper den man von ein paar Features von Savas kannte. Man konnte mich nicht so richtig einordnen. Wofür steht dieser Jemand, was macht der? Da muss man sich natürlich auch ein bisschen positionieren. Genauso ist das mit Albentiteln, bei denen man auch etwas wie 'ne kleine Marke einbaut. Oder aufbaut, vielmehr. Etwas, das man den Leuten im Kopf festsetzt, woran die sich dann auch orientieren können. Dass sie wissen: Okay, Laas Unltd. kann ich da und da einordnen. Ich bin nicht unbedingt Fan davon, dass man sich als Künstler so einordnen lassen muss. Ich finde, ich habe viel mehr Facetten. Aber leider Gottes ist es in der heutigen Zeit eben so, dass, wenn die Leute eine Sache nicht richtig einordnen können, sie diese schnell wieder vergessen. Um dem vorzubeugen oder das Bild weiter zu festigen, fand ich es sinnvoll, das Ding "Blackbook II" zu nennen.

"Blackbook" adressierte sich ja eher an ... na, ich nenn' sie jetzt mal "Hardliner-Rapfans". Rap über Rap, über die Kultur, über den Prozess des Rappens als solchen. Genau die Hörergruppe, die darauf ansprang, hast du mit deinem letzten Album "Im Herzen Kind" vermutlich ziemlich verschreckt. Das kam ja nicht überall so gut an wie bei meinem Kollegen Simon Langemann.

Richtig, ja.

Du sagtest damals, du wolltest auch einmal etwas Neues ausprobieren. Experiment gescheitert?

Hmm. Was heißt "gescheitert"? Ich wollte etwas Neues ausprobieren, weil man als Künstler irgendwann an den Punkt kommt, an dem man selbst irgendwie gelangweilt ist davon, immer nach denselben Schemen vorzugehen, und wo man sich selbst dann ein bisschen ausprobiert. Ich hab' halt auch immer schon gesehen: Ich bin jetzt nicht der Rapper, der nur diesen einen Flow kann, sondern ich hab' die Möglichkeit, verschiedene Sachen auszuprobieren. Vielleicht auch mal ein bisschen mehr Melodie im Refrain mit reinzubringen, und so weiter. Es war mir wichtig, das den Leuten beim zweiten Album auch zu zeigen.

Der Fehler war, dass ich den Übergang schlecht gebaut hab'. Ich hab' die Leute auf diesen "Blackbook"-Film geschickt, hab' sie dort stehen lassen und hab' sie in der Entwicklung zu diesem neuen Album nicht mitgenommen. Sondern ich hab' das Album fertig gemacht und kam dann mit vollendeten Tatsachen. Die erste Single zum Beispiel war sehr, sehr weit davon entfernt. Ich hab' die Leute quasi zurück gelassen mit dem Bild, dass ich der Rucksackrapper bin, der mit zwei Spraydosen aus der S-Bahn gestiegen kommt, freestylet und dann mit der S-Bahn wieder wegfährt. Das nächste Bild, das die von mir gesehen haben, war der fröhliche Junge, der in Mallorca barfuß am Strand rumläuft. So. Das war natürlich viel zu weit weg. Da waren die Leute ein bisschen irritiert und dachten: 'Ah, okay, jetzt will er sich vielleicht auch verkaufen.' 'Sell-Out machen', oder was auch immer da schnell gesagt wird. Das war aber nicht der Fall. Das war eigentlich 'ne natürliche Entwicklung. Nur hab' ich es eben verpasst, den Leuten diese Entwicklung auch transparent zu machen.

Wenn du jetzt fragst, ob das gescheitert ist, dann würde ich sagen: Es ist definitiv gescheitert, was Verkaufszahlen und solche Dinge anbelangt. Definitiv. Aber für mich persönlich ist es kein Scheitern als Ganzes. Diese Sache hat mich ja auch weitergebracht. Ich hab' dadurch wieder diesen Hunger bekommen. Ich hab' auch gesehen, was ich den Leuten anscheinend noch beweisen muss: dass ich krass rappe. Das hab' ich dann in diesem Battle getan. Somit hat für mich eins zum anderen geführt. Ich würde aus jetziger Sicht sagen: Wahrscheinlich musste es einfach so sein. Sonst würden wir uns vermutlich jetzt auch nicht so unterhalten. Von daher macht es rückblickend alles wieder Sinn. Hättest du mich vor 'nem halben Jahr gefragt, hätte ich gesagt: Ja, okay. Da bin ich vielleicht gescheitert. Aber jetzt seh' ich es nicht als ein Scheitern, denn es hat mich voran gebracht. Natürlich war es am Anfang negativ. Aber dafür ist es jetzt um so positiver, weil die Leute sehen: Ich hab' mich da halt auch wieder rausgekämpft.

Einer der Vorwürfe lautete damals, du habest versucht, mit melodischeren Beats, zugänglicheren, vielleicht nicht so stark auf Rap fixierten Texten und auch Gesang auf die Welle aufzuspringen, die etwa ein Cro ziemlich erfolgreich reitet. Ziehst du dir diesen Schuh an?

Nein, zieh' ich mir nicht an, weil: Das ist Quatsch. Kuck' mal, solche Kommentare kommen meistens aus der Richtung von Leuten, die, wenn sie mal ehrlich sind, wahrscheinlich gar nicht viel mehr kennen als halt diese Sachen von Cro, mit denen sie mich dann vergleichen. Ich könnte jetzt dagegen halten: Ich hab' damals, als ich noch in Gütersloh gewohnt hab', Ende der 90er, viel A Tribe Called Quest gehört. Da waren gesungene Hooks gang und gebe. Bei De La Soul gab es immer gesungene Hooks. Bei Mos Def gab es immer gesungene Hooks. Bei Talib Kweli und DJ Hi-Tek gab es auch immer gesungene Hooks. Ich bin mit dieser Musik aufgewachsen, das hat mich geprägt. Deswegen ist das für mich auch nichts Verwerfliches oder auch gar nichts Besonderes, dass man einfach mal 'ne Hook mit mehr Melodie hat. 50 Cent hat auch ganz viele Melodien in seinen Hooks. Eminem hat auch sehr viele Melodien.

Für mich ist das etwas ganz Normales, das einfach zum Musikmachen dazugehört. Man kann rappen, man kann auch singen und man kann, wenn man nicht so richtig singen kann, trotzdem versuchen, ein bisschen Melodie mit reinzubringen. Das hab' ich gemacht. Ja, in Deutschland ist aber vielleicht einfach noch nicht die Zeit, dass die Leute das alle so im Blick haben. Deswegen fand ich es ein bisschen schade. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass man das mit irgendsoeinem Cro oder so vergleichen kann. Der hat sicherlich auch dieselben Einflüsse. Ich bin mir sicher, der hat auch viel von der Musik gehört, die ich eben genannt habe. Aber (lacht) ... nein. Den zieh' ich mir definitiv nicht an, den Schuh.

Die Texte auf "Im Herzen Kind" haben mehr in dein Innenleben blicken lassen, haben weniger nur den Rapper Laas gezeigt.

Genau, das ist der Unterschied: Bei "Blackbook" geht es sehr um den Rapper. Um den, der auf der Bühne steht und sagt: 'Ich bin der beste Rapper. Ich freestyle euch alle in Grund und Boden.' Bei "Im Herzen Kind" war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich das alles so lange gesagt und gemacht hatte, dass ich dachte: 'Ich brauch' auch mal kurz, irgendwie für mich selber, einen Break, und ich finde, es ist auch für die Leute spannend, vielleicht zu verstehen: Wer ist eigentlich der Typ hinter diesem Rapper.' Ich wollte den Leuten erklären, wo ich herkomme, wie ich aufgewachsen, wie ich groß geworden bin, und so weiter. Das hat mich damals inspiriert. Ich persönlich dachte, das würde den Leuten vielleicht auch helfen, meine Person und auch diese Aussagen, die man als Rapper macht, besser zu verstehen.

Ja, das hat leider nicht so gut funktioniert. Ich finde aber nach wie vor, dass das 'ne gute Sache ist, wenn man die Leute teilhaben lässt. Ich war auch immer Fan von Rappern, die das taten. Zum Beispiel ein Dendemann, oder auch Savas, früher: Als ich diese Leute noch nicht persönlich kannte, hab' ich die Musik von denen gehört und hatte trotzdem schon das Gefühl, ich weiß sehr viel über die. Auch, wenn die jetzt nicht immer die persönlichsten Tracks gemacht haben, aber die haben doch auch immer sehr viel preis gegeben. Das fand ich spannend. Wenn man Fan von einem Rapper ist und das Gefühl hat: 'Ich weiß ungefähr, wie der als Person ist.' Das fand ich cool.

Schmerzt es dann nicht noch mehr? Wenn man sich öffnet - und dann ungedeckt Prügel kassiert?

Ja, definitiv. Ich sag' mal so: So ein Misserfolg schmerzt eh immer. Weil, egal, was man macht: Ich steck' ja immer Liebe in die Musik. Ich versuch' immer, mit den Mitteln, die ich habe, alles rauszuholen, wirklich hundert Prozent. Wenn das dann nicht auf die entsprechende Gegenliebe stößt, ist das natürlich doof. Aber letzten Endes hab' ich mir auch gedacht: 'Was nützt es mir, jetzt Trübsal zu blasen?' Auch irgendwie die Schuld auf alle anderen Leute zu schieben, zu sagen: 'Oh, die blöden Käufer, die kaufen das nicht' oder 'Mich supportet keiner' oder 'Die Medien sind schuld' ... Weißte, im Endeffekt muss ich dann auch so ehrlich sein, wieder zu mir zurück gehen und sagen: 'Okay, dann hab' ich wahrscheinlich irgendwas falsch gemacht. Oder falsch kommuniziert.' Da muss ich dann ansetzen und mich weiterentwickeln.

Die Weiterentwicklung heißt, zumindest für den Moment, "Blackbook II". Da zeigt schon der Titel die Rolle rückwärts. Der Vorwurf der Leute, die dir etwas ans Zeug flicken wollen, wird zwangsläufig lauten: Das letzte Album lief nicht, also macht er jetzt wieder das, das vorher besser lief.

Ja. (Lacht) Natürlich. Irgendwas gibts halt immer zu meckern. Das sollen die gerne sagen. Aber Fakt ist: Ich hab' mich nie wegbewegt, von diesem Sound. Auch nicht auf "Im Herzen Kind". Wenn man dieses Album hört, wird man merken: Die Tracks sind eigentlich gar nicht so groß anders als auf den Alben davor. Vielleicht sind die Beats ein ganz kleines bisschen gechillter und nicht ganz so aggressiv, teilweise. Aber es gibt auf dem Album auch Hardcore-Rapkram. Wenn du mir sagst, ich war irgendwo weg und will jetzt wieder zu irgendwas zurückkommen, kann ich dementsprechend nur sagen: Ich war nie weg von diesem Hip Hop-Ding. Ich war immer da. Das ist einfach mein Sound. Da gibts vielleicht mal 'nen kleinen Ausflug, bei dem man noch einmal eine andere Facette kennen lernt. Aber letzten Endes mach' ich den Sound, den ich mache. Das, was man jetzt auch auf dem neuen Album hört.

Du kriegst vor dir selbst also kein Glaubwürdigkeitsproblem?

Nee. Überhaupt nicht. Wie ich auch vorhin schon meinte: Ich mach' immer Musik, die sehr auf den Ereignissen in meinem Leben basiert. Da muss ich nochmal kurz ausholen: Bei "Im Herzen Kind" war ich in folgender Situation: Ich konnte von meinen und von den Backup-Auftritten mit Savas zusammen so gut leben, dass ich keinen Job mehr nebenbei brauchte. Das heißt, ich hatte schon mal viel weniger Stress. Ich konnte mich zum ersten Mal beim Musikmachen nur darauf konzentrieren und mich richtig locker machen. Dann hatten wir Sommer. Ich war mit 'nem guten Freund in seinem Studio. Wir haben die ganze Zeit gute Laune gehabt. Wir haben uns da 'ne gute Zeit gemacht. Dementsprechend bin ich so aus mir rausgekommen, wie ich es in einer Stresssituation vielleicht nicht mache. Weißt du?

Jetzt ist zum Beispiel wieder eine Situation, in der alles wieder auf der Kippe steht und ich viel mehr Druck und Stress habe. Die Probleme hören da ja nicht auf. Also ist die Musik jetzt wieder aggressiver, nicht Sommer-Sonne-ich-lass'-es-mir-gutgehen. Weil momentan halt alles wieder ein bisschen härter für mich gewesen ist. Dementsprechend klingt die Musik auch so. Da hab' ich kein Glaubwürdigkeitsproblem, weil ich ja weiß: Ich hab' die Musik immer aus 'nem realen Hintergrund gemacht. Ich hab' immer die Wahrheit erzählt.

Leuchtet mir ein. Vorhin sagtest du, du habest versäumt, deinen Fans die Entwicklung plausibel zu machen. Hast du inzwischen Strategien entwickelt, wie du ihnen jetzt den Move zurück zu Rap über Rap erklären willst?

Ja. Indem ich sie einfach mehr an dem teilhaben lasse, das so bei mir passiert. Ich mach' jetzt zum Beispiel diese Facebook-Freestyles. Damit sie sehen, dass ich nach wie vor, immer noch, der gleiche Typ bin, den sie schon von früher von Hip Hop-Jams her kennen. Der einen Beat anmacht und einfach rappt, und man sieht: Es macht ihm Spaß. Und man sieht, der hat sich jetzt da nicht hingestellt, weil irgendwer gesagt hat: 'Wir brauchen jetzt den tollen Promomove, wir müssen jetzt freestylen, stell' dich da hin und freestyle!' Und dann versuch' ich da, verbissen und verkrampft zu rappen, oder so. Sondern die Leute sehen einfach: Es passiert alles ganz natürlich.

Das Battle war natürlich auch ein Riesenfaktor, weil sie da halt auch gesehen haben: 'Fuck! Was der da erzählt, meint der wirklich ernst. Das können wir auch nachvollziehen, weil: Wir haben das mitgekriegt, seinen Weg.' Dementsprechend ist das, glaube ich, schon mal ein guter Schritt gewesen. Letzten Endes ist es aber auch immer wichtig, dass man einfach viel Output hat. Auch in den Zeiten zwischen den Alben. Gerade wenn man den Sound ein bisschen verändert, hätte man vielleicht über ein paar Tracks, die man noch zwischengeschoben hätte, besser geschafft, 'ne Brücke zu bauen. Das war eben das Problem: Ich hab' mit "Blackbook I" aufgehört, kam dann erst ein Jahr später mit dem nächsten Video raus, und dazwischen gabs bis auf einen Freetrack nichts Richtiges von mir zu hören. Das werd' ich in Zukunft auf jeden Fall besser machen.

"Da fragt man sich: Wer ist denn da der Esel?"

Ich schätze, der Erfolg mit dem Battle hat sich auf die Produktion, auf die ganze Arbeit an der neuen Platte ausgewirkt?

Ja, schon. Die Euphorie hab' ich natürlich mitgenommen. Dieses Feuer, das man aufbaut, wenn man acht Wochen lang rappt und man sich damit beschäftigt. Man läuft dann wie ein Sportler, der die ganze Zeit trainiert: Irgendwann ist man sehr warm und kann dann Gas geben. Das hat mir sehr geholfen, direkt ins Studio zu gehen und alles innerhalb kürzester Zeit auf den Punkt zu bringen, ohne dass ich noch viel ausprobieren musste. Was kann man hier machen, wie kann man das machen ... nö! Ich wusste ganz genau: Ich geh' ins Studio. Ich muss genau diesen Beat nehmen, und darauf muss ich genau das machen, und dann krieg' ich genau das Endergebnis, das ich haben will. Das hat zum Glück auch jedes Mal funktioniert. Diese Stimmung hab' ich definitiv mit der Arbeit an dem Battle erzeugt.

Die Produktion stammt komplett aus der Hand von DJ Smoove. Hast du bewusst entschieden, nur mit einem Produzenten zusammenzuarbeiten, statt dir hier und da von jedem etwas Schönes auszusuchen?

Ja. Ganz am Anfang hab' ich mir noch von verschiedenen Produzenten Beats geben lassen. Ich hab' verschiedene Sachen ausprobiert. Aber es war mir relativ schnell klar: Gerade, wenn ich dieses "Blackbook"-Konzept nochmal auspacke, soll es wieder mit einem Produzenten passieren. Das war ja auch bei Teil I so, den 7inch komplett produziert hat. Ich finde, bei diesem Ding ist es einfach sehr wichtig, dass es von A bis Z einen durchgängigen Sound hat. Dass es da keine großen Ausflüge gibt, der eine Beat ist ein bisschen mehr Club und der andere Beat ist ein bisschen mehr so ... Im Endeffekt wollte ich einen Sound. Einen, bei dem man merkt: 'Das kommt den Jungs von Herzen. Die sind in den 90ern groß geworden. Diese Zeit hat die geprägt, aber die sind da auch nicht stehen geblieben, sondern haben das Beste von damals mitgenommen und vermischen das mit der Technik von heute.' Dann hab' ich sehr viele Beats von Smoove bekommen, da hab' ich gemerkt: 'Okay, mit diesem Jungen kann man das echt machen.' Dann hatte er eben auch Motivation gezeigt, das durchzuziehen, und dann war mir klar: 'Dann brauch' ich auch gar keinen anderen Produzenten, jetzt gerade, in diesem Moment.' Das war auf jeden Fall perfekt.

War das eher dem "Blackbook"-Konzept geschuldet, oder bist du, was Zusammenarbeit angeht, sowieso eher 'ne Art treue Seele?

Hmm ... wenn du meine Alben jetzt so nimmst: Die ersten drei waren fast komplett von Absturz City aus Hamburg produziert. Da fand, ich es schon cool, mit einem Produzententeam zu arbeiten. Mir ist halt immer wichtig, dass man einen eigenen Sound hat und dass das Ganze nicht so austauschbar wird. Ja? Auf vielen Rapalben hört man Tracks, bei denen man denkt: 'Da hätte jetzt jeder drüber rappen können' oder 'Ich finde auf jedem der aktuellen Alben einen Track, der so ähnlich ist.' Das wollte ich eben nicht. Ich bin ein großer Fan dieses eigenen Sounds, wie der auch immer ist. Ob das so ein harter "Blackbook"-Sound ist, oder ob das eher so ein bisschen ein gechillterer, gutgelaunterer "Im Herzen Kind"-Sound. Ich mag es einfach, wenn alles sehr unique klingt, wie aus einem Guss. Dass man wirklich ein Kunstwerk hat. Das ist schwer, wenn man mit vielen verschiedenen Produzenten arbeitet. Da muss man dann sehr darauf achten, dass man sich Beats nimmt, die gut zueinander passen. Ansonsten wird das Ganze immer austauschbar, und das wollte ich definitiv vermeiden.

Recht so. Ich hör' viel zu viele Rap-Alben, die wie Sampler klingen: von jedem Produzent ein Beat und Horden von Featuregästen. Jeder hat die gleichen Produzenten und die gleichen Features, und um rauszufinden, wessen Platte du eigentlich gerade hörst, musst du aufs Cover gucken. Weil sie alle gleich klingen.

Genau. Ich hör' durchgängig fast nur amerikanischen Hip Hop, und da ist es bei den neuen Alben so: Da hast du diese fünf, sechs Hitproduzenten, die für alle relevanten Rapper produzieren. Dann gibts diese fünf, sechs Hitrapper, die auf allen bekannten Alben featuren, und du hast eigentlich immer die selben Alben, nur jeweils mit 'nem anderen Aufhängertypen. Das mag ich gar nicht. Früher hatte ein Rapper meist einen festen Produzenten, wie die, die ich vorhin schon erwähnt habe. Talib Kweli und Hi-Tek zum Beispiel, dieses Reflection Eternal, das war für mich damals ein sehr großer Einfluss. Die hatten auch diesen einen Sound. Da hat DJ Hi-Tek die Beats gemacht und das klang dann halt nicht wie irgendeine andere Produktion. Das fand ich super.

Überhaupt diese ganzen klassischen Ein-MC-ein-Producer-Gespanne ...

Richtig! Gang Starr, EPMD, da kann man ja viele aufzählen. Das gibts ja heute leider fast nicht mehr. Die ersten, die das hier wieder so ein bisschen zurück gebracht haben, waren, find' ich ...

Genetikk.

(Gleichzeitig) Genetikk. Ein Produzent, ein Rapper. Das find' ich gut, da bin ich Fan von.

Ich auch. Absicht oder Zufall, dass die Promophase für "Blackbook II" zeitlich mit dem zusammenfällt, das Kollegah als "heißeste Promophase des Deutschraps" natürlich für sich reklamiert?

Das ist kompletter Zufall. Also ... damit hab' ich mich, ehrlich gesagt, jetzt nicht mehr so beschäftigt. (Lacht)

Im Zuge seiner Promophase haben Kollegah und Farid Bang einem anderen Rapper einen Besuch abgestattet, um mit ihm zu reden. Du hast Erfahrung mit solchen Stiernackenkommando-Stippvisiten. Deine Meinung dazu?

Pfff ... na, ja. Ich hab' dazu eigentlich alles gesagt. Dazu kann ich nichts sagen außer dem, das ich schon gesagt hab'.

Verfolgst du diesen aktuellen Zirkus im Deutschrap überhaupt? Interessiert dich, wer gerade wen nicht mehr lieb hat - und dann doch wieder?

Nö, ich verfolg' das schon. Ich geh' schon auf die einschlägigen Seiten. Ich bin ja nach wie vor Fan von Rap, auch von deutschem Rap. Ich hör' leider momentan wenig von den deutschen Alben so richtig an. Das meiste checkt man halt einfach so aus. Aber, doch. Ich krieg' schon alles mit, was da so rauskommt. An Videoblogs und Videos und Interviews ...

Ich fühl' mich von einem ordentlichen Beef gut unterhalten, immer vorausgesetzt, da fliegen dann Disstracks hin und her und einer antwortet auf den anderen. Was zur Zeit gerade abgeht, langweilt mich dagegen brachial: Da gibts ein Statement, dann folgt die Ankündigung der Ankündigung einer Antwort, und bis die dann wirklich kommt, hängt einem das Affentheater schon längst zum Hals raus. Siehst du diese Entwicklung auch?

Ja. Das finde ich, ehrlich gesagt, auch langweilig. Mir gehts wirklich um Rap. Ich fühl' mich immer noch am besten unterhalten von Rap. Ich kuck' mir auch lieber ein Making-Of von irgendeinem Rapper an, der im Studio steht und am Mic irgendwas einrappt, als irgendeinen Blog, wo irgendwelche Konzerte besucht werden oder ... keine Ahnung. Aber ich bin halt auch ein Rap-Nerd. Ich kann verstehen, dass das andere immer spektakulärer erscheint. Aber ich glaube, diese Statements ... das hat sich mittlerweile auch schon wieder abgenutzt.

Aber du findest schon, dass Zwist in einer Battle-Kultur, wie Hip Hop ja eine ist, dazu gehört?

Ja, natürlich! Das belebt ja auch das Geschäft! Und im besten Fall ist es, wie du schon gesagt hast: Der eine Rapper macht 'nen Track, der ist geil. Dann macht der andere einen Track, und der ist vielleicht noch geiler, und man wartet ... Das ist alles cool. Da komm' ich ja auch her, aus dieser Battle-Szene. Nur ich finds dann halt wirklich wichtig, dass a) mit gleichen Waffen gekämpft wird, und dass es b) bei der Musik bleibt - und im besten Falle noch live ausgetragen wird. Weil ich finde, das ist die einzige Challenge, wo man wirklich sieht: Wer ist jetzt der bessere Rapper? Im Studio kann man immer viel machen, da hört sich dann im Endeffekt vieles geil an. Aber auf der Bühne bei einer A-Capella-Battle ... das ist für mich das Non-plus-Ultra. Ich find' schade, dass es sowas eigentlich fast gar nicht mehr gibt. Außer bei Rap am Mittwoch, und da halt leider bekanntlich weniger mit den bekannten Rappern.

A-Capella-Battles sind schon die Königsdisziplin. Da hast du ja gar keine Chance mehr, irgendeine Schwäche zu kaschieren. Da hilft halt auch ein dicker Beat nix mehr, wenn es gar keinen gibt.

Genau. Man macht sich quasi nackig.

Nochmal zurück zu deiner Battle gegen Drob Dynamic. Du siehst, ich komm' nicht drüber weg. Du hast gesagt, du glaubst, du hast unter anderem deswegen gewonnen, weil du dich gut vorbereitet hattest. Weil du einfach der Fleißigere gewesen bist. Ist Fleiß demnach wichtiger als Talent?

Na, ja ... ich sag' mal so: Du brauchst ein gewisses Grundtalent. Ohne das gehts nicht. Aber dieses Grundtalent ist ohne den Fleiß nichts wert. Ich kenn' so viele Rapper, die super talentiert sind und die richtig krasse Sachen auspacken, aber die irgendwie nicht geschafft haben, das dann auch kontinuierlich in Songs und so weiter umzusetzen. Das heißt: Im Endeffekt gewinnt immer der Fleißigere. Man sieht das ja auch an den Rappern, die erfolgreich sind: Das sind nicht immer unbedingt die besten Spitter. Es gibt Tausende Leute im Underground, die krassere Wortkombinationen spitten können. Aber diese Leute sind einfach die, die es am konsequentesten durchgeführt haben. Die sich wirklich jeden Tag hingesetzt und an ihrem Konzept gefeilt haben. Ob das jetzt ein Image, ein Song oder ein Verse für ein Battle ist. Am Ende gewinnt der, der am fleißigsten ist.

Kuck' dir einen 50 Cent an: Der ist auch nicht der beste Rapper, aber der hat halt einfach so Gas gegeben, hat jeden DJ damals mit Versen für Mixtapes beliefert und hat das so lange gemacht, bis die Leute nicht mehr an ihm vorbei kamen. Das ist ein sehr gutes Beispiel. Auch, wenn man dieses Talent hat, braucht man Fleiß, um etwas daraus zu machen. Ein Text schreibt sich nicht von alleine, nur weil man Talent hat. Ich glaube, man braucht ein gewisses Grundtalent. Aber ohne Fleiß geht nichts.

Jetzt ist Rap ja ein immer schnelllebigeres Geschäft. Ist da überhaupt noch Zeit für Fleiß?

Ja, natürlich! Definitiv! Gerade weil es schnelllebiger ist, muss man ja mehr machen. Man muss die neuen Medien alle mit einbeziehen. Früher haben die Künstler einfach ein Album gemacht, haben ein Video dazu gedreht, haben noch zwei, drei Interviews für die Fernsehsender gegeben, und das wars. Da gabs ja kein Internet. Heutzutage, wo es Facebook, YouTube, Twitter, Instagram und so weiter gibt, muss man all diese Kanäle mit einbeziehen und dementsprechend viel mehr machen. Es ist natürlich auch eine sehr gute Sache, dass mittlerweile jeder mit einem Klick Tausende von Menschen erreichen kann. Aber man muss sich dann halt auch ins Zeug legen und Sachen machen. Wenn du jede Woche einen Freestyle machen willst, musst du das dann halt auch durchziehen. Und nebenbei hat man ja auch tausend andere Sachen zu tun.

Guter Punkt. Du hast neulich gesagt, niemand könne Höchstleistung bringen, wenn er 20.000 Baustellen im Kopf hat. Besteht die Gefahr, sich an diesen vielen Fronten zu verzetteln?

Weiß ich nicht. Inwiefern verzetteln? So lange man das macht, wovon man selber überzeugt ist und wobei man ein gutes Gefühl hat, kann man sich, denk' ich, nicht sooo sehr verzetteln. Außer, dass es am Ende vielleicht den anderen Leuten nicht gefällt. Aber selbst dann: Wenn man selbst mit dem zufrieden ist, was man gemacht hat, dann ist doch alles gut. Das sag' ich ja zum Beispiel auch bei dem letzten, dem "Im Herzen Kind"-Album: Natürlich ist es schade, dass das nicht funktioniert hat. Man könnte sagen, ich hab' mich verzettelt. Aber unterm Strich ist es auch so, dass ich mir das Album voll gerne anhöre und das selber voll abfeier'. (Lacht) Und dann hab' ich für mich doch alles richtig gemacht. Genau so seh' ich das auch mit diesen ganzen anderen Sachen. Ich mach' das ja auch, weil ich einfach weiß: Ich hab' gute Inhalte, ein gutes Ding, hinter dem ich zu einhundert Prozent stehe, und das ich eben an die Öffentlichkeit bringen will. Da nutze ich eben alle Kanäle, ne? Weil ich weiß, meine Intention dahinter ist eine positive. Da hab' ich nicht das Gefühl, ich könnte mich damit irgendwie verzetteln.

Du zelebrierst die Liebe zum Rap wie kaum ein anderer. Woran, glaubst du, liegt es, dass deine Person trotzdem dermaßen polarisiert?

Die jüngeren Hörer wachsen einfach mit einer ganz anderen Hip Hop-Sozialisation auf als ich damals. Von daher ist das für die vielleicht teilweise nicht immer ganz so nachzuvollziehen. Die denken dann: 'Ach, was redet der von früher? Das interessiert uns gar nicht, wir haben heute ganz andere Sachen, die uns interessieren.' Da entsteht dann ein Spalt. Dann kommen bei mir so Ansagen wie 'Ich bin der nächste King' und sowas dazu. Das meine ich auch mit meiner Hip Hop-Sozialisation: Wenn man das nicht kennt und dementsprechend auch nicht versteht, dann kann man solche Aussagen gern in den falschen Hals bekommen. Weil: Da, wo ich herkomme, ist es einfach ganz normal gewesen, dass man a) versucht, in dem, das man macht, der beste zu sein, als Breaker, Sprayer, DJ oder Rapper. Und beim Rappen - oder auch beim Graffitimaler - war das höchste, das man erreichen kann, das King-Level. Da ging es gar nicht immer nur darum, dass man jetzt sagt: 'Es gibt nur einen King' oder 'Man ist der einzige King und alle anderen sind scheiße', und so weiter. Sondern es ging darum: 'Ich will das Beste aus mir rausholen.' Wenn ich das über 'ne lange Zeit gemacht und Sachen gelernt, gezeigt und bewiesen hab', dann kann man sich King nennen. Deswegen war es für mich eigentlich nichts Schlimmes, das zu sagen.

Aber für Leute, die diesen Hintergrund nicht kennen, auf die wirkt das wie: 'Okay, da kommt jetzt irgendwer, der nichts groß gerissen hat in Sachen Verkaufszahlen, öffentlichem Erfolg und so weiter, und will da jetzt irgendwie erzählen, er ist der nächste King.' Diese Leute können dann damit natürlich nichts anfangen. Das war definitiv ein Problem. Auch, dass ich das natürlich auch sehr ausexerziert habe, mich sehr reingesteigert habe, auch um für mich selbst diese Motivation zu kriegen, 'Ja, Mann, ich kann das schaffen' ... Für mich war eigentlich die Intention dahinter 'ne gute. Dass ich mich selbst in diesen Film reinversetze und mir auch selbst, nach all den Jahren, sage: 'Hey, ich kann da jetzt nochmal mit 'nem geilen Album um die Ecke kommen und denen beweisen, dass ich das Beste aus mir raushole.' Das war ja meine Intention. Die jungen Hörer haben aber einfach nur gedacht: 'Wir haben mittlerweile ganz andere Rapper, die wir viel mehr feiern, und die sind näher an unserer Lebensrealität dran, also erzähl' uns nichts.'

Und dazu kommt dann auch noch, dass natürlich viel nachgeplappert wird. Is' ja auch klar, früher war ich ja auch so. Wenn die entsprechenden Stars irgendwas gesagt haben, dann war ich mit 15 wahrscheinlich auch der gleichen Meinung wie die, ohne jetzt immer alles genau zu reflektieren. Wenn heute entsprechende Leute Entsprechendes sagen, dann wird das halt auch gerne mal nachgeredet, und dann herrscht auch ganz schnell Konsens: 'Der ist halt ein komischer Spinner.' Das war definitiv auch ein Problem. Das haben ja auch Leute von den Medien gesagt, als ich sie drauf angesprochen habe, warum Sachen nicht einfach weniger wertend präsentiert wurden. Weißt du, wenns um 'ne Ankündigung zu 'nem Album geht, und dann lautet der erste Satz: 'Das musste ja so kommen.' Da find' ich, das kann man auch einfach rauslassen. Auch, wenn man mich nicht mag. Dann schreib' einfach: 'Das Album kommt.' Oder schreib' gar nichts! Aber lass' doch dieses Wertende raus. Die haben als Entschuldigung gesagt: 'Ja, das war halt einfach. Wir wollten auch gerne mal so 'nen Witz machen, und das war halt einfach der Konsens, so. Alle Leute haben das eh so gesagt, also hat das gut reingepasst.' (Lacht) Ja, da sind wir halt wieder an 'nem Punkt, wo man sich fragt: 'Wer ist denn da der Esel?' Im Endeffekt muss man da durch, als Rapper. Wenn man solche Ansagen macht, dann muss man da durch. Andere Rapper, so ein Savas oder 'n Sido, die haben damals auch sehr, sehr viel Gegenwind bekommen. Das vergisst man ja heutzutage auch, durch was für 'ne Scheiße die teilweise gehen mussten. Die haben sich durchgekämpft, und irgendwann spricht dann auch keiner mehr darüber, ne?

Meinem Kollegen, der dich zu "Im Herzen Kind"-Zeiten interviewt hat, hast du erklärt, es sei schwer, seinen Traum von der Musik zu verfolgen, wenn man zum Beispiel auch Rechnungen zu bezahlen hat. Hat sich deine Situation diesbezüglich verändert?

Na, jaaa. Wie es halt heute so ist, als Selbständiger, der versucht, irgendwie mit Musik Sachen zu machen. Natürlich leb' ich jetzt nicht auf der Straße. Ich hab' alles, was man braucht. Mir gehts definitiv gut. Aber natürlich ist es schwer. Man muss halt kucken, wo man bleibt. Man muss vielleicht auch hier und da noch ein, zwei Kompromisse machen, was dann natürlich auch nervt, aber das gehört eben dazu, zu diesem Hustle, den man hat, wenn man sich entscheidet, Musik zu machen und davon leben zu wollen.

Okay. Was steht denn jetzt als nächstes auf dem Plan?

Also, jetzt gerade stecke ich ja noch mitten in der Promophase. Im Moment arbeitet alles in meinem Kopf auf diesen Release hin: "Blackbook II" am 14.3. - da versuch' ich jetzt noch, mir mit allen Mitteln möglichst viel Aufmerksamkeit zu erkämpfen. Das ist jetzt das primäre Ziel. Danach werd' ich wieder viel live unterwegs sein. Jetzt nicht direkt 'ne zusammenhängende Tour, aber gerade kommen auch wieder sehr, sehr viele Bookings rein. Und dann muss man eben schauen. Ich werde definitiv noch an weiterer Musik arbeiten, auch an neuen Alben, Projekten et cetera. Und wer weiß, was passiert und wann wir uns dann demnächst wieder sprechen.

Huarr, ja, das werden wir dann schon sehen. Einstweilen erst einmal vielen Dank für die viele Zeit und für das nette Gespräch.

Vielen Dank auch euch - und bis zum nächsten Mal.

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9 Kommentare mit 44 Antworten

  • Vor 8 Jahren

    Auch vor Rap am Mittwoch wäre ein Interview mit Laas Unltd. legitim gewesen. Das Argument "er hat schon Alles erzählt" ist in der Rubrik "Rap-Interview" lächerlich. Was erzählen die anderen Rapper denn so gravierend neues, hm? Was war passiert? Ach ja, Kollegah-Anhänger...Pah Mitläufer-Journalisten sind unerträglich...Wobei das Wort Journalist tatsächlich als eine Art Kompliment angesehen werden kann. Im Vergleich zu anderen Medien war das tatsächlich ein Interview.

  • Vor 8 Jahren

    Tolles Interview, Props an Laas und Dani!

    Das mit den Alben, die wie Sampler klingen, mit den selben Produzenten und Features, sehe ich ganz genauso. Wirklich eine öde Entwicklung! Deswegen fand ich cool, dass z.B. Olli Banjo das immer getrennt hat...Solo-Album von Roe Beardie produziert, dann ein Sparring-Feature-Album - immer im Wechsel, so soll's sein! Gut, mittlerweile macht der das nicht mehr nach dem Schema...

    Auch der Sache mit den aussterbenden Acapella-Battles kann ich nur zustimmen. Was hab ich die Feuer über Deutschland-Reihe gefeiert! Auch wenn ein Großteil unbekannt war, waren immer wieder bekannte MCs wie Favorite, Casper, Lakmann oder die 257ers dabei.
    Heutige Größen wie Kollegah, Nasi Goreng oder Fler haben da leider keinen Bock drauf oder die Eier dazu. Schon schade.

    • Vor 8 Jahren

      Das stirbt doch nicht aus, gerade durch RAM oder DLTLLY ist das wieder stark im Kommen. Klar, den Starbonus von FÜD haben die nicht, aber immerhin kommen dadurch ein paar unbekanntere Künstler zu etwas Fame, siehe z.B. Karate Andi.

    • Vor 8 Jahren

      Banjo soll ja mit ner neuen Scheibe kommen im mai. "Dynamit"

    • Vor 8 Jahren

      huarr, nasi goreng. :D das hatte ich ja komplett überlesen.

    • Vor 8 Jahren

      Oh cool, danke für die Info, Toriyamafan!

      Features: Kool Savas, Xavier Naidoo, Sido, Marteria, Yasha und Morlockk Dilemma

      Hmm, okay! Banjo und Morlokk wird bestimmt geil :D

    • Vor 8 Jahren

      Bajo und Morlokk? Das weckt auf jeden Fall mein Interesse. :D
      Ansonsten bin ich aber mehr als skeptisch, gerade bei dieser ansonsten sehr dürftigen Feature-Liste. "Kopfdisco" empfand ich als unhörbar und seine Feature-Parts in den letzten Jahren haben mir auch nicht wirklich gefallen (Das absolute Negativ-Highlight ist hier wohl sein Part auf "30-11-80"). Ich kann es mittlerweile kaum glauben, dass das derselbe Mann sein soll, der mich mit "Erste Hilfe" und "Schizogenie" dermaßen umgehauen hat...

    • Vor 8 Jahren

      *Banjo natürlich, aber wisst ihr ja.

    • Vor 8 Jahren

      Wird das das lang angekündigte Rockalbum? Wenn ja, dann wird es wohl ein Desaster, wie bei Jan Delay.

    • Vor 8 Jahren

      bleibt abzuwarten. das ganze album nach der schwachen vorab-single abzuschreiben ist schon lautuser-style, wa. ;)

    • Vor 8 Jahren

      Was soll man denn von jemandem erwarten, der nur schlechte Alben macht, da braucht man keine Singles kennen.

    • Vor 8 Jahren

      geschmäcker und so.. die ersten beiden haben mir sehr gut getaugt, "wir kinder.." nur noch so semi - auch beim neuen habe ich arge (!) bedenken, aber wegen einem song einfach abschreiben, neee.

    • Vor 8 Jahren

      Du bist ja auch ein behinderter Jubelperser. Delay ist ein Wacklurch, der von behaarten Bitches gefeiert wird, die bei seinem Gejaule n feuchten Pelz bekommen!

  • Vor 8 Jahren

    Kommendes Album verkauft 1. Woche 30 Exemplare, 25 davon schnappt sich Savas.

    • Vor 8 Jahren

      ne, Savas kauft 25 , Drop Dynamic 1 und Laas 4...Weil er sich selbst momentan so feiert und weil er ja der nächste King ist.

    • Vor 8 Jahren

      ercandize und franky kubrick gehen zusammen zum saturn, merken sie sind beide schon dick im dispo, und teilen sich eine cd. danach streiten sie sich, wer das drecksteil zuerst hören soll und es gibt beef auf rapupdate.de incl. youtube-disses (23.486 clicks)

    • Vor 8 Jahren

      :D Das halte ich für das wahrscheinlichste Szenario. Eine Vorschau:
      "Solche Moves hat keiner"
      "Wer kann das, außer meinen Freunden?"
      "Un-fassbar was ich da wieder gemacht hab, ich mein, hallo?"

  • Vor 8 Jahren

    Franky Kubrick soll ja auch wieder n Album bringen. Wird bestimmt Burner. Sein erstes Album war ja schon ein absoluter Klassiker, sollte jedem Professor der Wackologie bestens bekannt sein! :lol:

  • Vor 8 Jahren

    finde das interview größtenteils gelungen über teile aber zu langatmig. sind mal andere fragen als in den ganzen interviews auf den kiddie pages. was ich mich bei laas immer frage...wieso mutierte er vom talent zum lauch? nur weil er zulange mit savas chillte? mich würde auch mal interessieren ob er wirklich noch an einen durchbruch glaubt oder das ganze nur aus liebe zum spiel durchzieht

  • Vor 8 Jahren

    Ich konnte mir nichtmal dieses Battle über die volle Länge angucken.
    Das lag nicht am Text oder an der Technik, beides zweifelsfrei sehr gut.

    Aber erstens konnte ich seine total aufgeregt merkwürdige Visage nichtmehr dabei sehen und zweitens seine unfassbar nervige Stimme nichtmehr ertragen.

    In so einem Acapella - Battle sind die ersten 2 genannten Bereiche sicher sehr wichtig.
    Jedoch finde ich es genauso wichtig dass der battlende Artist Ausstrahlung/Charisma hat.

    Wenn dann da jemand steht der in etwa die Ausstrahlung von Bibo aus der Sesamstraße hat und mit aufgesetzt bösem Blick an einem dicken Jungen seine haufenweise vorhandenen eigenen Minderwertigkeitskomplexe loswird, dann kann ich das einfach nicht feiern.

    Soviel zu diesem Battle.

    Ansonsten kann man sagen dass seine Karriere dadurch wahrscheinlich nur unter wirklich krassen Raphörern einen Mini-Schub bekommen wird.
    Ganz ernst gemeinter Rat an Laas Unltd.: einen kleinen Dosenladen aufmachen, zusehen dass der gut läuft und nebenbei weiter dem schönen Hobby Rap nachgehen.

    Viel Glück dafür

    • Vor 8 Jahren

      Achte auf dein Hinterbein, denn es könnte Shiml sein!!

      :D

    • Vor 8 Jahren

      Schlimm wenn ich das nicht so ganz verstehe? :D

      Meinst du damit dass man den Text auch auf Shiml beziehen könnte?

      Der ist auch i.wann sehr belanglos geworden, aber "Hinterm Horizont" ist meiner Meinung nach ein Klassiker.

    • Vor 8 Jahren

      besser als CREAM kann man das nicht beschreiben, so true.

    • Vor 8 Jahren

      @CREAM:

      Nee, beziehe mich auf Shimls Auftritt beim Feuer über Deutschland-Battle, wo er total nervös war und richtig übel verkackt hat ;)

      http://www.myvideo.de/watch/8398016/Feuer_… (ab 7:40)

      Wobei...bis auf Favorite und der fette Pillath waren alle kacke in der Runde, nur Shiml stach da halt noch negativ raus :lol:

      Die FüD-Macher mussten da wohl ziemlich viel rausschneiden, weil vieles ultra-wack war...u.a. fehlt Jasons Part komplett :D

      Boah, Pillath mit seinem Ami-Style..."Watch me - beobachte mich!", "Get the fuck outta here" "Brrrrakk" etc :D :D aber ganz coole Punchlines

    • Vor 8 Jahren

      achsooo, ja der Auftritt ist mir bekannt und tatsächlich ein Beispiel wie man es nicht machen sollte.

      Shiml ist aber auch absolut kein Rapper für solche Sachen da bei ihm immer die Stärke das Zusammenspiel aus Beats und seiner Stimme cool war.
      Seine Stimme alleinstehend jedoch eher ... sagen wir mal... unisex :D

      Pillath zeigt hier mal wieder dass er ein guter Rapper ist aber auch ein Beispiel für die Art von ami-gebitetem Rap die man in Deutschland gottseidank nur noch eher selten hört :D

      Und zu Favorite brauch man wohl nix sagen, genialer Typ

    • Vor 8 Jahren

      Der favepart bei diesem battle ist ohnehin schon kult! :D