laut.de-Kritik

Sommer, Sonne, Schlager im Bossagewand.

Review von

Das Cocktailglas ist mit einem Papierschirmchen verziert, die Kirsche schmeckt nach reinem Zucker und das alkoholische Getränk selbst? Das schmeckt wie der Sommerurlaub, den wir nie gehabt haben, Baby. Denn eigentlich war das damals im italienischen Caorle gar nicht so romantisch, dauernd dieser Scheißsand in den Klamotten, das Hotel war sogar richtig unter aller Sau und die Pizza meistens kalt.

Egal, Love, wären wir damals glücklich gewesen, dann hätten wir wahrscheinlich genau diese Lieder gehört. Diese Schlager-Kleinoden voll von anachronistischer Liebe und Sehnsucht, diese Traumschiffmelodien und Liebesgeschichten, alle mit großen Hang zum großen Gefühl. Weil: richtig guter Schlager, der geht eigentlich immer. Und mit Bossa Nova kann man ja auch generell nichts falsch machen, Bossa-Adaptionen gehen immer runter wie Öl und riechen nach Sonnencreme und dem Plastik von Wasserbällen.

Klee haben sich, gemeinsam mit dem Produzenten Olaf Opal auf ihrem Album "Hello Again" vorgenommen, Schlager-Lieder in luftige Bossa-Klamotten zu stecken. Schon der Titel zeigt, dass sie hier in puncto Songauswahl nichts falsch gemacht haben. Neben Howard Carpendale sind aber auch die Stücke von Udo Jürgens, Udo Lindenberg und Roland Kaiser aber auch beispielsweise Gilbert Becaud vertreten. Das Rezept und somit die musikalische Marschrichtung für die musikalische Cocktailparty ist von Anfang an klar wie José Cuervo: Gitarre, Klavier, Bass und dazu ein paar Bossarhythmen, dazu die chansonhafte Stimme von Suzie Kerstgens ... fertig ist die Easy-Listening-Party. Ironie braucht es hier nicht, es ist Sommer, man will feiern, sich in Sehnsucht baden und einen Lenz machen.

Ein Dutzend Stücke kommen einem auf "Hello Again" in Badeschlappen entgegen, augenzwinkernd und anschmiegsam. Allesamt alte Bekannte, manche ein wenig in die Jahre gekommen, manche leicht angetrunken, manche mit Hawaii-Hemd und Bierbauch. "Hello Again" von Howie Carpendale beweist seine ewige Substanz, Reinhard Meys "Über Den Wolken" stört nicht weiter, "Ohne Dich" von der Münchner Freiheit steht die Entbierzeltisierung gut, und Udo Lindenberg? Dessen "Ich Lieb Dich Überhaupt Nicht Mehr" funktioniert auch mit Strohhut statt Udo-Krempe und kommt in Moll-Kadenzen daher, über die auch Sven Regener gut nölen hätte können.

Ansonsten ist "Hello Again" ereignislos wie ein Tag am italienischen Strand. Die Sonne scheint, gilbt die Bilder, alles klingt gleich, gleich schön, gleich ereignislos, gleich tiefenentspannt. Irgendwann ist auch die letzte Melodie im Sonnenuntergang entschwunden, wir bestellen noch einen bunten Drink und merken beim Weg ins Hotel, dass wir schon gut einen im Tee haben. All inclusive, mit Sonnenbrand und Kater am nächsten Tag, aber das ist der Preis für Abende voller Ferienort-Romantik und Schlagerschwärmereien.

Am nächsten Tag schmeckt der Morgencappuccino nach Automatenkaffee, mit Liegestuhl am Strand bekommen ist es Fehlanzeige, aber der Traum ist nicht ausgeträumt. Leg noch mal die CD ein, Baby, vielleicht wird sie ja zumindest diese eine Woche unser Soundtrack werden, bis wir uns wieder ins Auto setzen, dass eine Woche lang nicht im Schatten gestanden hat, und nach Hause fahren.

Trackliste

  1. 1. Immer Wieder Geht Die Sonne Auf
  2. 2. Hello Again
  3. 3. Butterfly
  4. 4. Über Den Wolken
  5. 5. Du Bist Nicht Allein
  6. 6. Ich Lieb Dich Überhaupt Nicht Mehr
  7. 7. Ohne Dich
  8. 8. Es Geht Eine Träne Auf Reisen
  9. 9. Nathalie
  10. 10. Manchmal Möchte Ich Schon Mit Dir
  11. 11. Barfuss Im Regen
  12. 12. Unser Freies Land

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