laut.de-Kritik

Gebt der Frau was zum Lutschen. Irgendwas!

Review von

Musik soll bewegen. Sie soll Emotionen wecken, darf den Hörer auf gar keinen Fall kalt lassen. Herzlichen Glückwunsch, Kesha! Mission erfüllt. Die offene Frage bleibt: Darf man diese zu Schallwellen transferierte Gülle ungestraft als "Musik" bezeichnen?

Nein, kalt lässt "Warrior" nicht. Das könnte auch der Redaktionspraktikant feststellen, wenn er sich heute noch Prügel einfängt. Nicht etwa, weil er sie verdient hätte, nö. Er sitzt nur gerade zufällig in Reichweite.

Schon lange habe ich keine Platte mehr hören müssen, die mich in ähnlich aggressive Stimmung versetzt hat. Ich möchte mit bloßen Händen auf einen Sandsack einprügeln. Oder gleich mit einem handlichen kleinen Morgenstern. "Hey, aha, it's Kesha, let's do it." Danke. Nein.

Schwer zu entscheiden, was mehr nervt: Keshas schmerzhaft grelle, zudem von vorne bis hinten effektüberkleisterte Stimme? Ihre nölige, angepisste, durch und durch unsympathische Attitüde, in der sie ihre ach so rebellischen Rapzeilen von sich gibt? Überhaupt die ganze schrecklich aufgesetzte Unangepassheit? Sucht es euch aus.

Zu den "Crazy Kids" will Kesha mit aller Gewalt gehören. "We are the misfits. We are the bad kids." Böse, durchgeknallt, cool, verdorben - so erschiene sie verzweifelt gern. Blöd nur, dass man Kesha all das in etwa genauso abnimmt wie einst Avril Lavigne das Punk-Skatergirl. Können Kommerzmäuschen nicht einmal einfach zugeben, dass sie genau das sind?

Worin die allerorten beschworene "revolution" stecken soll, "la-iii-aight" auf "na-iii-aight" und "ta-iii-aight" zu reimen, darf mir gerne erklären, wer sich dazu berufen fühlt. Ich erhoffe mir bei der Gelegenheit auch gleich die Aufklärung einiger weiterer Mysterien.

Wozu zum Teufel braucht man für jeden einzelnen dieser Billig-Tracks drei bis sechs Autoren, wenn Texte und Melodien nur aus dem Hitbaukasten zusammengewürfelt wurden? Warum müssen stets zwei bis drei Produzenten die Finger im Spiel haben, wenn dann doch nur Partygrütze der einfallslosesten Sorte herauskommt? Schaffen sie es alleine nicht, jeden verfügbaren Knopf am Mischpult zu drücken? Mussten sie sich gegenseitig den Übelkübel halten?

Die vielen Köche verderben den Brei aus längst hundertfach recycleten Elementen jedenfalls nachhaltig, biedern sich eifrig bei jedem Trend an, der nicht schnell genug den nächsten Baum hochkommt. Synthies, Rockgitarren, Ballermann-Bummsbeats, Autotune und noch ein paar Rockgitarren: Man meint, ein lauwarmer Aufguss - wahlweise von "Harder, Better, Faster, Stronger", "Black Betty", Uncle Krackers "Follow Me" oder "In The Air Tonight" -folge dem nächsten.

Darüber, was Iggy Pop dazu getrieben haben mag, diesem Schwachsinn einen Featurepart beizusteuern, wage ich noch nicht einmal zu spekulieren. Seine Gegenwart weckt dennoch ein tiefes Glücksgefühl: "Warrior" gewinnt mit jeder Sekunde, in der Kesha nicht ins Mikrofon kreischt. "C'mon"! Vielleicht erbarmt sich ja doch noch jemand und gibt der Frau was zum Lutschen, "like a lollipop". Irgendwas! Hauptsache, sie hat den Mund voll. Der Praktikant wird es ihm danken.

Trackliste

  1. 1. Warrior
  2. 2. Die Young
  3. 3. C'mon
  4. 4. Thinking Of You
  5. 5. Crazy Kids
  6. 6. Wherever You Are
  7. 7. Dirty Love feat. Iggy Pop
  8. 8. Wonderland
  9. 9. Only Wanna Dance With You
  10. 10. Supernatural
  11. 11. All That Matters (The Beautiful Life)
  12. 12. Love Into The Light

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117 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Ein Keshaverriss von Dani... schön dass man sich heutzutage noch auf was verlassen kann...

  • Vor 7 Jahren

    juhu. Wenn sie sich denn wenigstens nicht an scheisse anbiedern würde.
    Aber wenn man Scheisse abkupfert und neu anmalt bleibts scheisse.
    Und damit schliessen wir mit einem Blick aufs Cover und einem Zitat von Monty Python: "du hast wundervolle Schenkel".
    zumindest Stramm. Eieieieiei.

  • Vor 7 Jahren

    juhu. Wenn sie sich denn wenigstens nicht an scheisse anbiedern würde.
    Aber wenn man Scheisse abkupfert und neu anmalt bleibts scheisse.
    Und damit schliessen wir mit einem Blick aufs Cover und einem Zitat von Monty Python: "du hast wundervolle Schenkel".
    zumindest Stramm. Eieieieiei.