laut.de-Kritik

Fünf Testballons für die Marktforschung.

Review von

Innerhalb von zwei Jahren gelang es KeKe, sich den dominierenden Cloud Rap anzueignen und mit Persönlichkeit zu versehen. Insbesondere ihr Song "Paradox", auf dem sie sich ihren Ängsten widmet, formte ihr Profil in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Cover ihrer ersten EP "Donna" verspricht eine Reise in wolkige Höhen. Doch während sie darauf noch als bezaubernde Jeannie vor babyblauem Hintergrund in fünffacher Ausfertigung tanzt, steigt sie mit einem humorlosen Trap-Brett in die EP ein: "Fick auf alles, kein Floskel."

Dabei trieft "Intro (Donna)" selbst vor Plattitüden: "Weiß, wo ich herkomm'. Weiß, wo es hingeht." Ausgehend von nichtssagend stumpfen Versen steigert sie sich in ekstatische "Donna"-Ausrufe hinein. Abgesehen von der Erkenntnis, dass sich auch Frauen ignorant geben können, fehlt das originär Weibliche, das im Aufschrei mitschwingt. "Alles Gut" schaltet im Anschluss einen Gang herunter. Nicht nur das Instrumental kommt weniger basslastig daher, auch KeKes Vortrag erhält durch Autotune eine Abfederung. Inhaltlich beschreitet sie aber weiter triviale Wege.

Spannende Geschichten verlangen nach einem Konflikt. KeKe konstatiert "Bis hierhin lief alles gut", ohne analog zu "La Haine" zu ergänzen: "Wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung." Das wäre zwar ein Rap-Klischee, aber davor scheut sie ohnehin nicht zurück: "Noch vor ein paar Jahren war ich für euch Luft. Jetzt ruft ihr an und ihr macht auf cool." Im Schnelldurchlauf folgt sie dem gängigen Genre-Narrativ. Erst vollzieht sie den Aufstieg, dann erfolgt die parasitäre Belagerung. Nun fehlt nur noch das Klagelied über die Hater, um mit PA Sports "Keine Tränen" auf Du und Du zu stehen.

Und tatsächlich folgt KeKe diesem Gedanken bereits im folgenden Song "Malibu": "Geb' kein' Fick auf all die Hater." Die Vorhersehbarkeit fällt ebenso erschütternd aus wie die Belanglosigkeit des Songs. Zu sommerlichen Vibes und Autotune-Gesang steckt die Österreicherin ihre "Füße in den Sand", läuft die Küste entlang und will nicht weiter behelligt werden. Auch wenn es den Gaddafi Gals auf "Temple" an Nachdruck fehlte, hat das Bandmitglied Ebow auf ihrem Soloalbum "K4L" doch unter Beweis gestellt, dass sich sphärischer Trap mit kritischen Inhalten unterfüttern lässt.

Mit klarem Konzept reißt sie die EP mit "Egal" aus dem Tief heraus. Frei von Vulgarität beschreibt sie im stärksten Song ihre Absicht fremdzugehen: "Du sagst, du betrügst nicht. Hör', was du sagst, doch dein Blick, der lügt nicht." In intimer Atmosphäre gibt KeKe einen sehr persönlichen Einblick in den Mikrokosmos einer kurzlebigen Zweierbeziehung. "Magst wie ich tanz', ich mag wie du zusiehst", haucht sie in das Mikro, ohne dabei die Dominanz über das Instrumental zu verlieren. Ihren Gesangskünsten ließe sich wohl optimalerweise zu einem Single-Malt-Whisky in einer Bar lauschen.

Ihre Ausbildung zur Jazz-Sängerin sticht auch im letzten Song "Wolfau" hervor. Mit zarter Stimme und wenigen Worten skizziert sie interpretationsoffene Szenerien: "Schwarze Tass, Mate-Tee, rauchst am Küchentisch und ich stehe im Zwielicht." Der nach einer österreichischen Gemeinde benannte Song schließt inhaltlich am ehesten an ihre Videosingle "Paradox" an. Immer wieder schimmern die inneren Dämonen durch den samtweichen Vortrag: "Reib' das Salz aus den Augen und frag' mich: Steht sie heute auf? Wohl eher nicht, weil nichts auf sie wartet."

So vollzieht "Donna" einen übergroßen Bogen. Mit gerade einmal einer Handvoll Songs vermittelt die EP einen geradezu absurd inkohärenten Eindruck. Vielleicht handelt es sich auch schlicht um fünf Testballons der Universal-Abteilung Markforschung, die dann Auskunft darüber erteilen, ob das Debütalbum eher trappig ("Intro (Donna)") oder jazzig ("Egal") ausfallen, mit hoch- ("Alles Gut") oder herunterreguliertem Autotune ("Egal") versehen sein, mit persönlichen Bezügen ("Wolfau") oder oberflächlich ("Malibu") daherkommen sollte.

Trackliste

  1. 1. Intro (Donna)
  2. 2. Alles Gut
  3. 3. Malibu
  4. 4. Egal
  5. 5. Wolfau

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2 Kommentare

  • Vor 28 Tagen

    Find die EP mega schwach, Donna bester Song,lustiger Weise in der Rezi so wie es sich ließt der schlechteste Song? Für mich 1/5 Sternen.

  • Vor 24 Tagen

    hmmm fand die ep eigentlich ganz gut, gerade WEIL sie so diverse titel enthält. eine ep oder gar ein album voll mit "egal" rumgehauche ("egal" guter song, keine frage, der klischeebefreit über ein thema spricht, was wohl jede/r kennt) fände ich genauso anstrengend wie nur songs im ufo style à la "alles gut", auch wenn die noch so gut knallen. lirumlarum, finde die ep schon echt gut. 3/5 oder sogar 4/5.