Porträt

laut.de-Biographie

Julia Neigel

"Ich bin kein sonderlich femininer Typ, möchte mich eigentlich eher als ein bißchen maskulin bezeichnen", sagt Jule Neigel über sich: Eine Selbsteinschätzung, die man so sicher nicht erwartet hätte. Ohne die "männlichen" Attribute Durchsetzungskraft und Stehvermögen jedoch wäre die Rock-Sängerin kaum da, wo sie heute ist. Ohne die Eigenschaften wäre sie nämlich nach 1998 nicht nur in der Versenkung verschwunden, vielmehr würde sie auch als psychisches Wrack dahin vergetieren. Aber der Reihe nach.

Julia Neigel - Ehrensache
Julia Neigel Ehrensache
Die Gastsängerin von Silly fischt in Deutschpop-Gewässern.
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Julia Neigel kommt 1966 im sibirischen Banaul zur Welt. Ihre Familie gehört dort zur Minderheit der Russlanddeutschen. Ihre Kindheit verbringt sie im Moldawischen Tiraspol, ehe sie mit den Eltern ins pfälzische Ludwigshafen übersiedelt. Ihre ersten musikalischen Gehversuche bestreitet sie mit der Hopp'n Ex Group, ehe sie sich 1986 The Stealers anschließt aus der 1987 die Jule Neigel Band hervor geht.

Da sie das Glück hat, über eine begnadete Stimme zu verfügen bietet es sich fast an, eine Mischung aus Blues, Soul und Rock zu kreieren, die ihrem Organ einen angemessenen Raum lässt. 1988 steigt sie mit der Single und dem gleichnamigen Album "Schatten An Der Wand" hoch in die Charts. In der Folge erhält sie von deutschen Musikpostillen bis einschließlich 1992 die Auszeichnung als Beste Deutsche Sängerin. "Der Rebell" und "Nie Mehr Miese Zeiten" folgen dem Titeltrack in der Erfolgsspur, der Name Jule Neigel ist somit bereits nach einem Album in der bundesrepublikanischen Musikszene fest etabliert.

Oder vielmehr der Name 'Jule Neigel Band', obwohl eigentlich der gesamte Fokus der Aufmerksamkeit auf der Sängerin liegt und es letztendlich keinen interessiert, wer da sonst noch in der Band noch Musik macht.

Nach drei Alben endet der Vertrag mit Intercord. Nach "Wilde Welt" sowie "Nur Nach Vorn" erscheint noch die Best Of "Die Besten Songs", ehe von Sony/BMG 1994 "Herzlich Willkommen" geheißen wird. Diese Scheibe ist auch die erste, die ohne Zuhilfenahme anderer Produzenten entsteht. Bei ihren Fans kommt sie nach wie vor gut an, nur die schreibende Zunft will am Neigel-Output nicht so viel Gefallen finden. Die Nörgler stellt sie erst 1996 mit dem äußerst gelungenen "Sphinx" wieder ruhig.

Selbstredend ist Julia ständig live auf der Bühne zu bewundern. Nicht umsonst gilt sie als eine der professionellsten Sängerinnen des Landes. Auf ihrem Album "Alles" erweitert sie ihre stilistische Bandbreite noch. Anstelle des eher melancholischen Blues treten funkigere Rhythmen.

Geblieben sind die deutschen Texte. Wie immer bringt die Neigel viel Privates ein, was mitunter für den ein oder anderen die Grenze zur Peinlichkeit streift. Das ruft wieder die Spötter auf den Plan. Hierzulande Rockmusik in der Muttersprache anzubieten, ist immer noch nicht selbstverständlich. Nicht umsonst ist Jule Neigel mittlerweile eng mit Peter Maffay befreundet: "Denn wir beide polarisieren in fast schon perversem Maß, unsere Arbeit wird jedesmal mit besonderen Maßstäben gemessen, bloß weil niemand verstehen will, daß ein offensichtlicher Bedarf nach unserer Musik besteht." Für ihn schreibt sie auch diverse Songs.

Als 1998 die CD erscheint, ahnt noch niemand, dass diese Veröffentlichung die letzte für acht Jahre sein wird. Denn zwischen Jule, ihre Bandkollegen Axel Schwarz (Keyboards) und ihrem zeitweiliger Lebenspartner Andreas Schmid-Martelle (Gitarre) entwickelt sich eine langwierige gerichtliche Auseinandersetzung mit gegenseitigen unschönen Beschuldigungen. Unter anderem geht es dabei um Urheberrechte an gemeinsam verfassten Songs. Der Streit mit den ehemaligen Weggefährten verhindert auch ein früheres Comeback, denn die beiden gingen gerichtlich gegen Neigel vor - Julia selbst spricht sogar von Krieg.

Etwa zeitgleich räumt Neigel komplett mit ihrer Vergangenheit auf. Der Kosename Jule wandert auf die Müllhalde der Geschichte. Fortan möchte sie unter ihrem eigentlichen Namen Julia Musik machen und an alte Erfolge anknüpfen. Den Anfang macht "Stimme mit Flügel(n)", das auch als DVD erscheint: Julia Neigel solo, nur mit Klavierbegleitung. Befreit von der Vergangenheit, aber immer noch stimmgewaltig. 2011 folgt das Album "Neigelneu".

Im selben Jahr steht Julia Neigel zusammen mit dem Entertainer Ron Williams mit einem Big-Band-Projekt auf der Bühne. Außerdem sieht man sie wieder mit Unplugged- und Rockprogramm und neuer Band regelmäßig auf deutschen Bühnen. Am 2. Dezember 2011 tritt sie gemeinsam mit Peter Maffay, Udo Lindenberg, Silly und Clueso beim Festival "Rock 'n' Roll in Jena - für eine bunte Republik Deutschland" vor 60.000 Menschen auf.

2012 singt sie mit Heinz Rudolf Kunze auf dessen Werk "Ich Bin" im Duett den Song "Mit Leib Und Seele". Im August des selben Jahres ist sie als Jurorin der Talentshow "Einfach die Besten" beim SWR tätig. Im Oktober 2012 kommt ihre Biografie "Neigelnah - Freiheit, die ich meine" auf den Markt, die zusammen mit Arno Köster entsteht. Von Oktober bis Dezember 2012 sieht man Julia Neigel deutschlandweit in Peter Maffays Musical "Tabaluga und die Zeichen der Zeit" in der Rolle der "Kameliendame".

Auf dem zweiten Solo-Album des Puhdys-Sängers Dieter Birr, "Maschine", beteiligt sie sich 2014 an dem Duett "Regen". Als Duett-Partnerin begleitet sie Birr auch 2017 auf dessen Tournee. Seit 2019 ist sie Gast-Sängerin bei Silly und steht auch bei den Ostrockern live hinterm Mikro. 2020 beschreitet sie mit "Ehrensache" auch wieder solistische Wege.

Darüber hinaus macht Julia Neigel seit Beginn ihrer Karriere durch ihr außerordentliches soziales Engagement auf sich aufmerksam, etwa für Toleranz und gegen Rassismus, wofür man sie mit der Aufnahme in der Signs Of Fame ehrt.

Alben

Julia Neigel - Ehrensache: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2020 Ehrensache

Kritik von Toni Hennig

Die Gastsängerin von Silly fischt in Deutschpop-Gewässern. (0 Kommentare)

Julia Neigel - Neigelneu: Album-Cover
  • Leserwertung: Punkt
  • Redaktionswertung: 3 Punkte

2011 Neigelneu

Kritik von Artur Schulz

Die Deutschrock-Lady Nr.1 springt wieder in den Ring. (0 Kommentare)

Surftipps

  • Julia Neigel

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    http://www.julianeigel.com
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