laut.de-Kritik

Die Deutschrock-Lady Nr.1 springt wieder in den Ring.

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In der Box-Szene gehts knallhart zu: 'They Never Come Back' lautet die Devise, wenn altgediente Recken die Rückkehr in den Ring anvisieren. In der Pop- und Rock-Szene läuft es oft anders. Frisch hinein in den Comeback-Ring springt nun eine Künstlerin, die sich einst den Titel "Deutschrock-Lady Nr.1" erkämpfte - um dann für rund zehn Jahre abzutauchen (mit Ausnahme eines Live-Albums 2006). Julia Neigel schlägt 2011 wieder mit sattem Kaliber zu.

Hinter ihr liegen schwere Jahre. Nach dem großen Über-Nacht-Erfolg mit "Schatten An der Wand" und weiteren gut laufenden Alben zerstritt sich die Jule Neigel Band bis hin vors Gericht. Ebenso unglücklich verlief Julias langjährige Beziehung zu einem Mann, der sie betrog und belog. Doch die Sängerin trug das nie in der heute gängigen Soap-Manier in die Öffentlichkeit - sie regelte alles im Stillen.

Der Einstieg "Wir Sind Frei" bildet mit gepflegtem Midtempo-Pop/Rock und einer Prise Soul die persönliche Zustandsbeschreibung zum Neustart. "Wärst Du Bei Mir" nimmt mit vielfältig schillerndem Arrangement mehr Fahrt auf.

So richtig wutrockt Julia zwar selten, doch wenn, dann mit Schmackes, wie beim energischen "Wohin". Julia legt sich hier gar mit dem Allmächtigen an: "Bist du göttlich / bist du menschlich / wenn du uns bestrafst?". Gut platzierte Gospels runden die starke Nummer ab.

Überhaupt reißt ihre Stimme manch eher durchschnittlich geratenen Track noch herum: Sie beißt sich raubtierhaft fest, kratzt und faucht. Soul-Altmeister und Producer Edo Zanki leistet dabei saubere Arbeit, spart bei mancher Aufnahme aber die Ecken und Kanten aus. Einen besonders positiven Eindruck hinterlässt das spannungsvoll inszenierte "Es Kommt Zurück".

Bei genauerem Hinhören bleibt unverkennbar, dass Julia mit jedem Songtext ein Stück der unglücklichen Vergangenheit aufarbeitet. Ein solches Vorgehen gerät oft genug zur weinerlichen Nabelschau. Diese Klippe umschifft die Sängerin aber gekonnt, etwa beim Dank an die eigene Mutter ("Drei Wünsche Frei").

Sauberer Pop-Rock mit Pep und Power: Julia Neigels zweiter Anlauf startet ähnlich vielversprechend wie weiland "Schatten An Der Wand".

Trackliste

  1. 1. Wir Sind Frei
  2. 2. Wärst Du Bei Mir
  3. 3. Ich Fühl's Nicht Mehr
  4. 4. Freund
  5. 5. Wollen Wir Wetten
  6. 6. Teufel
  7. 7. Drei Wünsche Frei
  8. 8. Es Kommt Zurück
  9. 9. Wohin
  10. 10. Wer Wagt Gewinnt
  11. 11. Der Perfekte Tag
  12. 12. Froh, Dass Es Dich Gibt

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