laut.de-Kritik

Die Fußstapfen der Vorgänger: noch zwei Nummern zu groß.

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Wie einst Scooter in "Hyper Hyper" führt Newman zu Beginn des eröffnenden Titelsongs seine Idole ins Feld, sortiert nach Jahrzehnten. Elvis, The Beatles, The Rolling Stones, Jimi Hendrix, James Brown, Michael Jackson, 2Pac und viele, viele mehr. Ein durchaus spannender Einstieg, an dessen Ende, "right now", also John Newman stehen soll.

Die Stimme der beiden Rudimental-Singles "Feel The Love" und "Not Giving In" weicht nun, auf seinem Solo-Debüt, vom Drum'n'Bass und Wooble-Bass ab. Diese ersetzt eine kauzige Mischung aus Motown und Eurodance. Bombastische Streicher treffen auf schmierige Keyboards und billige Claps aus dem Ein-Euro-Laden. Der Kik hängt voller Geigen.

Die Arrangements plustern sich auf wie Pfauen. Der nächste Schritt muss immer noch lauter, noch größer und noch gewaltiger ausfallen. Wie ein Handwerker legt Newman Soundschicht über Soundschicht und steht am Ende vor einem Gebilde, das selbst Bischof Tebartz-van Elst zu protzig erscheinen dürfte.

Ganz klein in seinem überdimensionalen Klangpalast, der nebenbei so manch mittelprächtige Songidee und einfältigen Refrain übertünchen soll, kennt der Rudolph Moshammer des Soul kaum noch eine anderen Ausweg, als Zeter und Mordio zu schreien. Immer und immer wieder brüllt sich Newman mit seiner markanten Stimme die Seele aus dem Leib. Dabei vergisst er, dass Emotionen nicht aus Lautstärke entstehen.

In den überladenen Tracks bleibt kaum noch Raum, um Unterschiede auszumachen. Unglücklich gewählt, folgt auf "Love Me Again" "Losing Sleep", in dessen Chorus Newman immer wieder "Please don't stop loving me" singt und so die Ähnlichkeiten der einzelnen Stücke miteinander noch deutlicher macht. Das ewig gleiche Gefüge führt schnell zu Überdruss.

Newmans einzige Karte bleibt das große tragische Theater. Findet sich nach dem vom Euro-Trash befleckten "Try" mit "Out Of My Head" die einsame Ballade auf "Tribute", lässt sich dies nicht am Vortrag des Sängers ausmachen. Der kennt nur eine Richtung. Die Variationsmöglichkeiten seiner Stimme scheinen begrenzt. Ob er nun eine ruhige Nummer oder ein Upbeat-Song zum Besten gibt, lässt sich einzig an den Kompositionen in seinem Rücken festmachen.

Mit "Running" gelingt dem Briten jedoch noch eine kleine Überraschung. Anstatt sich, wie so oft auf "Tribute", im Weg zu stehen, bilden Tubular Bells, Bläser, Geiger und Leo Taylors getriebenes Schlagzeug eine spannende Einheit. Dabei schlägt der dynamische Track in eine ähnliche Kerbe wie Emeli Sandés "Heaven" und Massive Attacks "Unfinished Sympathy".

Die Fußstapfen seiner Vorbilder bleiben für Newman noch zwei Nummern zu groß. Am Ende von "Tribute" kommt man sich vor, wie nach dem Besuch des letzten "Transformer"-Films. Viel Bumm, viel Brrrzzzt, viel Wrrmmmt. Ein lärmender, kurzweiliger Spaß, von dem nicht viel hängen bleibt.

Trackliste

  1. 1. Tribute
  2. 2. Love Me Again
  3. 3. Losing Sleep
  4. 4. Easy
  5. 5. Try
  6. 6. Out Of My Head
  7. 7. Cheating
  8. 8. Running
  9. 9. Gold Dust
  10. 10. Goodnight
  11. 11. All I Need Is You

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6 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    "Love me again" hat mir sehr gut gefallen, von daher hatte ich mich auf das Album gefreut. Leider haben sich meine schlimmsten Befürchtungen erfüllt, ich bin nicht über Song 4 hinaus gekommen und kann mich immerhin an dieser Rezension amüsieren :D

  • Vor 7 Jahren

    Stimmt, "Love Me Again" hat mich auch auf die falsche Fährte gelockt. Ist zwar musikalisch insgesamt nicht so wirklich meins, aber da hatte ich dann doch mehr erwartet.

  • Vor 7 Jahren

    This is just a tribute! You gotta believe it!

  • Vor 7 Jahren

    Also "Cheating" ist noch ein zweiter absoluter Reißer neben "Love me again". So gibt es wenigstens schonmal mehr gute Stuecke auf dieser Scheibe als bei 70 % aller Alben in den Charts.

    Die Platte ist m. E. nicht so schlecht wie sie gemacht wird.

  • Vor 7 Jahren

    Sicherlich ist "love me again" das beste Lied, dicht gefolgt von "cheating" und vier weiteren gut anzuhörenden Liedern. Bei 11 Tracks ein guter Schnitt im Vergleich zu vielen anderen Alben. Das "überladene" ist halt die Art von Musik, sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Bei "Metallica" mit Orchester wird das "große...Theater" auch akzeptiert. Das sich die Lieder ähneln, liegt auch an der markanten Stimme. Sehenswert sind sicherlich beide Video-Versionen zu "l.m.a."...spitzen Tänzer, gut geschnitten, kein Geschnörkel (vielleicht etwas Werbung für 'Fred Perry'!?)...und tanzen kann er auch

  • Vor 7 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 8 Monaten durch den Autor entfernt.