laut.de-Kritik

Beeindruckende Coversammlung des früh verschiedenen Genies.

Review von

Wenn ein Label seine Archive entstaubt, um aus bisher unveröffentlichtem Material eines Künstlers posthum eine Compilation auf den Markt zu werfen, stinkt das erst einmal nach schneller Kohle. Oft genug bleibt der Eindruck, dass die Veröffentlichung nicht im Interesse des Verstorbenen gewesen wäre, weil längst nicht jedes skizzenhafte Demo für ein Publikum gedacht war. Zuletzt entstand dieser Eindruck auf geradezu infame Weise beim Kurt Cobain-Nachlass "Montage Of Heck: The Home Recordings".

Im Falle von Jeff Buckley wollte Sony eigentlich Bonus-Material für die Jubiläumsausgabe des ikonischen "Grace"-Albums zusammensuchen. Gefunden hat das Label dabei nicht nur zwei ungeschliffene Rohdiamanten der Buckley-Songs "Grace" und "Dream Of You And I", sondern auch eine Reihe von bislang ungehörten Coverversionen des elegischen Songwriter-Genies. Darunter Stücke von Bob Dylan bis Led Zeppelin.

Seine Berechtigung hat die Zusammenstellung "You And I" schon alleine deshalb, weil Covers im Schaffen von Buckley immer schon einen hohen Stellenwert genossen haben. Seine Version des Leonard Cohen Songs "Halleluja" gehört zweifellos zu den besten Coversongs aller Zeiten.

Buckley verstand es, sich mit seiner formidablen Stimme und seinem einzigartig geruhsamen und filigranen Gitarrenspiel, eine fremde Komposition so sehr zu eigen zu machen, dass daraus etwas betörend Neues resultierte, ohne dabei den Kern des Originals zu verletzen.

"You And I" stellt das einmal mehr unter Beweis: Die Version von "Just Like A Woman", im Original von Bob Dylan, entlarvt den eigentlichen Urheber geradezu als einfältig. Buckley gibt dem Song eine Dynamik, wie sie Dylan nie kannte.

An den beiden The Smiths Songs "The Boy With The Thorn In His Side" und "I Know It's Over" von deren Referenzwerk "The Queen Is Dead", wird wiederum selbst der notorisch missmutige Morrissey nur wenig zu kritisieren haben. Buckley bleibt in beiden Fällen eng am Original, die Magie ziseliert allein in Form seiner außergewöhnlichen Stimme in die sinisteren Hymnen.

Selbst dem Heavy-Blues war Buckley offenbar nicht abgeneigt. Mit "Night Flight" covert er Led Zeppelin für die Bühne der rauchigen Spelunken und begegnet im Falsett auch Robert Plant fast auf Augenhöhe.

Im Vergleich dazu wirkt das Demo zur Eigenkomposition "Grace" annähernd spröde. Die reichhaltigere Instrumentierung der Album-Version steht der enthusiastischen Schwermut besser zu Gesicht als das puristische Gedängel, das bereits 1993 aufgenommen wurde. Man muss es so nehmen, wie es ist: Die erste solide Version einer späteren Großtat.

Nichtsdestotrotz untermauert der Schwanengesang von "You And I" die traurige Gewissheit, dass Jeff Buckley eine deutlich größere Karriere beschieden gewesen wäre, hätte die Welt nicht einen der begnadetsten Folk-Musiker der Post-Grunge-Ära viel zu früh durch einen Badeunfall verloren.

Trackliste

  1. 1. Just Like A Woman
  2. 2. Everyday People
  3. 3. Don't Let The Sun Catch You Cryin'
  4. 4. Grace
  5. 5. Calling You
  6. 6. Dream Of You And I
  7. 7. The Boy With The Thorn In His Side
  8. 8. Poor Boy Long Way From Home
  9. 9. Night Flight
  10. 10. I Know It's Over

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