laut.de-Kritik

Autoscooter-Beats gegen die Italien-Sehnsucht.

Review von

Seit jeher pflegen viele Deutsche ein besonderes Verhältnis zu ihren geschichtsträchtigen Nachbarn in Südeuropa. Insbesondere in den beschwerlichen Zeiten der Pandemie greift die Italiensehnsucht um sich. Mit "Ciao!" schafft der Sänger und zukünftige ZDF-Moderator Giovanni Zarrella nun Abhilfe. Nach seinem Dreifach-Gold-Album "La Vita È Bella" greift er sich erneut ein Bündel Schlager aus hiesigem Anbau, um sie in ein italienisches Gewand zu kleiden. Ihm selbst gehe es laut Pressetext "um sommerliche, tanzbare, nach Zuversicht klingende Songs".

"Buonasera, ragazzi, ciao." Betont höflich begrüßt Giovanni Zarrella sein Publikum im eröffnenden "Ciao!", das sich direkt an einer Hymne mit gehörigem Nerv-Potenzial bedient. Zur verträumt spielenden Klampfe überführt er Opus' "Live Is Life" ins Italienische. Und da sich viele Deutsche bei aller Reiselust keinen Deut um die Landessprache scheren, behält der Sänger klugerweise den charakteristischen Refrain bei ("Na na, na, na, na"). Inmitten all dieser fremdartigen Wörter verbleibt somit ein sprachlicher Anker für die singfreudige Anhängerschaft.

Das Spiel wiederholt sich in "Hulapalu" nach dem grauenhaften Après-Ski-Hit von Andreas Gabalier ("Ho-Dio-Dio"), zu dem Jan Böhmermann jüngst alles Notwendige gesagt hat, sowie "Ci Sarai", eine Adaption von Nenas "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann". Pietro Lombardi gibt dem desorientierten Publikum Halt, indem er gelegentlich deutsche Verse aus dem Original zitiert. So albern die Vorlage in weiten Teilen wirkt, repräsentiert sie doch eine musikhistorische Entwicklung. Zusammenhanglos wie der Eiffelturm im dazugehörigen Musikvideo stürzt diese Version des Lieds "durch Raum und Zeit".

Zumeist pickt Giovanni Zarrella die Songs mit einem niedrigen Niveau, um dieses noch einmal zu unterbieten. Neben "Bellissimo" eröffnet Wolfgang Petrys "Verlieben, Verloren, Vergessen, Verzeih'n" emotionale Tiefen. Das wie die Titelmelodie einer 80er-Jahre-Sitcom klingende "Hör Gut Zu" von Pur verwandelt sich zu "Solo Musica". Und "Dietro L'Orizzonte" erinnert kaum an Udo Lindenbergs "Hinterm Horizont". Musikalisch überträgt Produzent Christian Geller alle drei Stücke in den Autoscooter, der keine Ähnlichkeit mit dem Land aufweist, wo die Zitronen blühen.

Die maximale Abweichung hebt sich der gebürtige Hechingener für "Lei È Solo Mia" auf. Witzlos und ungenießbar schlägt er mit dem Rummelbums-Beat auf das putzig unschuldige "Er Gehört Zu Mir" von Marianne Rosenberg ein. Glücklicherweise geht er nicht mit allen Vorbildern auf diese rabiate Weise um. "Le Rose Blu" überführt Michael Holms "Tränen Lügen Nicht" ohne Personenschaden ins Jahr 2021. Auch Sarah Connor darf sich glücklich schätzen. Weitgehend akkurat adaptiert Giovanni Zarrella ihr "Wie Schön Du Bist" aus "Muttersprache" in die italienische Sprache.

Vorab verkündete Zarrella auch einige Eigenkompositionen. Das Verkaufsargument, hiesiges Liedgut grün, weiß und rot anzustreichen, hätte er als Trojanisches Pferd begreifen können, in dem sich ernst gemeinte italienische Songs verstecken. Doch "Hallelujah, Hallelujah" entpuppt sich mit seiner billigen Plastik-Produktion als schlimmster Song des ganzen Albums. Und das schlicht "Amore" getaufte Stück klingt nach schmalziger Telenovela. So verspielt der Sänger die Gelegenheit, seinem zweiten Cover-Album noch eine Prise Persönlichkeit abzuringen.

Trackliste

  1. 1. Ciao!
  2. 2. Bellissimo
  3. 3. Ci Sarai (mit Pietro Lombardi)
  4. 4. Sei Bella Tu
  5. 5. Solo Musica
  6. 6. Hulapalu
  7. 7. Joana
  8. 8. Hallelujah, Hallelujah
  9. 9. Basta! Basta!
  10. 10. Amore
  11. 11. Ruf Mich An (mit Howard Carpendale)
  12. 12. Dietro L'Orizzonte
  13. 13. Lei È Solo Mia
  14. 14. Forza Ragazzi
  15. 15. Le Rose Blu

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