laut.de-Kritik

Der Billy Idol des Rap haut uns Sex, Drugs und Hip Hop um die Ohren.

Review von

Na Ferris, dat hat ja lang gedauert mit dem ersten richtigen Album. Fast wäre der norddeutsche Freak und Pornorapper in Vergessenheit geraten. Wenig Features und wenig neue Songs, doch wie Phönix aus der Asche steigt der selbsternannte Asi plötzlich mit einem Billy Idol-Cover ("Flash For Ferris MC") empor zu neuen Video-und Chartsehren. Da ist auch nicht so wichtig, dass die Single zwar einen gewissen Charme besitzt, aber im Großen und Ganzen eher lahmarschig aus den Rillen kriecht. Dafür ist das Video großer Trashsport wie Kollege Dobler mit erhobenen Zeigefinger mahnen würde. Und jetzt hält Ferris die Zeit endlich für gekommen, die Welt mit seiner ersten Platte zu beglücken.

"Fertich" ist der Titel und "fertich" ist man auch, wenn man sich durch die siebzehn Tracks hört. Das ist jetzt nicht nur negativ zu verstehen, denn schlecht ist seine Scheibe wahrlich nicht, eher anstrengend ob der geballten Gewalt-und Gossensprache. Via Sex, Drugs und Hip Hop, vermischt mit einer Prise Horror, pöbelt und kotzt sich der Rap-Punk über die bouncenden Synthie-Beats des Tobitobsen (5 Sterne Deluxe). Das funktioniert bei "Fertich", "Wie ist mein Name" und beim Eminem-mäßigen "Outro" prächtig. Sehr schön auch Ferris' wehmütige Ode an alle Groupies "Alles für nix" und die von Sleepwalker produzierte Irrenhaus-Story "Lasst mich raus".

Aber nicht selten schießt der Fertich MC auch übers Ziel hinaus. So nervt "Freaks, Asis und Mongos" mit Rock'n'Roll-Rap, "Ohne Dich" dagegen ist eine Hommage ans Kiffen im allgemeinen und Marihuana im speziellen. Das wäre ja nicht so schlimm, doch die Musik erinnert frappierend an die NDW-Phase der Goldenen Zitronen. Mit "Kann uns nicht passieren" reitet er zu allem Überfluss noch mal auf der Nu Metal-Welle herum. Mit von der Partie sind hier die Crossoverleute von Such a Surge. Auch wenn der Refrain mit Echt-Appeal daherkommt, kann das Stück nicht überzeugen. Absoluter Tiefpunkt ist jedoch das oberstressige "Hartdumm an jedem Datum". Bei dem grottenschlechten Hook wird einem richtig übel.

"Fertich" ist also ein eher zwiespältiges Ergebnis, doch eins muss man dem Monster der Ceremony (seine Definition von MC) lassen. So wild, abgedreht und rotzfrech klingt momentan kein einziger Rapper in Deutschland. Selbst Punkrockern läuft er auf diesem Gebiet den Rang ab. Und schon deswegen hat Ferris MC seine Daseinberechtigung in den CD-Playern und auf den Turntables unserer Nation.

Trackliste

  1. 1. Intro (feat. DJ Stylewarz)
  2. 2. Fertich
  3. 3. Wie ist mein Name?
  4. 4. Freaks, Asis und Mongos
  5. 5. Alles für nix
  6. 6. Kettensägenmassaker
  7. 7. RM-2 (feat. Afrob)
  8. 8. Take Your Chance (Viel zu spät)
  9. 9. Flash For Ferris MC
  10. 10. Ohne Dich
  11. 11. Kann uns nicht passieren (feat. Such a Surge)
  12. 12. Bonzen Brothers Return (feat. Tobitob)
  13. 13. Hartdumm an jedem Datum
  14. 14. Es geht weiter
  15. 15. Traurig aber wahr
  16. 16. Lasst mich raus (feat. Deichkind)
  17. 17. Outro

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