laut.de-Kritik

Neuer Genre-Bastard von Neuseelands Supergroup.

Review von

Gut Ding will Weile haben. Das stimmt zwar nicht in jedem Fall, doch wenn! Eventuelle Beschwerden über die vier langen Jahre, die Fat Freddy's Drop ihre Fangemeinde ohne ein greifbares Lebenszeichen darben ließen, lösen sich angesichts des vorliegenden Zweitlings in reinstes Wohlgefallen auf. Erneut erweist sich als durchwegs von ganz exquisiter Qualität, was buchstäblich vom anderen Ende der Welt herüber wabert.

Produzent Mu hat nichts von seinem musikalischen Talent eingebüßt, eher hat er seine Fähigkeiten noch verfeinert. Seine durch und durch kunstvollen Arrangements lassen schlicht vergessen, dass sich die krassesten Gegensätze geschmeidig die Hände reichen. Der Rahmen, den sich die Neuseeländer diesmal für ihr akustisches Flanieren gesteckt haben, scheint - wenn überhaupt möglich - diesmal noch weitläufiger ausgefallen zu sein.

Elemente aus Soul, Funk, Reggae und Dub, sogar Country, fügen sich, als sei es nie anders vorgesehen gewesen, mit Elektronica. Gemeinhin als "richtige Instrumente" angesehene Gerätschaften paaren sich mit Synthesizern, collagierten Geräuschen und deren Fragmenten.

Gelegentlich aufkeimende Erinnerungen an Yellos "The Race" (wie in "Shiverman") schmälern den eigenständigen Eindruck nicht die Bohne. Die Tracks bedürfen ihrer chronischen Überlänge, um den gebotenen Detailreichtum zu fassen. Absurd, dass der Gesamteindruck trotzdem ein reduzierter bleibt?

Nicht viel absurder als der Umstand, dass Fat Freddy's Drop in absolut relaxter Atmosphäre einen Spannungsbogen nach dem anderen straff zurren. Gebannt - und zugleich lässig zurückgelehnt: Kein Widerspruch, so lange man sich fragt, welches Kaninchen die Herren wohl als nächstes aus dem Zylinder (oder dem Beutel?) zaubern.

Marschrhythmen weichen zum Auftakt von "Pull The Catch" widerstandslos runden, rollenden Bässen. Nadelspitz stechende Klänge verschmelzen mit weichen, wattigen Sounds - und wo kamen eigentlich plötzlich die funky Gitarren her? In "Breakthrough" schälen sich die Strukturen erst langsam aus dem Nebel, den, Sonnenstrahlen gleich, erst der Gesang völlig durchdringt.

Tanzbarkeit wirkt nie berechnend, sondern entsteht quasi im Vorübergehen. Überaus Club-taugliche Beats gleiten unmerklich in unwirkliche Ambient-Gefilde hinüber. Wah-Wah-Gitarren treffen auf schnurgerade Rhythmen ("Shiverman"), Reggae-Groove auf gedämpfte Bläser ("The Raft").

Ein Saxophon öffnet dem Jazz Tür und Tor ("The Camel"). Schiefe, fröhliche Bläser sorgen für schräge Bierzelt-Atmosphäre. Erdiger Blues küsst Dixieland ("The Nod"). Wo genickt wird, sind selbstredend die Rapper nicht weit.

MC Slave verziert letztgenannten Track mit seinen Reimen, während sich in "The Camel" eine wieder einmal großartige Alice Russell die Lunge aus dem Hals röhrt: Erstaunlich, dass sich Gäste finden ließen, die sich neben dem Hauptakteur am Mikrofon nicht verstecken müssen.

Joe Dukie überragt, ohne zu erschlagen, und unterfüttert seine eigenen Worte ("reaching with my heart and soul") dermaßen mit Herzblut und Seele, dass an seiner Glaubwürdigkeit keinerlei Zweifel bestehen bleiben. "I wanna wake up with the sun on my face." So sei es. Jeden Tag.

Trackliste

  1. 1. Big BW
  2. 2. Shiverman
  3. 3. Boondigga
  4. 4. The Raft
  5. 5. Pull The Catch
  6. 6. The Camel
  7. 7. The Nod
  8. 8. Wild Wind
  9. 9. Breakthrough

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