laut.de-Kritik

Wohin nun mit dem hübsch räudigen Gitarrensound?

Review von

Mit langen Zeiträumen der Nichtaktivität haben Evocation Erfahrung. In den 90ern gegründet, kam die Band über ein paar Demoaufnahmen nicht hinaus, bevor sie sich auflöste. Zwölf Jahre später rauften sich die Musiker wieder zusammen. Seitdem bestellen sie ein Feld, auf dem Todesmetall der schwedischen Schule gedeiht. Nach dem 2012er Werk "Illusions Of Grandeur" wehten wieder die Tumbleweeds über den Acker. Bis jetzt.

Viereinhalb Jahre zwischen Veröffentlichungen sind für eine Death-Metal-Band aus der zweiten Reihe entweder ein mutiger Schritt oder ein Anzeichen dafür, dass die kreativen Ideen nicht mehr sprudeln. "The Shadow Archetype" beweist leider letzteres.

Schon auf dem Vorgänger musste man sich Sorgen machten, irritierten die Südschweden doch plötzlich mit einer ungewöhnlich deutlichen Anbiederung an Amon Amarth. Diese Einflüsse gehören überwiegend der Vergangenheit an. Trotzdem drängt sich der Eindruck auf: Die Band weiß einfach nicht mehr, was sie will.

"Condemned To The Grave" und noch stärker "Imperium Fall" deathen und rollen so vor sich hin. Diese Einflüsse waren im Sound von Evocation schon vorher ansatzweise vorhanden, treten nun aber stark in den Vordergrund. Das erscheint legitim, weil die Band zur ersten Welle der klassischen Schweden-Deather gehört, will aber nicht so richtig passen. Jedenfalls nicht, wenn man gelungene Alben wie "Dead Calm Chaos" und "Apocalyptic" danebenstellt, auf denen der Fünfer aus Borås schlichtweg überzeugender und eigenständiger klang.

Auf der anderen Seite zeigen sie mit dem niederwalzenden Titelstück oder dem hübschen Klopper "Survival Of The Sickest", dass sie noch gute Songs schreiben können. Hier kommt auch der schön räudige Gitarrensound bestens zur Geltung.

Vieles rauscht leider dennoch ereignislos vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Wir reden hier nicht von blutigen Amateuren. Evocation bauen solide Riffs und erschaffen eine gewisse Atmosphäre. Nur war das alles schon mal packender. Vielleicht begeistert das Album Hörer, die noch nie auf Dismember oder Entombed gestoßen sind.

Evocation erzählten in einem 2012er Interview, der Grund für die Trennung in den 90ern seien unterschiedliche Vorstellungen über die stilistische Richtung der Band gewesen. Man habe sich nicht einigen können. Die einen wollten schnellere Songs, die anderen langsamere. Mit diesem Wissen im Hinterkopf wunderte es mich nicht, sollte hier bald wieder das Feuer erlöschen.

Trackliste

  1. 1. Into Ruins
  2. 2. Condemned To The Grave
  3. 3. Modus Operandi
  4. 4. Children Of Stone
  5. 5. The Coroner
  6. 6. The Shadow Archetype
  7. 7. Blind Obedience
  8. 8. Survival Of The Sickest
  9. 9. Sulphur And Blood
  10. 10. Imperial Fall
  11. 11. Dark Day Sunrise

Videos

Video Video wird geladen ...

Weiterlesen

LAUT.DE-PORTRÄT Evocation

Als der Death Metal Ende der 80er, Anfang der 90er in Schweden gerade seine Blütezeit erlebt, gründen Gitarrist Marko Palmen, Basser Thomas 'Tjompe' …

Noch keine Kommentare