laut.de-Kritik

Solide für ein EL*KE-Album, und das ist kein Kompliment.

Review von

"Keine Ampel kann mich stoppen/ Rotes Licht heißt für mich Poppen". - Herzlich Willkommen im EL*KE-Universum, wo Pressetexte zum neuen Album vollmundig verkünden, dass sich nun mehr als zwei Schichten unter der sehr oft sehr plumpen Fassade verbergen. Ach, tatsächlich? Dann müssen sie wirklich sehr gut versteckt sein.

Stattdessen wird man nicht enttäuscht, was Erwartungshaltungen angeht. "Häuser Stürzen Ein" ist nicht richtig grausig, nur leicht verkrampft angesichts versuchter Tiefe - sonst wie der Rest, den man von EL*KE kennt. All das reißt einen aber nicht vom Hocker.

Einerseits sind die EL*KE-Texte auf "Häuser Stürzen Ein" eindeutig direkter (euphemistisch gesprochen), andererseits hat die Berliner WG einen ihrer größten Pluspunkte aufgegeben: Die Kante.

Was man auf "Häuser Stürzen Ein" zu hören bekommt, hat einen durchaus poppigen Anschlag und dürfte weder Pop-Rocker noch Punkrocker und noch nicht mal diesen seltsamen Schlag Menschen, der alles gut findet, was mit deutschen Texten ausgestattet ist, richtig begeistern.

Übrig bleibt ein gefälliger, äußerst melodiöser Deutschrock auf Speed mit dem faden Geruch von Aufmüpfigkeit in den schlichten Texten, der lange kein Punk mehr ist und zwanzig Subtilitätsmeilen entfernt vom Indie.

Ansonsten hauen EL*KE, um Geschwindigkeit vorzutäuschen, mehrere dutzend Autometaphern in den Songs raus (ihr wisst schon: Vollgas ins Glück, Route 666, Benzin im Drink, Freiheit tanken ...), außerdem die obligatorische flache Ballade zum Besoffen-Feuerzeuge-Schwenken und als Alibi gegen den Vorwurf einer sogenannten Spaßband.
Und dann gibt es noch einen eingängigen, deswegen aber nicht besseren Song namens "Warum Auch Immer", auf dem Farin Urlaub - warum auch immer - als Songwriter ausgeholfen hat.

Immerhin: Gegen Peters beeindruckend rauhe, biergeölte Stimme kommen auch die plattesten Reime nicht an - das ist gut so. Ordentlich produziert ist das Ganze sowieso. Und wer schon immer mal wissen wollte, wie sich Scooter anhören, wenn sie eine Rockband wären, dem sei das hohle "Tanz Ab!" empfohlen.

"Meine Gefühle zu dir sind total krass!", grölt Peter dem Hörer noch gefühlvoll zu. Danke, EL*KE - voll schön, ey!

Trackliste

  1. 1. 1000 Mal
  2. 2. Autobahn
  3. 3. Aufstand
  4. 4. Häuser Stürzen Ein
  5. 5. Liebe Oder Wahn (Sexy)
  6. 6. Das Grösste
  7. 7. Tanz Ab
  8. 8. Easy Rainer
  9. 9. Freunde
  10. 10. Warum Auch Immer
  11. 11. Geisterbahn
  12. 12. Land In Sicht

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10 Kommentare

  • Vor 12 Jahren

    Super Rezension! Die Platte ist echt Schrott! Wenn allerdings die Rede vom "EL*KE-Universum" ist, dann kann dieses "Universum" doch höchstens das Ausmaß einer Kiste Bier haben... Ok, sagen wir zwei!

  • Vor 12 Jahren

    was soll ich dazu groß sagen? entweder man mags oder man mags nich...wobei der teil der menschen die zum ersteren teil gehören wohl stark in der minderheit is:(

  • Vor 12 Jahren

    @Dani Fromm (« Und wer schon immer mal wissen wollte, wie sich Scooter anhören, wenn sie eine Rockband wären, dem sei das hohle "Tanz Ab!" empfohlen »):

    *Das* ist hart, so schlimm kann doch keiner sein? ;) Super Review, eines der unterhaltsamsten Verrisse in der letzten Zeit.

  • Vor 12 Jahren

    recht so.
    einspruch, euer ehren!

    mit diesem vermutlich vollkommen zutreffenden verriss hab ich leider nix zu tun. :D

  • Vor 12 Jahren

    Also gleich das erste Lied geht mir doch recht nett ins Ohr, nachdem "Autobahn" wie selbige ohne groß Notiz davon zu nehmen an einem vorbeifliegt ist "Aufstand" dann doch schon wieder ein ganz nettes Rockliedchen. Das Titelstück ist live sicher schon eher zu gebrauchen als auf Platte, "Liebe oder Wahn" und "Das Größte" müssen einen jetzt nicht unbedingt vom Hocker hauen und was sich die Jungs bei "Tanz ab" gedacht haben... Nun ja, viel war es sicher nicht und der Verweis auf Scooter in der Rezi ist so weit hergeholt da wirklich nicht. "Easy Rainer" kommt über das Wortspiel leider nicht heraus und "Freunde" schleppt sich dann doch etwas daher. "Warum auch immer" bleibt da schon eher im Ohr haften, "Geisterbahn" bereitet wohl nicht nur inhaltlich auf das Ende der Platte vor. "Land in Sicht" ist dann die obligatorische Ballade zum Schluß die aber garnicht mal so nervt.

    Alles in allem eine okaye Rockplatte. Über die Texte mag man streiten können aber wer sich mal die Ergüsse gefeierter Rockgrößen in die heimische Sprache übersetzt dem wird auch oft schlecht, spielt bei Rock jetzt nicht unbedingt immer so die Rolle. Vor allem bei einer klasse Liveband wie el*ke, denn darum geht es doch in dem Fall: Rocken.

    3/5

  • Vor 11 Jahren

    Kann ich partout nicht nachvollziehen, wie die Platten hier so runtergemacht werden... Einfach nur klasse Musik.