Porträt

laut.de-Biographie

Dissythekid

"Du hast dein schönes, sauberes Leben. Eine Plastikfassade, wie sie in der Werbung präsentiert wird, mit deinem wunderschönen Garten. Aber in diesen Garten kommen jetzt diese kleinen Käfer. Wir sind die Rebellen, wir fressen den Garten von unten auf", beschreibt Dissythekid seine geplante Revolution.

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Mit "wir" meint der Erfurter seine Wordsflysch-Crew, in der er mit Mundraub, Zone und Dekzter zusammen sein Unwesen treibt. Sich selbst beschreibt Dissy als Träumer mit 'Fick die Welt'-Attitüde. Schon in der Schule sitzt er stets ein wenig verpeilt in der letzten Reihe und schreibt aus Langeweile erste eigene Texte.

"Raps böser Zwilling" sieht sich selbst als Produkt der kranken Gesellschaft und entflieht gerne in die Parallelwelt aus eigenen Gedanken und Vorstellungen. Umzügen von Halle nach Berlin und insgesamt acht Schulwechseln mag er es verdanken, sich kaum je irgendwo zugehörig gefühlt zu haben.

"Ich hatte dadurch mehr Zeit, mich auf das Künstlerische zu konzentrieren", resümiert Dissy gegenüber dem Hip Hop-Magazin Juice. Beeinflusst zeigt er sich nicht nur von Bushidos "Vom Bordstein Bis Zur Skyline" und Konsorten, sondern auch von Punk-, Rock- und Electromusik.

Laut eigenen Aussagen handelt es sich bei seiner Musik um "Trash mit Qualität", Kritiker attestieren ihm einen "kafkaesken Sound" und Qualitäten zur Untermalung eines Bukowski-Romans. Mal nachdenklich und reflektiert, mal lässig und unverschämt präsentiert sich der Rapper in seinem schnörkellosen, manchmal fast tristen Vortrag.

Dissy - Bugtape Side B Aktuelles Album
Dissy Bugtape Side B
Deutschraps ambivalentester Disput mit sich und der Welt.

Von düsteren und synthetischen Instrumentals begleitet, plant Dissythekid, alle mit seiner "kranken Vision" zu überzeugen. Hip Hop-Tausendsassa Falk Schacht weiß er schon auf seiner Seite. Der bezeichnete ihn als "Teil der Zukunft des deutschen Rap". Dann kann ja (fast) nichts mehr schief gehen.

Die Kindertage ziehen vorüber, Dissythekid verkürzt seinen Künstlernamen zum ohnehin gebräuchlicheren Dissy. Als Produzent führt er den Alias Fynn - eine Seite seiner Persönlichkeit, zu der er sich, nachdem die Presse diesen Fynn für eine eigenständige Person hält, auch gleich eine Lebensgeschichte ausdenkt. 2017, drei Jahre nach seinem Debüt "Pestizid", widmet er Fynn auch den Titel einer EP.

Das erste Lebenszeichen auf Albumlänge erscheint im Sommer 2018 bei Corn Dawg Records. Ebenda folgt später das in "Side A" und "Side B" gesplittete "Bugtape". Seiner Vision von einer dystopischen Zukunft hat er damit den passenden Soundtrack verpasst, in dem sich manch eine*r wiederfinden kann: Mit dem Gefühl, anders als die anderen zu sein (oder etwas mehr sein zu wollen), und angesichts einer brennenden Welt in Hilflosigkeit zu ersaufen, steht Dissy wohl kaum alleine da.

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