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Diskoromantik

"HipHop Joshy, Melonoid und Herzkawall sind Diskromantik." So lapidar steht es auf der Facebook-Seite der Wiener Crew zu lesen. Keine Erklärungen, keine Schnörkel. Wer mehr wissen will, muss sich schon einlassen, auf die besoffenen Lover.

Diskoromantik - Besoffene Lover Aktuelles Album
Diskoromantik Besoffene Lover
Wo Pop und Hip Hop Stehblues tanzen.

"Besoffene Lover" nennen die drei ihr Debüt. Das Album erscheint im November 2020, hatte aber eine laaange Vorgeschichte. Schon im Dezember 2018, erinnert sich Jonas Herz-Krawall, habe man den Antrag auf Förderung aus dem österreichischen Musikfonds gestellt:

"Damals gab es den Namen Diskoromantik noch gar nicht", erinnert er sich gegenüber musicaustria.at. "Wir haben einfach beantragt, ohne uns was Größeres dabei zu denken – und waren überrascht, dass wir die Förderung bewilligt bekamen."

Das eigenen Label Heiße Luft Records hoben sie schon 2017 aus der Taufe. Geld für das Projekt ist vorhanden, allein: Es fehlt noch das Projekt an sich. "Dafür haben wir uns dann zweieinhalb Jahre Zeit genommen", so HipHop Joshy.

In dieser Zeit ist allerhand passiert, musikalisch, aber auch personell. Solo haben Hip Hop Joshy und Jonas Herz-Krawall bereits Erfahrungen gesammelt. Um die Pläne für ihr gemeinsames Debüt auszubrüten, planen sie einen Trip in eine Hütte in der Steiermark.

Weil jedoch keiner ihrer Stammproduzenten Zeit hat, fragen sie kurz entschlossen Melonoid, ob er nicht mitkommen wolle. "Ich war eh gerade arbeitslos und hatte Zeit", also sagt er zu. Kennen gelernt hatte Joshy den Produzenten und DJ von Hunney Pimp zufällig bei einem ihrer Auftritte. (Mit der Wiener Rap-Chanteuse selbst steht Joshy seit einer anderen Zufallsbegegnung in Kontakt.)

Offensichtlich funkt es zwischen Herz-Krawall, Joshy und Melonoid sofort. In der steirischen Einöde nimmt das Projekt erste Gestalt an. Schon früh steht der Titel "Besoffene Lover" im Raum, ist kurzzeitig sogar als Bandname im Gespräch. Die drei entscheiden sich dennoch für das ebenso treffende Label Diskoromantik. Tanzbarkeit plus Gefühle: passt ja auch.

Die Hüttensession liefert die Grundlage für die EP "Gebrochene Herzen", die Arbeit am Album zieht sich jedoch, weil nebenher Label und das angegliederte Studio Die Schule eingerichtet und ausgebaut werden wollen.

Am Sound geht die verstreichende Zeit nicht spurlos vorüber: Was im Boom Bap begann, integriert bald Samples aus Disco, Funk und Jazz. Was einst straight Rap war, öffnet sich Melodien und Gesang, Autotune inklusive. "Wir kommen alle aus der klassischen Boom-bap-Rap-Nerdy-Ecke, zumindest ein bisschen", so Melonoid.

"2012, als die ersten Hanuschplatzflow-Sachen rauskamen, hab' ich angefangen, mich für moderne Einflüsse im Hip Hop zu öffnen. Seitdem ist es ein kontinuierlicher Prozess von einer nerdigen Schiene hin zu extremer Offenheit. Ich hör' inzwischen sogar Pop und Indie."

"Wir haben uns dann in die Neue Deutsche Welle, Italo-Disco und den Dieter Bohlen-Stuff reingediggt", erinnert sich der Produzent im Gespräch mit The Message. Das hinterlässt auch Spuren in der Optik der Crew: "Wir feiern das ja und wollten in das ganze Feld reinpassen. Dass es ausschaut, als wären wir eine richtig trashige 1980er-Kombo."

Das Albumcover zu "Besoffene Lover" und die zugehörigen Pressefotos sprechen eine eindeutige Sprache: Mission erfüllt. Eine Erkenntnis gibts gratis obendrauf: "Wir entfernen uns immer mehr von Hip Hop-Regeln – oder Regeln überhaupt."

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