Porträt

laut.de-Biographie

Dead Can Dance

Der Name Dead Can Dance steht seit 1981 für musikalische Evolution, Tiefe, Mystik und das Suchen nach vielfältigen Ausdrucksformen. Lisa Gerrard und Brendan Perry, die Hauptprotagonisten, setzen sich keine Grenzen beim Ausloten instrumentaler Tiefen. Das Ergebnis ist ein Faszinosum aus Klang und Traum.

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Außerdem ab Freitag erhältlich: Niedeckens BAP, Metallica, Marianne Faithfull, Tenacious D, Dead Can Dance, Sudden, Barbra Streisand etc.

Perry kommt 1959 im Londoner Stadtteil Whitechapel zur Welt, wo schon Jack The Ripper sein Unwesen trieb. Er wächst im East End als Sohn englisch-irischer Eltern auf. Als er noch in den Kinderschuhen steckt, wandert die Familie nach Neuseeland aus. Perry, der nie irgendwelche formale musikalische Bildung in Form von Unterricht erhält, bringt sich in Eigenregie das Gitarrespielen bei und lässt sich dabei von der Musik der polynesischen Lehrer beeinflussen.

Sein Vorhaben, Grundschullehrer zu werden, scheitert an der Einsicht, nicht dafür geeignet zu sein. Trotzdem steigt er in den öffentlichen Dienst ein, ehe ihm auch das zu viel wird. Zugunsten eines Jobs als Bassist bei der Formation The Scavenger lässt er 1977 Behörde Behörde sein und widmet sich fortan der Musik, die sich im Spannungsfeld der New York Dolls, der Stooges und allerhand psychedelischer Experimente ansiedelt. Das Engagement ist jedoch mangels Erfolg bald zu Ende. Er siedelt ins australische Melbourne um und gründet dort 1979 die Marching Girls. Bereits ein Jahr später wirft Perry wieder alles hin, um in sich zu gehen und ein komplett neues musikalisches Universum zu erschaffen.

Er experimentiert mit elektronischen Klangerzeugern und Bandmaschinen. In der australischen Metropole trifft er auf die zwei Jahre jüngere Lisa Gerrard, die im Multikulti-Stadtteil Prahan aufgewachsen ist. Ihr sozialer Hintergrund und Perrys musische Ambitionen begünstigen einen kreativen Input, der 1981 in die Gründung der Band Dead Can Dance mündet. Die Combo ist zu Beginn als loses Künstlerkollektiv ausgelegt. Zum Stamm gehören neben Perry und Gerrard noch Paul Erikson und Simon Monroe. Zu Beginn treten sie in Pubs auf, um die Übersiedelung nach Großbritannien finanzieren zu können.

Zu Beginn des Jahres 1982 haben sie die Kohle zusammen und setzen ins Vereinigte Königreich über. Ein Jahr später haben sie einen Deal beim Kultlabel 4AD in der Tasche. Im März 1984 veröffentlichen sie mit "Dead Can Dance" ihr Debüt. Das Cover der Scheibe ziert eine Maske aus Neu Guinea, die für rituelle Zeremonien Verwendung findet. Anhand dieses Beispiels erklärt der Sänger auch die Bedeutung des Bandnamens: "Die Maske aus Holz, einst Teil eines lebenden Organismus, ist tot. Der Künstler, der sie geschnitzt hat, verlieh ihr dennoch ein neues Leben." Dennoch liegt in der Wahl des Bandnamens der Hase im Pfeffer, weshalb sie zu Beginn ihrer Karriere ins aufstrebende Gothic-Genre gesteckt wurden.

Immer noch steuern Gitarre, Bass und Schlagzeug den Großteil der Instrumentals bei, die sich irgendwo zwischen den frühen Cure, Joy Divison und Cocteau Twins bewegen. Lediglich der Gesang des Duos Perry/Gerrard unterscheidet sich entscheidend von den genannten Bands. Im Nachhinein kritisieren sie selbst ihr Werk am häufigsten. Der einzige Vorwurf, den man dem Erstling machen kann ist der, dass sie eben nach einer Band klingen, die ihren Sound noch nicht gefunden hat. Noch im selben Jahr steuern sie zwei Songs für This Mortal Coils-Album "It'll End In Tears" bei und schieben noch die EP "Garden Of The Arcane Delights" nach.

Dead Can Dance - Dionysus
Dead Can Dance Dionysus
Bewusstseinserweitert wie eine BWL-Party.
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1985 legen Dead Can Dance den Grundstein für die weitere Entwicklung. "Spleen And Ideal" atmet vom ersten Ton an eine ganz andere Atmosphäre als noch das Debüt. "De Profundis" mit mystisch-sakralen Klängen und Gerrards blendend intonierten Gesang läutet ein Album ein, das sich mehr und mehr von den Altlasten der Vergangenheit absetzt. Orchestrale Einflüsse übernehmen mehr und mehr das Ruder und verdrängen den althergebrachten Sound von Schlagzeug, Bass und Gitarre. Insgesamt ist das Album eine äußerst dunkle und schattige Angelegenheit.

Mit dem Nachfolgenden "Within The Realm Of A Dying Sun" setzen sie noch eins drauf. Das dritte Dead Can Dance-Album klingt wie Dunkelheit, in Töne gegossen. Die Tracks gehen dermaßen gut ineinander über, dass man mit Fug und Recht von einem in sich geschlossenen Kunstwerk sprechen kann. Aufgrund dieser Düsternis, die zu dem Zeitpunkt kaum eine andere Band so perfekt hinbekommt, gelten DCD bald als große Hausnummer im Gothic-Bereich, obwohl sie sich selbst nie der schwarzen Szene zugehörig fühlen.

Auf etwaige Suizid-Tendenzen ihrer Anhängerschaft nehmen DCD mit "The Serpent's Egg" Rücksicht. Nicht mehr ganz so schwarz, eher ruhig und meditativ angelegt, lassen sie dennoch ihre kompositorische Klasse einmal mehr aufblitzen. Für die Aufnahmen ziehen sie sich erneut auf Brendans Anwesen im irischen Belturbet zurück, wo sie in der Quivvy Church am Album feilen. Kurz nach dem Release schreiben sie die Musik für Agustin Villarongas Film "El Nino De La Luna", in dem Lisa Gerrard zugleich auch ihr Schauspiel-Debüt gibt.

Mit dem Anbruch einer neuen Dekade ändert sich der Klang-Kosmos wieder ein wenig. "Aion" huldigt der Renaissance und den damals verwendeten Musikinstrumenten. Sie dringen so zu den Wurzeln europäischer Musiktraditionen vor. Bis zum nächsten Studio-Album verstreichen ungewohnt lange drei Jahre, während der sie zum einen die Compilation "A Passage In Time" einschieben. Untätig sind sie jedoch nicht. So schreiben sie Musik für diverse Theater-Produktionen und leihen ihre Songs dem Kinofilm "Baraka".

Mit "Into The Labyrinth" wenden sie sich wieder neuen Ufern zu und entdecken ferne Länder, die sie musikalisch und textlich erkunden. Das Ethno-Element hält zum ersten Mal verstärkt Einzug und verortet die Musik irgendwo zwischen Orient und Okzident. Eine hervorragende Zusammenfassung der Bandgeschichte zeigt die Live-Platte "Toward The Within", die es auch auf VHS, später auf DVD zu bestaunen gibt. Konzerte mit Dead Can Dance haben stets etwas Meditatives und Tiefgründiges. Gleichzeitig spielen die beteiligten Musiker mit einer fast furchterregenden Präzision. Dass dabei weder Emotionen noch Atmosphäre auf der Strecke bleiben, ist nicht ganz selbstverständlich.

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Wieder drei Jahre nach der letzten gemeinsamen Studio-Veröffentlichung - 1995 erscheint noch Lisas Solo-Debüt "Mirror Pool" - schieben Gerrard und Perry "Spiritchaser" nach, mit dem sie sich ganz offen vor afrikanischer Musik verbeugen. Die anschließende Tour bleibt für lange Zeit das letzte Lebenszeichen im Dead Can Dance-Kontext, 1998 trennen sich die Wege der Hauptprotagoniosten. Gerrard verlegt sich mehr und mehr auf Soundtrack-Kompositionen (unter anderem "Gladiator", "Whalerider"), Perry legt 1999 mit "Eye Of The Hunter" ein songorientiertes Solo-Debüt vor.

Als sich Fans fast schon damit abfinden, dass da nichts weiter geschieht, gehen Dead Can Dance 2005 plötzlich wieder gemeinsam auf eine Tour durch Amerika und Europa. Auf den Gigs spielen sie sogar neue Songs. Damit bekommt die Hoffnung Nahrung, es werde auch ein weiteres Studio-Album folgen. Die Begehrlichkeiten zerschlägt Gerrard jedoch, als sie erklärt, dass die Konzerte eine einmalige Aktion bleiben sollen.

Wie so oft, gilt aber auch hier: "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?" Im März 2010 lässt Perry in einem Interview raus, dass er mit Gerrard wieder auf Tour gehen möchte. Aber nicht nur das: "Wir müssen neue Songs schreiben. Das komplette Set wird aus einem neuen Album bestehen." Da kann dem gemeinen Fan schon einmal heiß und kalt werden.

Noch heißer allerdings im August 2012. Dann steht nämlich das erste Album seit 16 Jahren in den Läden: "Anastasis". Auf der sich anschließenden Tour schneidet das Duo eifrig Auftritte mit. Die Aufnahmen finden ihren Weg auf das schlicht "In Concert" betitelte Live-Album, das 2013 erscheint.

2015 verkündet Brendan Perry, er verkaufe das Quivvy Church Studio, wo der Großteil der DCD-Alben seit den frühen Neunzigern entstand. Fans, die um den Fortbestand der Band bangen, nimmt Perry den Wind aus den Segeln. So twittert er im April 2018, dass er mit Lisa Gerrard das kommende Album schon fertiggestellt habe und in den Abbey Road-Studios am Mastering feile. Anfang September meldet das Duo Vollzug: "Dionysus" erscheint Anfang November und befasst sich mit "regionalen Traditionen europäischer Völker".

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Alben

Dead Can Dance - Dionysus: Album-Cover
  • Leserwertung: 3 Punkt
  • Redaktionswertung: 2 Punkte

2018 Dionysus

Kritik von Ulf Kubanke

Bewusstseinserweitert wie eine BWL-Party. (0 Kommentare)

Dead Can Dance - In Concert: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2013 In Concert

Kritik von Ulf Kubanke

Das Lieschen singt so betörend wie eine Sirene. (0 Kommentare)

Dead Can Dance - Anastasis: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 4 Punkte

2012 Anastasis

Kritik von Alexander Cordas

Schaurig schöne Sounds voller Melancholie. (0 Kommentare)

Termine

Do 16.05.2019 Berlin (Tempodrom)
Fr 17.05.2019 Berlin (Tempodrom)
So 16.06.2019 Frankfurt (Alte Oper)
Di 18.06.2019 Bochum (Ruhr Congress)
Mi 19.06.2019 Bochum (Ruhr Congress)

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