Porträt

laut.de-Biographie

David Crosby

Ein brillanter Musiker, ein schwieriger Mensch. Die Stimme des Kaliforniers kennt jeder, der sich mit Folk-Musik beschäftigt. Doch David Crosby verscherzt es sich mit so gut wie jedem Kollegen, mit dem er länger zusammenarbeitet.

1941 in Los Angeles geboren, zieht David Crosby mit seiner Gitarre 1960 nach New York und versucht, in der lebendigen Szene im Greenwich Village Fuß zu fassen. Ohne Erfolg. Das Blatt wendet sich, als er mit Roger McGuinn und Jim Clarke die Byrds gründet. Ihr Manager drückt ihnen eine Vorabversion eines neuen Songs eines zu diesem Zeitpunkt mäßig bekannten Songwriters in die Hand. "Hey Mr. Tambourine Man" erreicht in den USA und Großbritannien Platz eins der Charts und verhilft nicht nur ihnen, sondern auch Bob Dylan zum Durchbruch.

Die Byrds werden zu einer der erfolgreichsten Bands ihrer Zeit. Crosby, der zunächst Rhythmusgitarre spielt und Hintergrundgesang beisteuert, mausert sich allmählich zum Hauptsongwriter und verleiht der Band mit seinen unüblichen Akkordfolgen eine besondere Note. Die Spannungen innerhalb der Band entladen sich beim Monterey Pop Festival 1967, das die Hippie-Bewegung aus San Francisco auf einen Schlag weltweit bekannt macht. Erst verärgert Crosby seine Mitstreiter mit politischen Statements, dann bittet ihn sein Kumpel Stephen Stills, bei seiner Band Buffalo Springfield für Neil Young einzuspringen.

Als sich die Byrds im Streit von ihm trennen, trifft Crosby Anfang 1968 bei einer Party Stills, der ebenfalls auf der Suche nach einer neuen Band ist. Zu ihnen gesellt sich der Brite Graham Nash, der unzufrieden mit seiner Band The Hollies ist. Es ist der Beginn einer Jahrzehnte langen Hassliebe, die durch erhabene Höhen und bodenlose Tiefen geprägt ist. Dass sie sich nicht einmal einig sind, wo sie zum ersten Mal gemeinsam gespielt haben, ist bezeichnend: Für Stills war es bei Mama Cass Elliott (Mama & The Papas), für die anderen zwei bei Joni Mitchell, mit der Crosby zu diesem Zeitpunkt liiert ist (und später Nash).

Die Kombination aus dem Multi-Instrumentalisten Stills sowie den Gitarristen Crosby und Nash, alle außerordentliche Songwriter und Sänger, erweist sich als durchschlagend. Als ihr Debüt "Crosby, Stills & Nash" im Mai 1969 erscheint, erreicht es in den USA Platz sechs der Charts. Da Stills die meisten Instrumente selbst einspielt, bitten sie Young, der Band als Solo-Gitarrist beizutreten. Im August 1969 stehen sie beim legendären Woodstock Festival gemeinsam auf der Bühne. Obwohl sie erst zum zweiten Mal gemeinsam live spielen, feiern sie einen riesigen Erfolg.

Die Songs sprudeln nur so aus ihnen heraus. Neben drei Alben als CSNY, die in den folgenden Jahren die Spitze der US-Charts erreichen, veröffentlicht Crosby 1971 sein erstes Soloalbum ("If I Could Only Remember My Name") und eines mit Nash ("Graham Nash/David Crosby", 1972). Der Erfolg all seiner Projekte vermag es jedoch nicht, das dunkle Loch in seinem Inneren zu verbergen. Der Tod seiner Freundin Christine Hinton bei einem Autounfall 1969 verschlimmert seine schon vorhandene Drogenabhängigkeit erheblich.

Als Superstar, der er in den Siebzigern ist, lassen sich viele Probleme vertuschen, zumal er weiterhin erfolgreich mit verschiedenen Bands Platten veröffentlicht. In den Achtzigern wendet sich das Blatt. 1982 verbringt er neun Monate in einem Knast in Texas, nachdem ihn die Polizei mit Heroin, Kokain und einer Waffe erwischt hat. 1985 wird er erneut verhaftet, als er betrunken einen Autounfall verursacht und erneut Drogen sowie eine Waffe dabei hat. Seine Kumpels halten jedoch (noch) zu ihm: 1982 erscheint "Daylight Again" (CSN), 1985 treten CSNY gemeinsam bei Live Aid auf.

Ende des Jahrzehnts geht es wieder bergauf, sowohl im Studio als auch auf der Bühne. Die jahrelangen Exzesse haben jedoch Folgen für seine Gesundheit. 1994 kommt sein Freund Phil Collins für die Kosten einer Lebertransplantation auf.

Neben Touren und Platten mit Stills, Nash und Young (alle gemeinsam und in verschiedenen Kombinationen) ruft Crosby 1996 CPR ins Leben, bestehend aus ihm selbst, dem Gitarristen Jeff Pevar und dem Pianisten James Raymond. Letzterer ist sein eigener Sohn, den er 1962 gezeugt und anschließend zur Adoption freigegeben hat. Crosby ist außerdem als Samenspender der Vater von Melissa Etheridges Kindern.

Die Karriere scheint weiterhin glatt zu laufen, bis es 2015 zum Eklat kommt: Crosby äußert sich abschätzig über Youngs neue Lebensgefährtin Daryl Hannah und zerstreitet sich endgültig mit Nash. Dieser erklärt im März 2016, dass er nie mehr etwas mit Crosby zu tun haben wolle. Bezeichnenderweise ist der letzte Auftritt des Trios ein völlig verhunzter, als sie beim Weihnachts-Empfang von US-Präsident Barack Obama ungewollt "Stille Nacht, Heilige Nacht" dekonstruieren.

Wenigstens sein Sohn James hält zu ihm. Trotz gesundheitlicher Probleme konzentriert sich Crosby auf seine Solokarriere und bringt zwischen 2014 und 2017 drei Alben heraus. 2018 erscheint mit einer neu zusammen gestellten Band "Here If You Listen".

Welchen Einfluss Crosby musikalisch hat, zeigt die Dokumentation "David Crosby - Remember My Name", die 2019 erscheint und in der Rollling Stone-Autor und Hollywood-Regisseur Cameron Crowe ein langes Interview mit ihm führt. Was für ein schwieriger Mensch er ist, wird ebenfalls deutlich: Die Beiträge von Young stammen aus dem Jahr 2000, Stills verweigerte die Zusammenarbeit gänzlich und selbst Roger McGuinn und Jim Clarke sind ein halbes Jahrhundert nach dem Ende der Byrds nicht gut auf ihn zu sprechen.

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