laut.de-Kritik

Meilenweit entfernt vom Seelenstriptease früherer Tage.

Review von

"Space Ducks! Fighting all the evil! All the creepy people! In a war in outer space!" Daniel Johnston hat seinen verspielten Humor mit 51 Jahren nicht verloren, sich einen Kindheitstraum erfüllt und ein Comic veröffentlicht.

"Space Ducks: An Infinite Comic Book of Musical Greatness" heißt der und Johnston wäre nicht der gefeierte ad hoc-Musiker with a condition, wenn er dazu nicht auch einen Soundtrack mit sieben neuen Songs sowie sieben Songs befreundeter Musiker aus der Hüfte schießen würde.

Gleich der erste Song geht ins Ohr und bleibt dort: "Space Ducks Theme Song" kommt mit Klavierakkorden angewatschelt, bevor der US-Amerikaner in seinem idiosynkratischen Gesang die eingangs erwähnten kindlich-phantastischen Zeilen skandiert. Dass er dabei von professionellen Schlagzeugern, Bassisten und auch Pianisten begleitet wird - sogar Hintergrundgejaule stimmt in den fröhlichen Song ein - überrascht anno 2013 nicht mehr.

Denn schon seit seinem so überraschenden wie gefeierten Major-Label-Debüt "Fun" haben wohlwollende Berufsmusiker und Freunde des an einer bipolaren Störung leidenden "natural born" weirdos versucht, den unberechenbaren und gnadenlos schrottigen Sound Johnstons zu zähmen. Das hat mal mehr ("Fun", "Rejected Unknown") und mal weniger gut ("Fear Yourself", "Is And Always Was") hingehauen. Das Anliegen jedenfalls war stets ein ehrenhaftes: Die ungestüme, so schamlos intime wie naiv hoffnungsvolle Musik einem breiteren Publikum zumutbar zu machen.

Das gelingt "Space Ducks": Fast schon zu gefällig und konventionell schunkelt "American Dream" in flotte, gut gelaunte Wohlfülgefilde. Nach wie vor macht der zittrig schwachbrüstige Gesang den Bemühungen um Radiotauglichkeit allerdings (und zum Glück) einen Strich durch die Rechnung.

Was bleibt, sind beatleeske Kinderlied-Melodien in spät-beatleeskem Sound-Gewand. So beginnen "Sense Of Humor" und "Mean Girls Give Pleasure" als säße George Harrison an der Gitarre und - dank dezentem Hall und mit ein bisschen Augenzudrücken - John Lennon am Mikrofon.

Ein Lob, das dem fanatischen Beatles-Fan Johnston aber sicher gefallen würde - trotz aller instrumentalen Gewöhnlichkeit oder Standard-Gitarrensoli (etwa bei "Wanting You"). Besser gelungen jedenfalls als auf dem bisweilen im Rock-Sumpf versunkenem "Is And Always Was" (2009) und besser auch als im vom Orchester hinterrücks erstochenen "Beam Me Up" von 2010.

Auch dieses unangenehme Gefühl von viel zu viel Nähe - die Kehrseite des fragwürdigen Authentizitäts-Hypes, der seinen Anteil an Johnstons Aufstieg zum Indiestar der frühen 1990er hatte - stellt sich nicht mehr ein. Zu fröhlich, zu 'up-beat' kommen die Songs auf "Space Ducks". Die ebenfalls vorhandenen traurigen Momente der Platte atmen stets die schon sprichwortreife Johnston-typische Zuversicht. Und Zeilen wie "Seems like her broken heart/ Her loving part was missing" ("Mask") sind immer noch meilenweit entfernt vom Seelenstriptease früherer Tage.

Und obwohl sich der Wahl-Texaner durchweg von seiner zahmsten Seite präsentiert, scheint die Hälfte der Stücke, die andere Bands und Interpreten zum Soundtrack beigesteuert haben, nur dazu da zu sein, um die Verschrobenheit auch noch des zugänglichsten Daniel Johnston zu unterstreichen. Oder andersherum: Um die Gewöhnlichkeit und Ideenarmut vieler heutiger Musik zu belegen.

Ob Jake Bugg oder Eleanor Friedberger of The Fiery Furnaces-Fame oder unbekanntere Namen wie Die Mason Die oder Deer Trick: Die mehrheitlich folkig unspannenden Songs bestechen fast nur mit ihrem Coffee Table-Charme. Lediglich das Unknown Mortal Orchestra macht mit dem psychedelischen Theme-Song "Satanic Planet" eine Ausnahme.

Und so überzeugen auf dem Johnston-eigenen Soundtrack vor allem die Johnston-eigenen Songs. Gezähmt, aber nicht bezwungen, darf man gespannt sein, was der hoffentlich auch persönlich zu etwas Ruhe gekommene Ausnahmemusiker als nächstes pures Soloalbum vorlegt. Ach ja, wers noch nicht getan hat: Schnell den Comic in der hoffentlich noch vorhanden lokalen Bücherei bestellen!

Trackliste

  1. 1. Space Ducks Theme Song
  2. 2. American Dream
  3. 3. Sense Of Humor
  4. 4. Evil Magic (Fruit Bags)
  5. 5. Man On The Moon (Jake Bugg)
  6. 6. Mean Girls Give Pleasure
  7. 7. Come Down (Eleanor Friedberger)
  8. 8. Wanting You
  9. 9. Mask
  10. 10. Mountain
  11. 11. Satanic Planet (Unknown Mortal Orchestra)
  12. 12. My Favorite Cage (Die Mason Die)
  13. 13. Moment Of Laughter (Lavender Diamond)
  14. 14. Space Ducks (Deer Tick)

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