laut.de-Kritik

Was ist persönlicher als die Liebe?

Review von

Als Carla Bruni 2002 ihr erstes Album veröffentlichte, hatte sie den Laufsteg hinter sich gelassen und einen Sohn mit dem französischen Philosophen Raphaël Enthoven gezeugt. Es schien der perfekte Zeitpunkt: Bruni bewies zwar nur beschränkte Gesangfähigkeiten, machte dies aber mit warmen Gitarrenklängen und rauchiger Stimme wett. Einigermaßen überraschend hielt sich "Quelqu'un M'a Dit" 34 Wochen in der französischen Top Ten.

Seitdem hat sich viel getan. Bruni heiratete Nicolas Sarkozy, einen der bekanntesten und umstrittensten französischen Politiker, blieb während und nach seiner holprigen Präsidentschaft an seiner Seite und schaffte es, sich elegant aus dem Tagesgeschäft herauszuhalten. Dabei veröffentlichte sie weitere Alben und trat auch auf.

Nach sieben Jahren veröffentlicht sie nun wieder neue eigene Musik (2017 kam das Coveralbum French Touch). Wie so viele Werke, die Ende 2020 / Anfang 2021 erscheinen, spielten die Einschränkungen durch die Corona-Epidemie eine entscheidende Rolle. Die Monate des französischen Lockdowns verbrachte sie mit ihrem mittlerweile 19-jährigen Sohn, Gatten Sarkozy, der gemeinsamen neunjährigen Tochter, Schwester Valeria und ihrer 90-Jährigen Mutter in den eigenen vier Wänden. Wobei diese natürlich luxuriös waren, auf einem Anwesen in Südfrankreich.

Familie Bruni Tedeschi gehört dem italienischen Geldadel an, entsprechend bestimmend verhielt sich die Mutter. Sie habe sie behandelt, als wäre sie vier, ihre Schwester, als wäre sie sieben, so Bruni: "Mit der eigenen Familie war es wirklich die reine Freude. Aber mit der Geburtsfamilie, also, wie soll ich sagen, wir mussten uns alle ein bisschen entspannen und geduldig sein", erklärt sie in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Seitdem greift sie wieder zur Schachtel bzw. zur E-Kippe.

Aber sie hatte dafür viel Zeit, um neue Songs zu schreiben. Mit weiteren fünf, die bereits in der Schublade schlummerten, ging sie im Sommer nach Ende des Lockdowns ins Studio und nahm sie in nur sechs Tagen mit dem Musiker Albin de la Simone auf, der seit den 1990er Jahren mit so ziemlich jedem namhaften französischen Musiker zusammengearbeitet hat.

Wie gewohnt ist die Instrumentierung spärlich, die Stimme rauchig, einlullend, fast schon betörend, im Wesentlichen begleitet von Klavier und Akustikgitarre. Die Lieder seien sehr persönlich, weshalb sich Bruni für ihren Namen als Albumtitel entschied. Und was ist persönlicher als die Liebe? "Ich glaube, dass nur die Liebe uns alle beschützt. Vor Langeweile, vor Krankheiten vor Kriegen, vor Tod, Was wäre die Welt ohne Liebe", erklärte Bruni in einem Interview mit dem ZDF.

Gleich mehrere Stücke handeln von ihrem Gatten. Der Titel von "Un Grand Amour" ("Eine Große Liebe") erklärt sich von selbst, auch "Le Garçon Triste" ("Der traurige Junge") gehört dazu, selbst wenn Sarkozy in der Öffentlichkeit eher den starken Mann spielt. Ihrer Tochter widmet Bruni das Stück "Le Petit Guépard" ("Der Kleine Gepard"), in dem das besungene Baby-Raubtier von einem Mädchen aus dem Zoo befreit wird. Mit ihrer Schwester, die Schauspielerin und Regisseurin ist, singt sie "Voglio L'Amore" ("Ich Will Liebe").

Politik spielt in den Stücken auch diesmal keine Rolle, selbst wenn sie sich mit ihrer Freundin Naomi Campbell im Kampf gegen Rassismus verbunden fühlt, wie sie dem ZDF erzählte. Seit jeher engagiert sie sich für gute Zwecke, 2009 gründete sie eine Stiftung, die sich um Kulturförderung bemüht.

Alles schön und lobenswert und dazu nett anzuhören. Dennoch fehlt Bruni nach wie vor jenes gewisse Etwas, das sie im ersten Stück "Quelque Chose" besingt. Sie habe sehr viel Glück im Leben gehabt, bekennt sie. Sicherlich hat sie auch den einen oder anderen schlimmen Moment erlebt, doch fehlen der Platte jene Ecken und Kanten, die eine Abhandlung über die Liebe erst richtig interessant machen.

Trackliste

  1. 1. Quelque Chose
  2. 2. Un Secret
  3. 3. Rien Que L'Extase
  4. 4. Un Grand Amour
  5. 5. Le Petit Guépard
  6. 6. Your Lady
  7. 7. Partir Dans La Nuit
  8. 8. Les Séparés
  9. 9. Comme Si C’Était Hier
  10. 10. La Chambre Vide
  11. 11. Un Ange
  12. 12. Voglio l'Amore
  13. 13. Le Garçon Triste
  14. 14. Porque Te Vas

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2 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor einem Monat

    Die holde Maid ist immer noch mit dem Gnom zusammen? :(

  • Vor einem Monat

    Ha, ich wusste gar nicht, dass Carla Bruni ein neues Album herausgebracht hat. Beim Überfliegen der Trackliste stach mir sofort einer ins Auge: Porque Te Vas, hartnäckiger Ohrwurm von Jeannette. Gleich mal angehört - die Coverversion ist gar nicht schlecht.
    Ich fand C. B. generell nie so schlecht, auch wenn sie in Italien insbesondere von der Kabarettistin Luciana Littizzetto ziemlich veräppelt wird.

    • Vor einem Monat

      ... Ich hätte mich erst weiter durchhören und dann alles in einem Kommentar schreiben sollen.
      Die Stimme hält man ja keine fünf Minuten aus. Ist das Absicht oder hat sie wirklich nur noch so dünne Reste zurückbehalten? Früher hat sie echt nicht so schlecht gesungen, wie Lästermäuler ihr das immer unterstellt haben, inzwischen - uff.
      Der Text von "Voglio l'amore" ist interessant, da zitiert sie einfach mal so Sandro Penna (schwuler Lyriker des 20. Jahrhunderts).
      So, es reicht, Senftube zu. :)