laut.de-Kritik

Das Debüt zweier britischer Punk-Legenden.

Review von

Kaum zu glauben, dass dieser mit grauem Stoppelhaar ausgestattete Herr im "The Last Post"-Booklet derselbe ist, der einst eine rosafarbene Wischmobfrisur sein Eigen nannte.

Gut, das war vor über 20 Jahren, seine Band waren die Synthie-Punks von Sigue Sigue Sputnik, und schon damals hatte Tony James gleich mehrere Karrieren hinter sich. Zwei weniger erfolgreiche mit London SS und Chelsea, bei letzteren im Verbund mit Billy Idol, sowie eine recht passable als Bassist von Generation X.

Zum Thema: Sein früherer Kollege bei London SS ist auch sein heutiger Partner bei Carbon/Silicon, außerdem noch eine größere Hausnummer: Mick Jones, Produzent der beiden Libertines-Platten und ja, Gitarrist von The Clash.

So viele Namen, so viel Geschichte - und wie klingen Carbon/Silicon nun? Erfreulich unprätentiös und doch gesetzt, hört man den Single-verdächtigen Opener "The News", der sowohl an Jones' glorreiche Vergangenheit als witzigerweise auch an Joe Strummers Mescalero-Zeiten erinnert.

Gekonnt schichten die Altmeister flirrende Akustikgitarren und sanfte Bassläufe um Beats und Loops aus dem Drumcomputer herum und beenden ihre Arbeit zumeist mit eingängigem Ergebnis. "The Last Post" ist ihr offizielles Debütalbum, nachdem das Duo seit 2002 mit reinen MP3-Veröffentlichungen trotz mutmaßlich älterer Zielgruppe einen erstaunlich modernen Vertriebsweg wählte.

Nur selten erliegen die im Pop-Songwriting bestens geschulten James & Jones der gepflegten britischen Langeweile. Das vergleichsweise ungestüme "The Whole Truth", insbesondere aber "Really The Blues" werden ohne musikalische Not in die Länge gezogen und verlieren dadurch an Schärfe. Überhaupt schafft es kaum ein Song unter die Fünf-Minuten-Grenze. Nicht immer zum eigenen Vorteil.

Dub-Einflüsse sind im Vergleich zum Sound von The Good, The Bad And The Queen, wo Jones' Clash-Kumpel Paul Simonon heute musiziert, eher spärlich gesät. In den besten Momenten der Platte ("Magic Suitcase", "Caesars Palace") sind sie auch gar nicht nötig. Und spätestens bei der "Clash City Rockers"-Adaption "What The Fuck" leuchten feucht die Äuglein. Dass sich Teile der englischen Musikpresse vor Jubel überschlagen ist zumindest nicht allein dem Erbe der Protagonisten geschuldet.

Trackliste

  1. 1. The News
  2. 2. The Magic Suitcase
  3. 3. The Whole Truth
  4. 4. Caesars Palace
  5. 5. Tell It Like It Is
  6. 6. War On Culture
  7. 7. What The Fuck
  8. 8. Acton Zulus
  9. 9. National Anthem
  10. 10. Really The Blues
  11. 11. Oil Well
  12. 12. Why Do Men Fight?

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