Porträt

laut.de-Biographie

Big Thief

Kann Songschreiben eine Form der Therapie sein? Adrianne Lenker, Sängerin und Gitarristin der Indie-Band Big Thief, hätte auf jeden Fall eine Menge aufzuarbeiten. Denn bevor sie mit ihren persönlichen Songs und ihrer fragilen Stimme die Musik der Gruppe prägt, durchlebt sie eine Kindheit, die man wohl kaum anders als "schwierig" bezeichnen könnte.

Big Thief - U.F.O.F. Aktuelles Album
Big Thief U.F.O.F.
Subtiler Flirt mit dem Übernatürlichen.

Als sie geboren wird, ist ihre Familie Teil einer christlich-fundamentalistischen Sekte. Auch später prägt der religiöse Fanatismus der Eltern ihre Kindheit. Nicht die besten Voraussetzungen für eine unbeschwerte Kindheit mit vielen Kontakten. Erschwerend kommt hinzu, dass die Familie innerhalb weniger Jahre an nicht weniger als vierzehn verschiedenen Orten lebt. Da ist es kaum verwunderlich, dass Adrianne in der Schule kaum soziale Kontakte knüpfen kann. Früh beginnt sie ihre Erfahrungen über Musik zu verarbeiten. Den ersten Song schreibt sie mit acht. "Es ging darum, dass ich total wütend war. Dass es sich anfühlte, als läge die ganze Welt auf meinen Schultern".

Als sie zwölf ist, trennen sich die Eltern. Während die jüngeren Geschwister bei der Mutter bleiben, zieht Adrianne zu ihrem Vater. Der hat's nicht nur mit der Religion, sondern macht auch selber Musik. Als er von den musikalischen Gehversuchen seiner Tochter erfährt, sieht er Potential für eine frühe Karriere im Musikbusiness und beginnt sie zu vermarkten. Ein Teeniepopstar will Adrianne aber auf gar keinen Fall werden. Mit 16 Jahren sagt sich von ihrem Vater los und zieht schließlich von Zuhause aus.

Die junge Musikerin zieht nach New York. Dort trifft sie auf den Gitarristen Buck Meek, den sie bereits von einem gemeinsamen Auftritt kennt. Dieser ist wichtige Anlaufstation, um sich in der unbekannten Metropole zurechtzufinden. 2013 beginnen die beiden zusammen Musik zu machen und touren in einem gemieteten Van durch die Staaten. Während Adrianne dem Folk-Fingerpicking verbunden ist, schrammelrockt Buck Meek lieber vor sich hin. Live zieht er vor allem dadurch die Aufmerksamkeit auf sich, dass er wie elektrisiert zur Musik zuckt. Zu dem Duo kommen Max Oleartchik am Bass und Jason Burger hinter den Trommeln. Als Band gibt man sich den Namen Big Thief. Beim ersten Hören würde man den wohl eher im Rapbusiness verorten.

Stattdessen macht das Quartett allerdings - zumeist melancholischen - Indie-Rock. Getragen wird die Musik von der sanften Stimme von Adrianne Lenker, die in manchen Momenten kaum mehr als ein Hauchen ist. Sie ist auch die alleinige Songschreiberin. Ihre schwierige Kindheit, die sie etwa in "Mythological Beauty" verarbeitet, bleibt dabei eine der Hauptinspirationsquellen.

Die Songs von Big Thief schaffen es eine intime Atmosphäre zwischen Hörer und Band herzustellen. Wo könnte man da besser unterkommen, als bei Saddle Creek, dem Label, dessen Kopf kein Geringerer ist als Conor Oberst. Jener Musiker also, der seit Ende der 90er - erst mit Bright Eyes, später solo - wie kaum ein anderer für zelebrierte Melancholie steht. Beim Indielabel erscheint 2016 das Debütalbum mit dem durchaus großspurigen Namen "Masterpiece".

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Mit neuem Drummer (James Krivchenia) aber bekannten Qualitäten legen Big Thief 2017 "Capacity" nach. Beide Alben erhalten positive Kritiken und bringen der Band prominente Fans ein. Im darauffolgenden Jahr nimmt The National Big Thief mit auf Tour. Auch dies ist eine durchaus passende Kombination, sind beide Bands musikalisch doch auf ähnlich leisen Sohlen unterwegs.

2018 nimmt sich das Quartett eine kleinere Auszeit. Adrianne Lenker veröffentlicht mit "abysskiss" ein Soloalbum, das noch einmal eine Spur ruhiger und träumerischer klingt als die Musik von Big Thief. Und auch Buck Meek ist auf eigenen Pfaden unterwegs. Mit Schrammelgitarre und texanischem Akzent hat sein Album einen deutlichen Country Touch.

Als Band wechselt man zum renommierten britischen Indie-Label 4AD. Das dritte Album der Band "UFOF" erscheint im Mai 2019. Dass es Dinge gibt, die sich der eigenen Vorstellung entziehen, macht Big Thief keine Angst. Das F hinter dem unbekannten Flugobjekt steht für Freund. "Sich mit dem Unbekannten anfreunden. Darum geht es in unseren Songs."

Alben

Big Thief - U.F.O.F.: Album-Cover
  • Leserwertung: 4 Punkt
  • Redaktionswertung: 5 Punkte

2019 U.F.O.F.

Kritik von Moritz Fehrle

Subtiler Flirt mit dem Übernatürlichen. (0 Kommentare)

Termine

Sa 07.03.2020 Köln (Luxor)
So 08.03.2020 Berlin (Astra Kulturhaus)
Mo 09.03.2020 Hamburg (Knust)

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