laut.de-Kritik

Bombastfreier Folk Pop des Nightwish-Imperators.

Review von

Tuomas Holopainens Promo-Maschine läuft auf Hochtouren: Nightwish veröffentlichen "Decades" und starten die dazugehörige Tour, welch besseren Zeitpunkt gäbe es also, den Fans brandneues Material schmackhaft zu machen? Bei Auri frönt Holopainen seiner sanften Seite und verzückt Hörer, die nicht unbedingt einen Metal-Kontext brauchen, um die Musik des Finnen gut zu finden.

Schon aufgrund der Besetzung werden sich seine Anhänger sofort wohl fühlen: Nightwish-Sackpfeifer Troy Donockley gab mit "Aphrodite Rising" vor Jahren den Anstoß zum Projekt. Mit Sängerin Johanna Kurkela verbindet Tuomas nicht nur ein Ehebett, sondern auch die Arbeit zum Soloausflug "The Life And Times Of Scrooge". Kurkelas Stimme bildet den Fokuspunkt des Albums. Feenhaft geleitet sie durch die mystische, manchmal fast Ambient-mäßige Ruhe der Stücke. Lyrics spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle: Die Melodien stehen klar im Vordergrund, in "Them Thar Chanterelles" und "The Name Of The Wind" singt sie nur Laute, keine Worte.

Holopainen verwendet bereits im Opener "The Space Between" viel Elektronik, um Atmosphäre zu schaffen. Obwohl fast durchgängig präsent, dienen Keyboard und Synthesizer aber nur für Soundscapes, nie drängen sie sich nach vorne. Die Melodien tragen akustische Instrumente: Flöten ("The Space Between"), Streicher ("Aphrodite Rising") oder beide im Zusammenspiel ("Skeleton Tree"). Prägt Kurkela das zentrale Motiv eines Songs, ergänzt oft Klavier ihren Gesang, wie im dämmrigen "Night 13".

Voller Abwechslung reizen Auri die Grenzen des Folk-Pop-Rahmens aus. "Desert Flower" konzipiert das Trio als intimes, klassisch mit Akustikgitarre begleitetes Duett, das erst vom beruhigenden, nun durch Donockley verstärkten Gesang lebt, später von einem sehnsüchtigen, in extrem hoher Lage von Kurkela gespielten Bratschensolo lebt. Ganz ähnlich spartanisch und in sich ruhend wirkt zunächst "Underthing Solstice", doch zum Ende hin plustern Auri den siebenminütigen Track kurzzeitig mit Männerchor und Kirchenorgel zu einem majestätischen Trauerzug auf. Den Gegenentwurf liefern sie direkt im Anschluss: Mit dem Irish-Folk-Tanz "Them Thar Chanterelles" fideln sie sich beschwingt aus dem Album.

Die kompositorische Handschrift Holopainens ist besonders in melancholischen Momenten der Platte klar zu erkennen. Viele Melodien könnten auch in ruhigeren Nightwish-Songs à la "Élan" passieren. Stellenweise erinnert "Auri" an The Gentle Storm, was auch an Kurkelas Gesangsstil liegt, der dem Anneke van Giersbergen ähnelt. Klarer Unterschied zur Hauptband ist der fehlende Bombast der Kompositionen. Bisweilen machen es sich die drei Musiker beim Songwriting vielleicht sogar etwas zu einfach. In "Savant" etwa frisst die Atmosphäre kaum vorhandene musikalische Ideen. Doch der Ansatz stimmt und es wäre schade, würden Auri in der nächsten Nightwish-Schaffenspause nicht darauf aufbauen.

Trackliste

  1. 1. The Space Between
  2. 2. I Hope Your World Is Kind
  3. 3. Skeleton Tree
  4. 4. Desert Flower
  5. 5. Night 13
  6. 6. See
  7. 7. The Name Of The Wind
  8. 8. Aphrodite Rising
  9. 9. Savant
  10. 10. Underthing Solstice
  11. 11. Them Thar Chanterelles

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LAUT.DE-PORTRÄT Auri

Zwar hat Tuomas Holopainen mit "The Greatest Show On Earth" vom Album "Endless Forms Most Beautiful" ein karrieredefinierendes Stück Musik geschrieben.

1 Kommentar

  • Vor 4 Jahren

    Schönes Album mit wunderbarer Atmosphäre ! Allerdings muss ich auch sagen, dass einige Songs ihre Wirkung verfehlen. "The Name of the Wind" nervt mit seiner Monotonie und "Them Thar Chanterelles" wirkt wie eine langgezogene Geduldsprüfung. Demgegenüber stehen aber auch einige wunderbare Melodie wie in "The Space Between", dem genialen "Desert Flower" und dem musicalähnlichen "Aphrodite Rising". Ich kann mich dem Rezensenten nur anschließen und wünsche mir einen noch fokussierteren Nachfolger !