laut.de-Kritik

Licht und Dunkelheit werden eins.

Review von

"Dieses eine Mal lässt man Alcest den Blackgaze einfach noch zu gerne durchgehen – künftig müssen sich Neige und Winterhalter ihren Ruf als innovative Kapelle dann aber wieder schleunigst zurück erarbeiten", hieß es in unserer Review zu "Kodama" vor drei Jahren. Nun scheint es tatsächlich so, als hätten Alcest sich in die von Kollege Klug prophezeite kreative Sackgasse manövriert. Neue Impulse hört man auf "Spiritual Instinct" selten. Alcest haben ihren Sound perfektioniert, zeigen das teils in hervorragenden Genresongs, teils wiederkäuend im Selbstzitat.

Wie schon für "Kodama" quartierte sich das Duo zusammen mit Benoît Roux in den französischen Drudenhaus Studios ein und fahren eine klanglich ganz ähnliche Produktion. Winterhalters Drums stehen voluminös im Mix, bilden das Rückgrat in den sphärischen Gitarrenteppichen Neiges. Stärker als bisher binden Alcest den Bass ein – "Les Jardins De Minuit" errichten sie auf dem Fundament eines knorrigen Grooves.

Der Rhythmus-Drive reißt bisweilen Neige an der Gitarre mit. In "Protection" arbeitet er mit energischen Metalriffs, die das verwaschene Shoegazing-Harmoniebett auflockern. Bei "Les Jardins De Minuit" lenkt er Black Metal-Tremolos in für Kopfnicker geeignete Bahnen. Die träumerischen Vibes, die Alcest seit jeher vor allem auszeichnen, stört das keineswegs. Vielmehr gelingt, die davon ausgehende Kraft stärker zu bündeln. In beiden genannten Songs trifft die Band ihre Hörer mit pointierten Impulsen und trägt sie fort in eine eigene Dimension. Dort verschwimmen wie gewohnt Licht und Dunkelheit zu einer Einheit. Mal legen Alcest esoterischen Dreampop-Gesang über Blastbeats, mal kombinieren sie Screams mit wundersamen Leads, mal gehen sie Sonnenbaden im Distortion-Sumpf.

Bei "Sapphire" dagegen leisten Alcest nach gutem Beginn nur noch Dienst nach Vorschrift. Mühsam retten sie den Song mit schwammigen Melodien über die Fünf-Minuten-Grenze. Zum ersten Mal in der Bandgeschichte wirkt es so, als würde Neige seinen Fantasiegesang tatsächlich nur nutzen, weil ihm nichts Vernünftiges einfällt. Der Titeltrack "Spiritual Instinct" wabert ähnlich ziellos umher – zwar mit inspirierteren Gesangslinien, dafür fehlt es den Gitarren an eigenständiger Kontur. Winterhalter versucht am Schlagzeug, die mangelnde Abwechslung auszugleichen und die träge Komposition doch noch in Fahrt zu bringen, scheitert aber am schwachen Material.

Mit "L'Île Des Morts" gelingt aber noch ein echter Hammer: So aggressiv wie lange nicht mehr prügeln Alcest den Song nach vorn – und transportieren dank Neiges Vocals gleichzeitig verträumte Zärtlichkeit. Sparsam flechten Alcest hier außerdem Electronics ein – was genau wie im anschließenden "Le Miroir" hervorragend aufgeht. Vielleicht ist das die Zutat, die die Band in Zukunft vor der Stagnation bewahrt.

Trackliste

  1. 1. Les Jardins De Minuit
  2. 2. Protection
  3. 3. Sapphire
  4. 4. L'Île Des Morts
  5. 5. Le Miroir
  6. 6. Spiritual Instinct

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