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Mastodon
Blood Mountain


LAUT.STÄRKE

REVIEW VON

Mastodon haben wohl wieder etwas geschnüffelt. Wenn nicht am Klebstoff, dann auf jeden Fall in der alten Plattensammlung der Siebziger. Gleich dem dreiköpfigen Hirsch auf dem Plattencover, der sich in eine Wolfsfratze verwandelt, so bilden auch Mastodon diesmal eine Trinität aus vergangenen Heroen der Siebziger und Achtziger, neuen Einflüssen und der Symbiose aus beidem. Diesmal haben sie sich an ein Konzeptalbum gemacht, das äußerst doomig und psychedelisch klingt.

Während sich die Band auf "Leviathan" im Element Wasser bewegte, erklimmt sie nun den "Blood Mountain". Parallel zur Evolution der Säugetiere, mit der das Leben am Land einherging, verzeichnen auch Mastodon mit dem Wechsel der Elemente einen Entwicklungssprung. Wobei die Einflüsse des Metal eindeutig zurückgeschraubt wurden. Zu Beginn der Bergbesteigung stehen noch rockende Songs wie "The Wolf Is Loose" und "Crystal Skull", die wie eine härtere Version von Kyuss und Deep Purple mit Hardcore-Einschlag klingen.

Doch Mastodon wühlen auch in anderen Trickkisten. "Sleeping Giant" beispielsweise ist ein schleppend langsamer, aber gewichtiger Song, der orientalische Elemente einbindet und nicht nur aufgrund des Gesangs an Black Sabbath erinnert. "Capillarian Crest" klingt wie Stoner Rock, bricht aus diesem Konzept dann jedoch wieder aus und lässt die Leadgitarren und Drums beachtlich tanzen. Auf dem Weg zum Gipfel sieht man sich gefährlichen Wesenheiten und Dämonen konfrontiert, die sich als schwer überwindbare Hindernisse auftun, die aber auch den Halluzinationen des Bergsteigers entspringen könnten. In derart psychedelische Gefilde driftet "Circle Of Cysquatch" ab. "Eyes all around you / Enter the labyrinth / Visions of the hunter / Beware of the birchmen", warnt eine unheimlich verzerrte Stimme.

Auf die Spitze getrieben wird ein ähnlicher Effekt auf dem fast reinen Instrumentalstück "Bladecatcher". Nur, dass die Stimme darauf so klingt wie Micky Mouse auf einem LSD-Horrortrip. Bei "Colony Of Birchman" zeigt sich, dass der Vergleich mit Kyuss so weit her nicht ist, ist doch Joshua Homme (Ex-Kyuss, Queens Of The Stone Age) mit dabei. "Hunters Of The Sky" und "Hand Of Stone" sind zwei Songs, die wieder mehr geradeaus rocken. "This Mortal Soil" hingegen baut seine Black Sabbath- und Led Zeppelin-Anleihen zu einem abwechslungsreichen, fünf Minuten langen, Stück aus, bei dem sich mit langsame, schleppende Passagen mit dynamischen Parts die Klinke in die Hand geben. Schräg und verstörend auch "Siberian Divide". So muss man sich wohl fühlen, wenn man sich im ewigen Eis verlaufen hat, die Gliedmaßen schön langsam abfrieren und das Verhungern einsetzt. Was ja auch Inhalt des Songs ist.

Abschluss des Albums bildet "Pendulous Skin". Wer sich gedacht hat, die vorigen Stücke waren schon eine Huldigung an die Siebziger, wird hier eines besseren belehrt. Fast kann man sie vor dem geistigen Auge sehen, die Blumenkinder, die über die Wiese laufen und sich an den Händen halten. Womit der Held seinen heiligen Gral in Form der Bergspitze gefunden und die Geschichte ihr Ende hat. Übrigens ist der letzte Song nicht tatsächlich 22 Minuten lang, wie das der Display anzeigt. Es lohnt sich aber trotzdem, nicht vorzeitig abzuschalten ...

Alles in Allem klingt "Blood Mountain" wie die Umsetzung von H.P. Lovecrafts Beschreibung seines Opium-Trips in einem wilden Stilmix aus Metal, Progressive Rock, Doom Metal und oben genannten Einflüssen. Man muss Mastodon eine enorme technische und kreative Weiterentwicklung zusprechen. Richtig fetzende Songs, die einfach ins Ohr gehen, wie auf dem letzten Album, gibt es hier nicht. Das Hörerlebnis gestaltet sich streckenweise ebenso beschwerlich aber eben auch beglückend wie die thematisierte Bergbesteigung. Steht man am Gipfel, weiß man, die Mühe hat sich gelohnt.

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