Porträt

laut.de-Biographie

Zola

Südafrikaner dürfen vollkommen zurecht von sich behaupten, in einem der schönsten Länder der Erde zu leben. Dass dieses Land aber auch mit äußerst heftigen wirtschaftlichen und sozialen Problemen zu kämpfen hat, zeigt nicht zuletzt ein Blick in die von der Apartheid-Regierung eingerichteten Townships. Das nahe Johannesburg gelegene Soweto ist das wohl bekannteste dieser an Ghettos erinnernden Siedlungen. Wie andere Städte auch, ist Soweto in verschiedene Stadtteile gegliedert. Einer dieser Bezirke heißt Zola und ist nicht nur der Namensgeber für Bonginkosi Dlamini, der sich danach benennt, sondern auch die Heimat der bekanntesten Kwaito-Stars, unter ihnen auch Mandoza.

Zola ist jedoch nicht nur ein begnadeter Musiker. Vielmehr erstreckt sich sein Talent über alle Formen des künstlerischen Ausdrucks und des sozialen Engagements. Für die Südafrikaner selbst ist er "eine Ikone, ein Retter der Menschen, ein sozialer Berichterstatter, ein Symbol der Hoffnung für die Hoffnungslosen", schreibt eine südafrikanische Zeitung. Diese Vergötterung hängt sicher mit seinem Aufstieg vom Ghetto-Kid bis zum Superstar zusammen. Der Hauptgrund für die Liebe der Südafrikaner zu ihm dürfte jedoch in der Tatsache begründet sein, dass er sich wie kaum ein anderer Musiker für die sozialen und politischen Belange der einfachen Leute einsetzt.

Zola kommt am 24. April 1977 in Soweto zur Welt und wächst in Zola auf. So weit, so normal. Wie bei vielen anderen Kindern in Südafrika, verabschiedet sich sein alkoholabhängiger Vater kurz nach seiner Geburt und lässt Zolas Mutter alleine zurück, die von da an für ihn, seinen älteren Bruder und seine Schwester sorgen muss. Als zu Beginn der Neunziger Kwaito aus den Townships empor brodelt und für ein völlig neues Selbstbewusstsein und Lebensgefühl unter der schwarzen Bevölkerung sorgt, flasht dies Zola genauso wie viele andere Jugendliche. Mit dem Aufstieg des Kwaito von der Subkultur zum Mainstream schießen die dazugehörigen Labels wie die Pilze aus dem Boden. Eines davon heißt Ghettoruff und vor dessen Gebäude lungert der junge Zola herum, um eventuell mal ein selbstgemachtes Tape bei den Verantwortlichen unterzubringen.

Die Label-Leute lassen ihn aber erst einmal auflaufen, da sie der Meinung sind, schon genug Künstler in ihrer Company zu beherbergen. Daraufhin rennt er so lange gegen andere Türen, bis ihm auf einmal eine Rolle im Fernseh-Drama "Yizo Yizo" angeboten wird, wo er schließlich die Rolle des Gangsters Papa Action spielt. Der Film macht in Südafrika einige Wellen, da sich die Geschichte um einen vergewaltigten Strafgefangenen dreht; sogar das Parlament debattiert hitzig.

Seltsamerweise sind genau diejenigen für die musikalische Untermalung des Filmes verantwortlich, die Zola zuvor noch vergeblich angefleht hat, ihm eine Chance zu geben. Ein Titeltrack steht zu dem Zeitpunkt bereits fest, aber bislang hat noch niemand die Produzenten zufrieden stellen können. Zola schnappt sich das Mikro und bläst mit seiner Performance und seinem Flow alle um. Das Ergebnis der Aufnahmesession hört auf den Namen "Ghetto Fabulous" und avanciert sogleich zum Hit.

Jetzt ist es endlich an der Zeit, auf eigenen Beinen zu stehen. Den Erfolg von Zolas Debüt "Umdlwembe" mit dem Begriff der einschlagenden Bombe zu bezeichnen, wäre glatt untertrieben. Grandios ist der völlig schnörkellose Bass, der einem da in die Fresse wummert. Ohne irgendwelchen Mumpitz erzeugt Zola mit Produzent Kaybee einen unglaublich breitwandigen und dichten Sound. Schon mit seiner ersten Platte tritt er ins große Rampenlicht der südafrikanischen Musikszene und sahnt am Ende bei den dortigen Music Awards den Preis für das Kwaito-Album des Jahres ab. Das ist umso erstaunlicher, als im selben Jahr Mandozas Überraschungserfolg "Nkalakatha" an den Start geht.

Rein finanziell hat sich Zola mit dieser Veröffentlichung bereits das Ticket zum Jetset seines Landes gesichert. Das große Protzen überlässt er jedoch anderen. Das einzige wirkliche Status-Symbol, das er sich gönnt, sind Karren deutscher Herstellung. Einen davon schenkt er der Mutter, die ihn durch die Irrungen und Wirrungen der Jugend gebracht hat. Ihr zuliebe bringt er auch immer wieder eine gospelinspirierte Nummer auf seinen Alben unter, da sie die so gerne hat.

Von nun an geht das Phänomen Zola nur noch steil. Innerhalb kürzester Zeit wandert das Debüt 180.000 mal über die Ladentheken der Kap-Republik, was dort Triple-Platin bedeutet. Sein 2002 erscheinender Nachfolger "Khokhovula" kann den Überraschungserfolg bestätigen, wenn auch nicht steigern. Trotzdem ist die Marke Zola derart heiß, heißer geht's nicht. Fast logisch, dass ihm lukrative Angebote unterbreitet werden. Aber lediglich Kasse machen ist nicht Zolas Ding. 2003 bringt er mit Zola 7 eine eigene Fernsehshow an den Start. In dieser erfüllt er Wünsche. Aber nicht irgendwie, denn die, die sich mit der Bitte um Hilfe (einen Job, einen Ausbildungsplatz etc.) an ihn wenden, müssen zuerst etwas in ihrem Leben zum Guten ändern. Die Show ist ein dermaßen großer Erfolg, so dass der Sender SABC 1 sie auf weitere Staaten ausdehnt (Namibia, Nigeria, Sambia).

So profiliert sich Zola quasi als Robin Hood des Fernsehens. Der Künstler belässt es jedoch nicht bei dieser öffentlichkeitswirksamen Charity sondern legt kräftig nach, so dass man manches Mal das Gefühl haben könnte, der Mann beschäftige sich nur noch damit, die Welt zu retten. So setzt sich Zola für Aids-Waisen ein, ist Schirmherr für sechs Waisenhäuser und kämpft für die Waffenkontrolle, um nur zwei Beispiele zu nennen. Regelmäßig laden ihn politische Amtsträger zum Gedankenaustausch ein.

Neben all diesen Aktivitäten ist es schon erstaunlich, dass nur zwei Jahre später "Bhambatha" erscheint. Auf ebendiesem Album befindet sich mit "Don't Cry" nicht nur ein äußerst erfolgreicher Single-Hit. Zu diesem Song steuert Thembisile die Background-Vocals bei, die Zola vorher bei einer Sendung von Zola 7 kennen gelernt hat. Ihr größter Wunsch war es, Sängerin zu werden. Aktive Nachwuchsförderung nennt man das wohl. Unnötig zu erwähnen, dass die Verkaufszahlen für das Album schon nach kurzer Zeit über die magische Zahl 100.000 hinaus stürmen. Bei einer Bevölkerungszahl von 46 Millionen und weit weniger Kaufkraft als europäische Maßstäbe zulassen, ein mehr als nur beachtlicher Erfolg.

2005, man mag es kaum glauben, setzt er diesem Rummel noch einen drauf. Mit "Ibutho" erscheint wiederum ein Knaller von Album. Damit nicht genug, schreibt er auch noch die Filmmusik zum Drama "Tsotsi". Der Film um einen Jungen aus Soweto, macht überall auf der Welt Furore und erhält schließlich völlig zurecht den Oscar als bester ausländischer Film. Selbstredend, dass Zola im Zuge des Films gefragter ist denn je. Das muss auch auf Peter Maffay Eindruck gemacht haben, denn für sein Charity-Album "Begegnungen" besucht er Zola erst in Südafrika und lädt ihn schließlich nach Deutschland ein, um hier eine neue Version von "Don't Cry" für die vielbeachtete Scheibe einzuspielen.

Im April 2007 nimmt der Deutschrocker den Kwaito-Superstar sogar auf seine Deutschland-Tour mit, nebenher bringt Zola noch seine eigene Klamottenmarke an den Start. So arbeitet Zola, der für die Südafrikaner zu einer Art modernen Jesus avanciert, weiter an einer besseren Welt. Wie hoch die Wertschätzung ist, die ihm am Kap widerfährt, zeigt auch die Liste der hundert wichtigsten Südafrikaner, wo Zola auf dem 21. Platz rangiert. Manche meinen sogar, er wäre neben Nelson Mandela die wichtigste zeitgeschichtliche Figur.

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