laut.de-Kritik

Gibst du mir etwas, geb' ich dir etwas.

Review von

"Es macht mich manchmal richtig wahnsinnig. In Afrika müssen wir gar nicht auftreten, wenn wir keine Keyboards und andere elektrische Instrumente dabeihaben. Für euch Europäer können es gar nicht genug traditionelle afrikanische Instrumente sein. Also nehme ich Alben mit sehr langen, elektronischen Mbalax-Stücken für den Senegal auf und begebe mich für den Rest der Welt auf die Suche nach meinen afrikanischen Wurzeln."

Auf dieser Suche wird Youssou N'Dour seit "Nothing's In Vain" und dem Grammy-prämierten "Egypt" im Senegal fündig. Auch "Rokku Mi Rokka" widmet sich (für den Rest der Welt) seiner Heimat. "Die Musik und die Inspiration für dieses Album kommen aus dem senegalesischen Norden, aus der Wüste", erläutert er die Songauswahl, für die er aus gut 20 aufgenommenen Titeln schöpfen konnte.

Neben Mbalax (der poporientierten Variante senegalesischer Musik) hört man ein bisschen Blues, ein bisschen Reggae und ein bisschen kubanische Musik als Einflüsse. "In Afrika lieben wir diese Genres, denn wir fühlen, dass es unsere sind - die Afrika aber vor langer Zeit mit dem Beginn der Sklaverei verlassen haben." Kompositorisch und kulturell eröffnet "Rokku Mi Rokka" zwar keine neuen Welten, aber richtig etwas falsch machen kann ein so etablierter Künstler wie N'Dour nicht.

Auch wenn Neneh Cherry über die Singleauskopplung "Wake Up" rappt, ist der Titel keine Anknüpfung an "Seven Seconds", den gemeinsamen 94er-Welthit. Soll er auch nicht. "Dieser Song ist sehr viel afrikanischer angelegt. Neneh liebte den Vibe, schließlich kommen wir vom selben Kontinent und haben eine gemeinsame Botschaft", kommentiert N'Dour den Albumcloser.

Neben Super Etoile, seiner seit 1979 existierenden Band, sind noch Bah Mody und Ousmane Kangue, zwei Sänger aus dem Norden Senegals, Bassekou Kouyaté aus Mali und einige Mitglieder des Orchestra Baobab mit von der Partie. Trotz prominenter Besetzung gibt mir "Rokku Mi Rokka" wenig. Das ist besonders tragisch, weil der Albumtitel übersetzt so viel bedeutet wie "Gibt du mir etwas, gebe ich dir etwas".

Meinem verwöhnten Gusto aber mag Youssou N'Dours Platte einfach nicht genügen. Die Gratwanderung zwischen senegalesischen und europäischen Hörerwartungen hinterlässt deutliche Spuren auf der Erste-Welt-Version. Um so gespannter bin ich auf die Dritte-Welt-Fassung.

Trackliste

  1. 1. 4-4-44
  2. 2. Pullo Ardo
  3. 3. Sama Gu
  4. 4. Ban
  5. 5. Baay Faal
  6. 6. Sportif
  7. 7. Tukki
  8. 8. L Ma
  9. 9. Dabbaax
  10. 10. Xel
  11. 11. Wake Up (It's Africa Calling)

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4 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    @laut.de (« [...]Die Gradwanderung[...] »):

    Wie heiß kann es den maximal bei so einer Wanderung werden? Und wird das in Celsius oder in Fahrenheit gemessen? Oder geht es hier womöglich um den Winkel?

    :P

  • Vor 10 Jahren

    nein, nicht um winkel um wärmegrade, es geht um die begehbarkeit des weges, ohne wegen der enge abzustürzen ;-)

    Kai

  • Vor 10 Jahren

    Moin Kai.
    Was meinst Du genau mit Dritte-Welt-Fassung? Ich habe momentan keinen weiteren Hinweis darauf gefunden, es gibt jedoch bei Amazon einen UK-Import (Doppel-CD).
    Nach deiner Rezension zu urteilen, bewegt sich Youssou N'Dour mit diesem Album wohl zwischen allen Stühlen.
    Eigentlich mag ich etwas keyboardlastige afrikanische Sounds, allerdings bleiben diese auch oft im Gewande der 80er Jahre ein wenig stecken. Geht nicht mehr jedem gut bei, aber mein Faible dafür ist dennoch ungebrochen. ;)
    Also erst einmal hören, dann vielleicht kaufen.

  • Vor 10 Jahren

    hey jan,
    auf jeden fall erstmal hören, dann vielleicht kaufen...

    die "dritte Welt"-Fassung wird irgendwann erscheinen, ist aber noch nicht soweit. der import hat damit nichts zu tun (meines wissens)...

    kai