Porträt

laut.de-Biographie

Tom Verlaine

Tom Verlaine gilt durch seine Gitarrenarbeit bei der Band Television, mit der er Mitte der Siebziger vor allem in England große Erfolge erzielen konnte, als einer der wegweisenden Gitarristen der Punkgeschichte. Seine Bearbeitung der sechs Saiten fand damals sowohl bei Freunden des Kaputtniktums als auch bei Anhängern der musikalischen Abstraktion vielgelobtes Gehör. Heute gilt der Mitbegründer der Punkbewegung als einer der legendären, aber nahezu vergessenen Urväter von anspruchsvoller Punk- und Indiemusik.

Das erste Mal schnuppert der 1949 geborene Thomas Miller mit seinem Kumpel Richard Meyers den Duft der weiten Welt als sie gemeinsam auf Tramp-Tour in den amerikanischen Süden gehen. Zwar fängt die Polizei die beiden Musikfreaks vom Lande schnell ein und bringt sie zu ihren Eltern zurück, doch da haben beide schon längst angebissen und den Plan für die große Stadt schon längst in ihren Köpfen realisiert.

Dieser wird 1968 in die Tat umgesetzt, als man gemeinsam nach New York zieht. Dort angekommen gibt sich Tom in Anlehnung an den französischen Poeten den neuen Nachnamen Verlaine. Selbst fasziniert von Poesie und der Musik der Rolling Stones findet Tom schnell ein Zuhause in der Künstlerszene der Lower East Side und verbringt dort seine Zeit mit Beatniks wie Burroughs oder Musikern wie Patti Smith, mit der er 1974 auch ein Gedichtband schreibt. Obwohl Tom in seiner Heimatstadt Wilmington im Bundesstaat Delaware eine Ausbildung als klassischer Pianist genossen hat, wird er mehr und mehr vom Sound der Bands aus seinem Umfeld (New York Dolls, Velvet Underground) musikalisch geprägt. Mit seinem Kumpel Richard (inzwischen Richard Hell) gründet er die Band The Neon Babys und entwickelt mit befreundeten Bands einen Sound, der später als Punkrock in die Geschichte eingehen wird.

Neon Baby werden schnell in Television umgetauft, unter welchem Namen man auch zwei Alben veröffentlicht. Der Erstling "Marque Moon" samt seinen komplexen musikalischen Verarbeitung und Lyrics wird Jahre später als einer der Meilensteine des Punk bezeichnet. Wie so oft bei Vorreitern einer Bewegung bleibt der Durchbruch allerdings völlig aus. Nach dem Split von Television konzentriert sich Verlaine auf seine Solokarriere und veröffentlicht 1979 sein selbstbetiteltes Debüt. Darauf findet sich auch der Song "Kingdom Come", der später von David Bowie auf dessen "Scary Monsters" gecovert wird.

Während die beiden folgenden Alben von der britischen Presse wie damals bei Television durchgehend als "groundbreaking" abgefeiert werden, kontert Amerika mit Zurückhaltung und ignoriert seine Musik praktisch komplett. Daraufhin verlegt Verlaine 1984 seinen Wohnsitz nach London. Drei Jahre gönnt er sich eine Pause und kehrt erst 1987 mit "Flash Light" zurück, das von vielen als der Höhepunkt seines Einzelschaffens angesehen wird. Der Nachfolger "The Wonder" findet dagegen unter den Kritikern wenig Freunde.

1991 reformieren sich Television für die Dauer von zwei Jahren, veröffentlichen sogar ein neues Album und spielen eine Tour. Während der Reunion arbeitet Verlaine nebenbei noch an seinem ersten Instrumental-Album "Warm and Cool", das 1992 im Laden steht. Als Television sich 1993 wieder auflösen, arbeitet Verlaine an der musikalischen Untermalung des Films "Love and a 45". Abgesehen von der Doppel-CD "The Miller's Tale", die versucht, sein Schaffen zusammenzufassen, Macht Tom Verlaine in den folgenden Jahren kaum auf sich aufmerksam. Erst als Television 2001 zum dritten Mal zusammen finden und auch wieder Konzerte geben, weckt dies die Erinnerungen an einen der wichtigsten Arbeiter an der Punk-Bewegung.

Alben

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