laut.de-Kritik

Der Erlöser passt bestens in die Hood.

Review von

Offensichtlich lassen sich mit Jesus-Darstellungen immer noch Skandälchen lostreten. Insbesondere, wenn der abgebildete Erlöser schwarz ist, ein Tränentattoo trägt und sein Gesicht hinter einem roten Bandana verbirgt.

Mit dem einem Kirchenfenster nachempfundenen Artwork brachte sich The Game jedenfalls schon einmal gekonnt ins Gespräch, ehe er die Platte dann doch mit einem weniger polarisierenden Cover veröffentlichte: "In loving memory" gedenkt er da nun seinem Bruder Jevon, der mit 21 Jahren bei einer Schießerei ums Leben kam.

Auch, wenn viele seiner verbiesterten Anhänger ein anderes Bild zu zeichnen versuchen, so scheint mir Jesus doch ein humorvoller Mann gewesen zu sein. Ganz sicher pflegte er keinerlei Berührungsängste, bewegte sich mit Vorliebe in zweifelhaften Kreisen. Jesus passt bestens in die Hood.

Ob ihm allerdings sein Porträt als klobiger Klunker an einer Kette gefallen hätte, werden wir vermutlich nie erfahren. Mindestens eben so rätselhaft bleibt die Frage: Wie klingt eigentlich The Game?

Zu seinen beeindruckendsten Fähigkeiten gehört zweifellos seit jeher, sich dem Stil und Flow seiner Featuregäste anzupassen. Chamäleon-Style. Auf einem zwölf Tracks starken Album, zu dem er zwanzig (!) Gast-MCs und -Sänger einlädt, bleibt von The Game selbst kaum etwas hängen.

Eine einzige Nummer bestreitet er alleine, lediglich flankiert von etwas weiblichem Backgroundgesang und druckvollen Bässen aus der Schmiede von Cool & Dre. Inhaltlich gibt "Heaven's Arms" zwar nicht die Welt her. Aber auch dabei handelt es sich, wie bei seinem endlosen Namedropping, um ein altbekanntes The Game-Problem.

Immerhin: "Jesus Piece" zeigt über weite Strecken einen soliden Rapper, der zwar wenig eigenes Profil entwickelt, aber durchaus unterschiedliche Stimmungen kreiert und transportiert. "Never thought I'd be legendary", so die doch recht realistische Selbsteinschätzung. "But fuck it I'm in it so."

"I love women 'cause without women would none of us niggas be breathin'", tönt es aus "Pray". Warum man in dem Fall ausgerechnet Chris Brown ins Studio laden muss, verstehe, wer will. "If you wanna roll, have the best fuckin night of your life, no lie, no lie", droht der, "me and you together girl, I'm celebratin' you tonight." Wie sich das anfühlt, hat die Welt ja bereits gesehen.

Abgesehen von dem Schlägerbubi schart The Game aber durchaus interessante Kollegen um sich. Common steuert einen Vers zum Titeltrack bei, während der Beitrag Kanye Wests eher ... übersichtlich ausfällt. Lil Wayne bewirbt sich, unter anderem im groovenden "All That (Lady)", wieder einmal um die Nachfolge Xzibits, was die dreckigste Lache im Biz betrifft.

2 Chainz, der sich als "the voice of ghetto intelligence" empfiehlt, erscheint in Gesellschaft von Rick Ross. Anscheinend geht der inzwischen nicht mehr aus dem Haus, wenn nicht jeder seiner Parts von nervtötenden "Maybach Music"-Jingles umrahmt wird. Die Kosten fürs Auto und die Klamotten breiten die Herren in "Ali Bomaye" derart ausführlich aus, als bereiteten sie sich intensiv auf eine Runde "Der Preis ist heiß" vor.

Meek Mill hinterlässt in "Scared Now" einen guten Eindruck, einen besseren noch der Lyricist der Stunde, Kendrick Lamar: "See No Evil" hätte, atmosphärisch, melancholisch und ruhig, das Highlight des Albums markiert, hätten sich alle Beteiligten die wirklich schauderhafte Hookline verkniffen, die die Gänsehaut der Ergriffenheit zu einer des Entsetzens gefrieren lässt. Irgendeine Absicht wird schon dahinter stecken: "God says: Everything happens for a reason."

Unter den Sängern bleibt besonders Elijah Blake im Gedächtnis, den The Game in "Freedom" mit vollem Recht als "an incredible gentleman" vorstellt. Komisch: Den habe ich mir gemerkt. The Game dagegen ... wie klang der noch gleich?

Trackliste

  1. 1. Scared Now
  2. 2. Ali Bomaye
  3. 3. Jesus Piece
  4. 4. Pray
  5. 5. All That (Lady)
  6. 6. Name Me King
  7. 7. See No Evil
  8. 8. Can't Get Right
  9. 9. Heaven's Arms
  10. 10. Hallelujah
  11. 11. Freedom
  12. 12. Celebration

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14 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    kriegst ein Thread-Fleißbienchen

  • Vor einem Jahr

    Muss zugeben die Tracklist liest sich schon etwas lächerlich bei SO vielen Features, wobei ich natürlich zu einem Vers von Common/Wayne/Kendrick nicht gern nein sage. Es ist aber tatsächlich so dass Game einfach etwas untergeht, was einfach nur schade ist, denn gut ist der Mann auf jeden Fall...
    Album ist grundsolide, wie sein bisheriges Material auch, nur etwas kurz und der Sound hat wie ich finde merklich geändert (wie sodi sagt: sehr weich an vielen stellen). "Pray" könnte direkt von Drake kommen, mit dem fast nicht vorhandenen Down-Tempo-Beat und melancholischen Gesang. Ein richtiger Ausfall ist nicht dabei, dafür ein paar Bomben wie Ali Bombaye, Pray, All That, oder Name me King.
    Album wirkt etwas schnell zusammen geschustert, dennoch sagt man nicht nein zu neuem Material von Game.